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| 23:50 Uhr

Piccolo-Theater
Tanz für eine Legende

 In ihrem Tanz spiegeln Zaida Ballesteros (vorn) und Golde Grunske die innere Zerrissenheit der Opernsängerin Emmy Destinn wider.
In ihrem Tanz spiegeln Zaida Ballesteros (vorn) und Golde Grunske die innere Zerrissenheit der Opernsängerin Emmy Destinn wider. FOTO: LR / Silke Halpick
Tschechisch-deutsches Musiktheater-Projekt beleuchtet das Leben der berühmten Opernsängerin Emmy Destinn. Deutsche Erstaufführung ist im Piccolo-Theater in Cottbus. Von Silke Halpick

Aus einer menschlichen Kugel heraus lösen sich zwei Gesichter, vier Arme, vier Beine und letztlich die Tänzerinnen Zaida Ballesteros und Golde Grunske. Sie stoßen sich ab, ziehen sich an, kraftvoll und wild, sanft und ruhig. Eine kann nicht ohne die andere sein. Beide sind Teil eines Ganzen: Beide sind Emmy Destinn. Die tschechische Opernsängerin war schon zu Lebzeiten eine Legende und ist im Nachbarland eine Nationalheldin. Ihr Leben bringt jetzt ein tschechisch-deutsches Musiktheater-Projekt auf die Bühne. „Emmy Destinn: Sturm und Ruhe“  erlebt am 31. Januar im Piccolo-Theater in Cottbus seine deutsche Erstaufführung.

„Ich kannte Emmy Destinn im Vorfeld nicht“, räumt Grunske ein. Die Idee für das Stück stammt von Martin Dvorák. Der tschechische Tänzer und Choreograf organisiert mit seiner ProArt Company in Brno (Brünn) regelmäßig Tanzfestivals und Workshops.  „In Tschechien ist Emmy Destinn sehr bekannt“, sagt Grunske. Das Gesicht der Opernsängerin ist sogar auf dem 2000-Kronen-Schein abgebildet.  Am Ende ihrer Konzerte soll Destinn die tschechische Nationalhymne angestimmt haben. 1918 wurde die Tschechoslowakische Republik gegründet.

„Destinn war für ihre Zeit eine sehr politische Frau“, sagt Ballesteros. Das beeindruckt die aus Spanien stammende Choreografin, die am Piccolo-Theater in Cottbus arbeitet. Destinn wurde während des Ersten Weltkrieges wegen angeblicher Spionage unter Hausarrest gestellt. Berühmt wurde die Opernsängerin wegen ihrer ungewöhnlich ausdrucksstarken Sopranstimme, die gern als „glockenrein“ bezeichnet wurde, und mit der sie ein großes Gesangsspektrum bewältigen konnte.  Schon bei den ersten großen Auftritten in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts wurde Destinn vom Publikum stürmisch gefeiert.

„In ihrem Innern war sie jedoch sehr verletzlich und voller Widersprüche“, betont Grunske. Bereits im Alter von 50 Jahren zog sie sich zurück. „Das Schrecklichste ist, eine alte Frau auf der Bühne sehen zu müssen“, soll der Star gesagt haben. Für Golde Grunske ist es ein Mysterium, warum eine so erfolgreiche Opernsängerin, die auch Gedichte und Romane schrieb, sich selbst immer wieder infrage stellte. Diesen Zwiespalt bringen Grunske und Ballesteros mit zwei Tänzen, für die sie die Choreografie erarbeitet haben, auf die Bühne.   „Das ist schon eine runde Sache“, sagt Ballesteros nach der Probe zufrieden.

Eingebettet sind die Tänze in ein einstündiges zweisprachiges Musiktheater-Stück. Auch Gedichte von Emmy Destinn werden vorgelesen. Für die Gesamtchoreografie veranwortlich ist Martin Dvorák. Die Absprachen der Künstler untereinander erfolgten im Vorfeld über Livechats im Internet. Erst kurz vor der Premiere treffen sich die Kooperationspartner persönlich. „Ich bin gespannt, wie das funktioniert“, sagt Grunske. Optimistisch ist Bellesteros. Sie hat bereits an anderen Projekten mitgearbeitet, bei denen die Künstler „überall in Europa verteilt“ waren. „Die vielen unterschiedlichen Ideen waren eine große Bereicherung“, sagt sie rückblickend.

Uraufgeführt wurde „Emmy Destinn: Sturm und Ruhe“ am 28. Januar in der Villa Tugendath in Brno. Im Piccolo-Theater ist das Stück am 31. Januar und 1. Februar jeweils um 19 Uhr zu sehen. Wer will, kann auch beim Workshop „Zeitgenössischer Tanz“ mit Martin Dvorák am 1. Februar in der Zeit von 16.30 Uhr bis 18 Uhr mitmachen. Dieses Angebot ist kostenlos und gilt für alle Interessierten ab 14 Jahren. Anmeldungen sind nicht nötig. Das Erscheinen reicht. Karten für die Aufführungen sind unter Telefon 0355/23687 erhältlich. Das Projekt wird vom deutsch-tschechischen Zukunftsfonds gefördert.