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Kriminalität
Gericht verkündet am Montag Urteil nach Messerattacke auf Friseur-Chefin

Im Prozess um versuchten Mord an seiner Friseurchefin in Herzberg hat die Staatsanwaltschaft Cottbus zwölf Jahre Haft für den syrischen Flüchtling Mohammad H. gefordert. Am Montag wird das Urteil verkündet.
Im Prozess um versuchten Mord an seiner Friseurchefin in Herzberg hat die Staatsanwaltschaft Cottbus zwölf Jahre Haft für den syrischen Flüchtling Mohammad H. gefordert. Am Montag wird das Urteil verkündet. FOTO: Ch. Taubert / LR
Cottbus/Herzberg. Der Flüchtling Mohammad H. muss sich nach einer Bluttat in einem Herzberger Kosmetik- und Friseursalon vor Gericht verantworten. Der Staatsanwalt hatte im Plädoyer hinter geschlossener Tür zwölf Jahre Haft für den Syrer gefordert. Von Christian Taubert

Den syrischen Friseur Mohammad H. erwartet vermutlich eine lange Haftstrafe. Vor dem Landgericht Cottbus wird am Montag das Urteil nach der Messerattacke des 39-jährigen Flüchtlings auf seine Chefin im Juni 2017 in Herzberg verkündet. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer zwölf Jahre Haft gefordert, was von der Nebenklägerin unterstützt wurde. Beide machten unter Ausschluss der Öffentlichkeit deutlich, dass für sie der Tatvorwurf des versuchten Mordes und der gefährlicher Körperverletzung als erwiesen gilt.

Dagegen sieht der Verteidiger des als Flüchtling 2015 nach Deutschland gekommenen 39-jährigen Familienvaters – nach Angaben des Gerichts – das Mordmerkmal der Heimtücke nicht als gegeben an und geht von versuchtem Totschlag aus. Deshalb setzt die Verteidigung das Strafmaß auf fünf Jahre Freiheitsentzug an. Nach den Plädoyers hatte sich der Angeklagte, so ein Gerichtssprecher, in seinem letzten Wort bei der Geschädigten, die mit im Gerichtssaal war, entschuldigt und sein Bedauern über seine Tat geäußert.

Mohammad H. soll am 28. Juni 2017 seine Chefin eines Kosmetik- und Friseursalons in Herzberg (Elbe-Elster) völlig unerwartet mit einem Rasiermesser attackiert und ihr Schnittwunden an Hals, Brust und Bauch zugefügt haben. Mehrere Zeugen und zwei Gutachter hatten im Verlaufe des Prozesses den vermeintlichen Tathergang geschildert. Der Cottbuser Psychotherapeut Dr. Jürgen Rimpel beschrieb zudem die psychische Situation des Tatverdächtigen und verwies auf die anfängliche Euphorie nach seiner Ankunft in Herzberg, aus der zunehmend Anpassungsstörungen geworden seien.

Auf das Verhältnis von Mohammad H. zu seiner Chefin Ilona F. eingehend schilderte der Experte, dass sie wie eine Mutter zu ihm gewesen sei und nahezu alle Wünsche erfüllte. Als Chefin habe sie aber auch viel von ihm verlangt, wozu er offenbar nicht in der Lage gewesen sei. Zu dem „komplexen Verhältnis“ habe auch eine Liebesbeziehung gehört. Der Gutachter gestand dem Beschuldigten im Ergebnis seiner Analyse keinerlei strafmildernde Umstände zu. Auch der Drogenkonsum vor der Messerattacke habe keine psycho-aktive Wirkung gehabt.