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| 02:33 Uhr

Tarpane verlassen die Spreeaue

Die scheuen, aber neugierigen Tarpane warten im Auslauf auf dem Sielower Hof auf ihren Abtransport Richtung Thüringen.
Die scheuen, aber neugierigen Tarpane warten im Auslauf auf dem Sielower Hof auf ihren Abtransport Richtung Thüringen. FOTO: hil
Seit sieben Jahren gehören sie zum Landschaftsbild der renaturierten Spreeaue: Eine kleine Herde von Tarpanen war hier angesiedelt worden, um gemeinsam mit Aueroxen und Wasserbüffeln für die Grünpflege zu sorgen. Doch die Wildpferde vertragen den feuchten Boden nicht. Andrea Hilscher

Cottbus/Dissen. Wolfram Hotzler, Chef der Sielower Agrargenossenschaft, hat sich viel Zeit gelassen, um mit den Tarpanen vertraut zu werden. Sehr zuversichtlich hat er 2007 die Ansiedlung der Wildpferde in der Spreeaue bei Dissen vorangetrieben. Jetzt aber muss er bedauernd zugeben: "Der Boden in der renaturierten Spreeaue ist zu feucht für diese Rasse."

Zweimal jährlich wurden den scheuen Tieren die Hufe ausgeschnitten, trotzdem kam es immer wieder zu Problemen durch nassen Untergrund. "Daher haben wir uns jetzt schweren Herzens entschlossen, uns von den Tarpanen zu verabschieden", so Wolfram Hotzler.

Die acht Tiere wurden jetzt eingefangen - "mit List und Tücke", wie Hotzler sagt. Geholfen haben außerdem einige Westernreiter aus Kolkwitz, die Erfahrungen mit Viehtrieben in der Spreeaue haben.

Nach einer Nacht auf dem Sielower Hof wurden die Tarpane am gestrigen Mittwoch erneut verladen und in ein Naturschutzprojekt nach Thüringen gebracht. "Dort enthält der Boden Muschelkalk und ist dadurch deutlich trockener als hier", erklärt Wolfram Hotzler. Dort sollten die Wildpferde keine Hufprobleme mehr bekommen.

Besucher der Spreeaue müssen allerdings bis zum Frühjahr auf den Anblick der kräftigen, graubraunen Vierbeiner verzichten. "Wir suchen aber nach einer Rasse, die mit unseren Gegebenheiten besser zurechtkommt", so Hotzler. Denn ganz ohne Wildpferde soll die Spreeaue nicht bleiben.

Auf ihrer Reise nach Thüringen wurden die acht Tarpane übrigens von drei Wasserbüffeln begleitet. Die Tiere wurden verkauft und verbringen den Winter in Thüringen. Im Frühjahr kommen sie in ein Naturschutzprojekt am Rande Berlins. Fünf Aueroxen wurden bereits im Sommer nach Baden-Würtemberg verkauft.

Ihre Kollegen in der Spreeaue werden wie üblich in freier Wildbahn überwintern. Die Wasserbüffel hingegen stehen die kommenden Monate auf dem Hof der Sielower Agrargenossenschaft und kehren erst im Frühjahr wieder in die Spreeaue zurück.

Eingesetzt werden die Tiere dort seit 2007, um das Landschaftsbild auf natürliche Weise zu pflegen und zu verändern. Regelmäßig werden Wasserbüffel und Aueroxen ausgesondert und geschlachtet. Das Fleisch gibt es im Sielower Hofladen zu kaufen.

Zum Thema:
Tarpane: In historischer Zeit dienten die Tarpane vielen Kulturen als wichtiger Fleischlieferant. Man nimmt an, dass das Wildpferd vor etwa 6000 Jahren domestiziert wurde. In den südrussischen Steppen überlebte das europäische Wildpferd am längsten. Um 1880 waren die Tarpane, die wahrscheinlich bereits großteils Hybride waren, auch in Südrussland bereits sehr selten. 1879 wurde das letzte wissenschaftlich belegbare Exemplar getötet. Für danach sind Sichtungen zweifelhafter Authentizität überliefert. Das letzte in Gefangenschaft gehaltene Pferd, das als Tarpan bezeichnet wurde, starb 1918. Bei den heute als "Tarpan" bezeichneten Pferden handelt es sich um Rückzüchtungen.Wasserbüffel: Der wilde Wasserbüffel gilt als vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Wegen der Schwierigkeiten, ausgewilderte Hausbüffel von echten Wildbüffeln zu unterscheiden, schwanken die Bestandsangaben zwischen 200 und 4000 Exemplaren.Aueroxen: Die Rückzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen wird gern zur Landschaftspflege in Naturparks genutzt.