Wie viel Schmerzmittel, Antibiotika und andere Medikamente enthält das Cottbuser Wasser? Das wollte die LWG Lausitzer Wasser GmbH genau wissen und hat eine Studie in Auftrag gegeben. Untersucht wurden sowohl das Abwasser bei der Ankunft in der Kläranlage und vor der Einleitung in die Spree, als auch das Trinkwasser. "Für unsere Studie haben wir eine Reihe von Standardarzneien ausgewählt und gezielt nach ihnen gesucht. Im Wasser, das in der Kläranlage ankommt, haben wir sie alle nachweisen können, auch Röntgenkontrastmittel und Tier antibiotika", informiert Jonas Krause, der Technische Leiter der LWG. Auch beim Auslauf seien noch Arzneimittelrückstände in dem geklärten Wasser gefunden worden. "Nur ein kleiner Teil der Stoffe wird in der Kläranlage abgebaut", sagt Krause.

Allerdings sei die Konzentration der Medikamentenrückstände sehr gering. So wurden nur 0,000001 Gramm pro Liter im Abwasser gemessen. "Um sich diese Zahl besser vorstellen zu können: Würde jemand 20 Jahre lang täglich 100 Liter von diesem Wasser trinken, wäre es so, als würde er eine Tablette schlucken", erklärt der Technische Leiter der LWG.

Was das Trinkwasser angeht, brauchen die Cottbuser keine Alarmmeldungen wie in Berlin zu erwarten. "In unserem Trinkwasser sind keine Spuren von Medikamenten enthalten", kann Jonas Krause beruhigen. Im Unterschied zu Berlin, wo das Trinkwasser aus Uferfiltrat gewonnen wird, holt die LWG das Trinkwasser aus 40 bis 80 Meter tiefen Brunnen. Jonas Krause ärgert sich, dass die Wasserwirtschaft oft zu Unrecht in die Schlagzeilen gerät, wenn es um Medikamentenrückstände im Wasser geht. "Die Kläranlagen stehen ganz am Ende des Weges. Wenn es darum geht, die Belastung des Wassers zu reduzieren, sollte man eher dort beginnen, wo viele Rückstände ins Wasser gelangen", gibt Krause zu bedenken. Viele Arzneirückstände gelangten allerdings direkt in die Umwelt, vor allem über die Gülle, die auf Feldern ausgebracht wird.

Um die Medikamentenbelastung des Wassers von vornherein möglichst gering zu halten, werben die LWG und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in der Öffentlichkeit dafür, Arzneimittel richtig zu entsorgen und abgelaufene oder überzählige Tabletten, Tropfen und Säfte nicht in die Toilette oder den Ausguss zu kippen. "Leider sind Apotheken nicht mehr verpflichtet, Medikamente zurückzunehmen.

Dort, wo der Hausmüll verbrannt wird, können Medikamentenreste im Restmüll entsorgt werden. Arzneiwirkstoffe werden bei der Verbrennung zerstört. Die Verpackungen können recycelt werden. Am sichersten ist es aber, nicht verbrauchte Arzneimittel bei der örtlichen Schadstoffsammelstelle abzugeben", rät Jonas Krause.

Zum Thema:
In der Europäischen Gemeinschaft gibt es rund 3000 zugelassene Medikamente. Allein in Deutschland werden laut einer Studie der LWG jährlich etwa 70 000 Tonnen Arznei verschrieben. Nur 30 000 Tonnen davon werden von den Patienten verbraucht. Die restlichen 40 000 Tonnen, also mehr als die Hälfte der verschriebenen Medikamente, werden entsorgt.