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| 19:24 Uhr

Peitzer Karpfenwochen sind gestartet
Teichwirte arbeiten für den Schutz des Klimas

 Die Teilnehmer des Karpfensymposiums beschäftigten sich mit der  Bedeutung von Wasser. Damit wurde der Auftakt zu den diesjährigen Karpfenwochen gemacht.
Die Teilnehmer des Karpfensymposiums beschäftigten sich mit der  Bedeutung von Wasser. Damit wurde der Auftakt zu den diesjährigen Karpfenwochen gemacht. FOTO: Marion Hirche
Peitz. Experten aus Brandenburg, Sachsen und Bayern diskutieren zum Auftakt der Peitzer Karpfenwochen bei Symposium zum Thema Wasser. Von Marion Hirche

  Zum Auftakt der sechsten Peitzer Karpfenwochen haben die  Organisatoren dieser Traditionsreihe diesmal mit dem Thema „Wasser“ ein ganz heißes Eisen angefasst. Sie hatten Experten aus Brandenburg, Sachsen und Bayern der  Fischwirtschaft und aus Behörden unter dem Thema „Ohne Wasser merkt Euch das…!“ zu einem Symposium in die Fischerkate auf dem Gelände des Peitzer Eisenhüttenwerks eingeladen. Wie aktuell, bedeutsam und kompliziert das Thema ist, wurde von Anfang an deutlich.  Teichwirtschaften mussten in diesem Sommer aufgrund der Trockenheit aufgegeben werden – bezugnehmend  auf diese aktuellen Ereignisse sagte Ramona Oppermann von der Peitzer Edelfischerei: „Die Lage  in der Teichwirtschaft ist dramatisch. Wir müssen gemeinsam mit dem Naturschutz unsere Strategien entwickeln“.

Michael Kohde  stellte in seinem Auftaktreferat einen Weg vor, wie die Ressource Wasser bestens genutzt werden kann. Er referierte über die Warmwasserfischzucht im Kraftwerk Jänschwalde. Schon seit den 1980er-Jahren werden hier in unterschiedlichen Anlagen  Fische erfolgreich erbrütet, aufgezogen und produziert. So werden hier jährlich unter anderem rund  70 bis 75 Tonnen Satzkarpfen, 3000 Besatzstöre und 40 000 Satzwelse produziert. Hinzu kommt noch die Erbrütung von etwa 20 Millionen Karpfen. „Die Aufzucht von Satz- und Speisefischen hier zeigt, dass das Kühlwasser zur Fischzucht geeignet ist“, resümierte der Experte, malte aber auch kein gutes Zukunftsbild: „Die Zeit langfristiger Verträge zwischen Kraftwerk und Fischzuchtbetrieb gibt es nicht mehr. Dazu ist die Lage der  Braunkohleverstromung zu unklar. Es werden also nur noch Einjahresverträge geschlossen, die auf drei Monate bei hoheitlichen Entscheidungen kündbar sind“.

Dr. Karsten Tusche von der Fischzucht Rietschen GmbH sprach über die Bedeutung der Teichwirtschaft für das Mikroklima. „Wir haben im letzten Jahr extrem unter Wasserknappheit gelitten. In diesem Jahr war es nicht ganz so schlimm in unseren vier Teichgebieten mit einer Gesamtfläche von 320 Hektar. Aber: Wir müssen den Wasserhaushaltsschutz stärker in den Fokus rücken“. Mit Nachdruck unterstrich er: „ In diesen trocknen Jahren wächst die Bedeutung der Speicherung von Wasser in unseren Teichflächen. Jeder Teich, den wir befüllen, stellt ein Wasserbecken dar.“

Anschaulich schilderte er die  Wirkungen dieser Wasserreservoirs: „Die Erträge von umliegenden Landnutzern, Bauern, Forstwirten, Haushalten sind besser. Es gibt kaum Grundwasserprobleme, in den Wäldern ist die Anzahl von Schädlingen äußerst gering,  Flussläufe können durch Quetschwasser vor dem Austrocknen bewahrt  und damit der Lebensraum für Tiere und Pflanzen erhalten werden.“ Und er stellte klar: „Karpfenteiche  wirken positiv auf den Wasserhaushalt und mildern die negativen Einflüsse des Klimawandels.“

Hier gab es auch Konsens mit dem Inhalt eines Flyers der bayrischen Fischwirtschaft, den jeder der rund 40 Symposiumsteilnehmer bekam.  Tusche skizzierte die Maßnahmen, die der Rietschener Betrieb ergriffen hat, um der Wasserknappheit entgegenzuwirken. Dazu gehören das bewusste Trockenlegen von Kleinstteichen, die Verschiebung der Befüllung der Teiche und des Wasserablassens.

Dr. Frank  Rümmler vom Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow erklärte, dass eigentlich für jeden Teich genau der Wasserbedarf zu berechnen sei, weil alle unterschiedliche Voraussetzungen haben. Teichwirtschaftsinhaber Christoph Junghanns aus Forst-Eulo schilderte den Einfluss der Temperaturen auf die Wasserverdunstung durch Pflanzen: Bei hohen Wärmegraden verdunste das Schilf viel mehr, als bei niedrigeren. Deshalb komme auch der Teichpflege eine Riesenbedeutung zu.

Am Ende des Symposiums waren sich die Teilnehmer einig: Teichwirte sind Wasserwirtschaftler und Wassermanager. „Diese bedeutende Dienstleistung  neben der Nahrungsmittelproduktion sollte dauerhaft erfasst und abgegolten werden“, so ihr Fazit. „Das war eine sehr informative Veranstaltung, ich habe dazu gelernt und mir Vieles mitgeschrieben“, resümierte Dr.  Dieter Leßmann  von der BTU Cottbus/Senftenberg, der  selbst über  die Chancen des künftigen Cottbuser Ostsees für die Binnenfischerei sprach.

Mit diesem  Auftakt durch Fischzuchtexperten wurde auch das Programm für jedermann gestartet: In zahlreichen Peitzer Gaststätten gibt es jetzt Karpfenspezialitäten, am Mittwoch sind Mädchen und Jungen zum Projekt „Karpfen trifft Schule“ an die Fischerkate eingeladen, und am 22. September können Interessierte an einer geführten Kahnfahrt auf dem Peitzer Hälterteich teilnehmen. Anmeldungen sind noch  unter Telefon 035601 8150 möglich.