(hil) Im Tarifkonflikt zwischen Beschäftigten der Thiem-Service GmbH (TSG) und dem Mutterhaus, dem Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum, verschärft sich der Ton. Dessen Geschäftsführer Götz Brodermann hatte sich schriftlich an die Mitarbeiter der TSG gewandt und den Streik als „unverhältnismäßig und damit rechtswidrig“ bezeichnet. Teilnehmern an einem rechtswidrigen Streik drohten arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Ulrich Freese, Bundestagsabgeordneter der SPD, ist empört über diese Äußerungen. „Ich komme mir vor wie in einem Stück aus dem Tollhaus“, so Freese. „Die Friedenspflicht ist seit Monaten abgelaufen, zudem hat der Bundesvorstand der Gewerkschaft die Arbeitskampfmaßnahmen sanktioniert.“ Seiner Auffassung nach ist der Warnstreik der TSG-Beschäftigten also rechtmäßig.

Zudem kritisiert Freese das Angebot des CTK-Geschäftsführers, Mitarbeitern, die trotz des Streiks arbeiten, 30 Euro Zuschlag zu zahlen. „Das bedeutet, Streikbrechertum zu fördern“, so Freese. In einem kommunalen Unternehmen halte er es für untragbar, derartigen Druck auf die Mitarbeiter auszuüben. Er selbst wisse genau, wie wichtig die Arbeit der Servicekräfte im Klinikablauf sei. „Ich habe in diesem Jahr selbst im CTK gelegen, ebenso wie meine Frau. Wir wurden von den Servicekräften ausgesprochen freundlich umsorgt.“ Es sei nicht zu verstehen, dass solche Menschen, die zum Wohlbefinden der Patienten und zu deren Heilungsprozess einen wesentlichen Beitrag leisteten, am Ende der Verdienstkette stünden.

Rund 60 Beschäftigte der TSG haben sich am Donnerstag zu einer Kundgebung vor dem Cottbuser Rathaus getroffen. Die Stadt Cottbus ist Eigentümerin der Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH, die wiederum die Tochtergesellschaft Thiem-Service GmbH unterhält. Wie Verdi mitteilt, verdient eine Serviceassistentin in der TSG bis zu 25 Prozent weniger als beispielsweise ein CTK-Beschäftigter des krankenhausinternen Patiententransportes. Die Gewerkschaft fordert hier eine Angleichung.

„Mir ist schleierhaft, wie Herr Brodermann zu der Auffassung kommt, der Streik sei rechtswidrig“, sagt Gewerkschaftssekretär Ralf Franke. „Das CTK hätte in dieser Sache innerhalb kürzester Zeit eine Entscheidung des Arbeitsgerichtes herbeiführen können, statt jetzt Druck auf die Mitarbeiter auszuüben.“

Susann Winter, Sprecherin des CTK: „Uns erscheint ein Streik zu diesem Zeitpunkt unverhältnismäßig. Die Forderung der Gewerkschaft ist derart weit von unseren Vorstellungen entfernt, dass man in Verhandlungen kaum zu einer Lösung kommt.“ Sobald die Gewerkschaft eine neue Forderung vorlege, sei man zu Gesprächen bereit.