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| 21:15 Uhr

Tattoo-Messe und Street Food in Cottbus
Unter die Haut und durch den Magen

Tattoos und Kulinarik in Cottbus FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die erste Cottbuser Tattoo Convention und das Streetfood Festival Spreewald: Auf dem Messegelände ist es am Wochenende künstlerisch und kulinarisch zugegangen. Von Lydia Schauff

Sterile Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Männer und Frauen auf Liegen: Das sind Szenen am Wochenende in der Messe Cottbus. Die Stühle und Liegen an den Ständen der ersten Cottbuser Tattoo Convention am Wochenende sind besetzt. Überall surren die Tätowiermaschinen, lassen Stich für Stich auf Beinen, Armen, Rücken Blumenranken, Totenköpfe, Namen oder Gesichter entstehen.

Knapp 100 Tätowierer aus der Region – etwa aus Cottbus, Hoyerswerda, Beelitz oder Görlitz –, aus Deutschland und der Türkei, Italien oder den USA sind gekommen, um sich künstlerisch auf der Haut der Besucher zu verewigen. Mit dabei ist auch „Ossi“, der nur seinen Künstlernamen preisgibt, von Thedatoo in Hamburg. Für den gebürtigen Cottbuser, der vor zwölf Jahren in die norddeutsche Hafenstadt gezogen ist, ist es damit ein Heimspiel.

Und so nutzen etliche Bekannte die Chance, Ossi nicht nur mal wieder zu sehen, sondern sich auch gleich noch mit einem seiner unter die Haut gehenden Kunstwerke versehen zu lassen. So auch Bianca Kern. Die 45-Jährige hält geduldig ihren Arm hin, während Ossi ihr mit schwarzer Tinte eine Sanduhr, die rückwärts läuft auf den Unterarm tätowiert. Und so wird auf Bianca Kerns Haut die Zeit künftig nicht einfach ablaufen, sondern wieder mehr werden.

Für die Cottbuserin ist es das zweite Tattoo, das sie sich stechen lässt. „Es ist jetzt so ein Lebensabschnitt erreicht, da war Zeit für ein Neues“, sagt sie. Das erste Tattoo ziert ihr Schulterblatt, wurde vor 25 Jahren gestochen. Damit ist Bianca Kern eher besonders. Denn viele, weiß Ossi aus Erfahrung, sind nach dem ersten Tattoo „angefixt“, und so folgt meist eins nach dem anderen. Mit dem Zulauf auf der ersten Cottbuser Tattoo Convention ist Ossi zufrieden. Am Samstag hat er elf Tattoos gestochen und auch am Sonntag sei bis zum Nachmittag schon gut was losgewesen, so sein Fazit.

Zufrieden mit dem Zulauf war auch Tätowierer Manuel Büttner vom Tattoo- und Piercingstudio Tadelsucht in Bestensee. Der 28-Jährige hat seine Begeisterung fürs Tätowieren bereits mit 16 entdeckt. Seit vier Jahren verdient er als Tätowierer Geld, seit zweieinhalb Jahren gibt es das Studio in Bestensee.

Die Nachfrage nach der Kunst für die Haut sei hoch. Allerdings hätten vor allem Studios in ländlichen Regionen quasi mit Fachkräftemangel zu kämpfen. „Alle wollen immer nach Berlin und denken, bei uns ist nichts los“, sagt Manuel Büttner. Ein Jahr habe er neue Kollegen gesucht, und erst im Ausland gefunden. Grieche Dimitris Tsebe aus Thessaloniki bereichert seit einem Jahr das Team und ist auch bei der Tattoo Convention vor Ort. Er versieht an diesem Sonntagnachmittag gerade die  Tattoo-Vorlage eines Kunden mit Details, zeichnet die Konturen eines grünen Gebildes, ein Monster, das ein wenig an die Darstellung vom Aufbau eines Virus erinnert - aber mit Augen. Fünf Stunden wird er in etwa brauchen, bis die Vorlage ein vollendetes Kunstwerk auf einer Männerwade sein wird.

Einen Trend im Tattoo-Bereich gebe es nicht wirklich, jeder Tätowierer habe seinen Stil, sagt Marko Terror – noch so ein Künstlername – von Darkside Tattoo & Piercing aus Hoyerswerda. Allerdings seien bestimmte Motive sehr beliebt: Zum Beispiel Namen von Kindern, vom Partner versehen mit Daten aller Art, vom Geburtsdatum über das Hochzeitsdatum bis zum Sterbedatum einer geliebten Person.

Marko Terror kennt sich aus, sein Spezialgebiet ist allerdings das Piercen. So konnten sich Besucher an diesem Wochenende auch Ohren, Nasen, Bauchnabel und sonstige Körperteile durchstechen lassen. Wie viele Piercings er seit Samstag gestochen hat, weiß Marko Terror nicht mehr genau. Viele auf jeden Fall. Und er plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: „Die Frauen sind meist härter im Nehmen. Die Männer verdrücken schon eher mal ein Tränchen oder kippen um“.

Neben dem Tätowieren war die Convention auch dem Dampfen, also den E-Zigaretten, gewidmet und Besucher konnten sich mit entsprechendem Zubehör versorgen.

Mehrere Tausend Besucher hätten ihren Weg zur ersten Tattoo Convention in Cottbus gefunden, sagt Mitorganisator Andreas Varvara. Eine genaue Besucherzahl nennt er aber nicht. Varvara organisiert gemeinsam mit Kollege Tobias Osterloo vor allem Tattoo Conventions in Bayern, genauer in Passau, Kaufbeuren und Straubing.

Cottbus will in diese Reihe so gar nicht passen. Das habe sich so ergeben, zumal Cottbus, was Tattoo Conventions betrifft, bisher unberührt gewesen ist, so die beiden Event-Organisatoren. Und sie können sich vorstellen, auch kommendes Jahr wieder eine Tattoo Convention in Cottbus zu organisieren.

Und auch das Spreewald Streetfood Festival, das bereits ab Freitag draußen auf dem Messegelände mit 20 Trucks und zahlreichen Leckereien in fester und flüssiger Form – von Cocktails in der Tüte, über Kartoffelscheiben am Stiel bis hin zu ausgefallenen Hot-Dog-Kreationen – aufwartete, könnte sich eine erneute Kooperation mit der Tattoo-Messe vorstellen.

Doch die Entscheidung falle erst, wenn die Bilanz von diesem Jahr gezogen ist. Ab Samstagnachmittag – nachdem sich das sehr kühle, regnerische Wetter verzogen hatte – sei der Zulauf super gewesen, sagt Christian Wegewitz von Spreewald­eventservice. So seien am frühen Samstagabend schon etliche Speisen ausverkauft gewesen.

⇥www.lr-online.de/bilder.

 Bianca Kern nutzt die Tattoo Convention in Cottbus am Wochenende, um sich tätowieren zu lassen. Es ist ihr zweites Tattoo, das sie sich von Tätowierer „Ossi“ – ursprünglich ein Cottbuser – von Thedatoo Hamburg stechen lässt.
Bianca Kern nutzt die Tattoo Convention in Cottbus am Wochenende, um sich tätowieren zu lassen. Es ist ihr zweites Tattoo, das sie sich von Tätowierer „Ossi“ – ursprünglich ein Cottbuser – von Thedatoo Hamburg stechen lässt. FOTO: LR / Lydia Schauff
Tattoos und Kulinarik in Cottbus FOTO: Michael Helbig