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| 18:20 Uhr

Tatverdächtige schweigt zu Flaschenwurf auf Synagoge

Das Fenster der Cottbuser Synagoge, in dem mehrere Scheiben zerstört wurden. Die damals 21-jährige Tatverdächtige steht vor Gericht.
Das Fenster der Cottbuser Synagoge, in dem mehrere Scheiben zerstört wurden. Die damals 21-jährige Tatverdächtige steht vor Gericht. FOTO: mih1
Cottbus. (ta) Die Tat liegt beinahe anderthalb Jahre zurück. Kurz vor Mitternacht klirren mitten in der Spremberger Straße die Fensterscheiben. Christian Taubert

Eine Flasche soll in Richtung Jüdischer Synagoge geworfen worden sein. Scheiben gehen zu Bruch. Zwei Anwohner rufen die Polizei. Die Täter flüchten.

Aber noch in der Nacht vom 17. zum 18. November 2015 stellt die Polizei zwei tatverdächtige junge Frauen, erläutert der Ermittlungsführer des Staatsschutzes der Cottbuser Polizei am Donnerstag während des sechsten Verhandlungstages am Amtsgericht Cottbus. Der erfahrene Ermittler Carsten Plötzke schildert, dass die Flüchtigen in der Juri-Gagarin-Straße aufgegriffen und in Gewahrsam genommen worden seien. Die Polizei habe Spuren gesichert, und beide Personen sind den Angaben nach erkennungsdienstlich erfasst worden.

Im Zuge der Ermittlungen war Jessica M. als mutmaßliche Täterin ins Visier geraten, kam wegen Sachbeschädigung vor Gericht, wo sie seither das Reden ihrem Anwalt Christian Nordhausen überlässt. Jessica M., bei der zur Tatzeit ein Blutalkoholspiegel von 1,79 Promille nachwiesen wurde, hatte gegenüber den Ermittlern zwar eingeräumt, mit Bekannten an der Synagoge gewesen zu sein - die Tat bestreitet sie jedoch.

Am Donnerstag konzentrierte sich die Zeugenvernehmung maßgeblich auf die in der Oberbekleidung der Angeklagten gefundenen Glaspartikel. Neben dem Ermittlungsführer erläuterte auch Kriminaltechniker Ulrich Brauer, wie aus Jacke, Hose und Schuhen Partikel erfasst und an das Landeskriminalamt (LKA) übergeben wurden. Die Analyse sollte dem Abgleich mit Tatortfunden und -spuren dienen. Das LKA habe nach Abschluss der Untersuchungen mitgeteilt, so der Ermittlungsführer, dass es eine Übereinstimmung von Glaspartikeln an der Kleidung mit dem zerborstenen Fensterglas der Synagoge gebe.

Der Verteidiger zog unterdessen die Ermittlungen der Polizei zu den Glaspartikeln in Zweifel. Auch die Erkenntnisse der nach seiner Auffassung erst auf Druck von der Tatverdächtigen erhaltene DNA-Abgabe könnten vor Gericht nicht verwertet werden. Staatsanwalt Ruprecht Pfeffer widersprach dieser Auffassungen.

Wie die Indizien in den Plädoyers bewertet werden und welches Urteil Richter Georg Kapplinghaus sprechen wird, ist für den 12. April vorgesehen.