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| 18:30 Uhr

Kriminalität
Diebstahl mit glücklichem Ausgang

 Vor dieser Bar in der Stadtpromenade hat sich der Diebstahl ereignet.  Zwei Jugendliche halfen den Frauen. 
Vor dieser Bar in der Stadtpromenade hat sich der Diebstahl ereignet.  Zwei Jugendliche halfen den Frauen.  FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Nach einem Taschendiebstahl retten zwei junge Syrer das Eigentum einer Cottbuser Rentnerin. Von Nils Ohl

Es ist die Geschichte hinter einer Polizeimeldung, die so begann: „In der Stadtmitte stahlen am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr zwei unbekannte junge Männer die Tasche …“

Es sollte ein entspannter Nachmittag werden, den die ehemalige Lehrerin Helga B. mit ihrer Freundin genießen wollte: „Wir hatten uns zusammen die Räume der Zukunftswerkstatt Lausitz angesehen – in der ehemaligen Gaststätte Stadt Cottbus. Dort waren wir früher oft zum Tanzen.“

Weil die Sonne herrlich frühlingshaft schien, entschlossen sich die beiden Frauen spontan zu einem Stopp im Freien bei den Bänken der Bar „Käfig“ an der alten Stadtmauer, um eine Brause zu trinken. Ihre Handtasche mit Bargeld, Visa- und EC-Karte, Fahrerlaubnis, Personalausweis sowie Krankenkarte hing Helga B. über die Lehne der Bank. Als die bestellten Getränke kamen, versuchte Helga B., eine benachbarte Bank heranzuziehen, da vor ihrer Sitzgelegenheit kein Tisch stand.

In diesem Moment der Ablenkung hörte sie den Schrei ihrer Freundin: „Die Tasche!“ Schon rannten zwei Personen mit der Beute durch den Durchschlupf Richtung Mauerstraße davon. Die beiden Frauen versuchten hinterherzulaufen, sahen die Diebe allerdings nur noch hinter dem Restaurant Stadtwächter verschwinden. „Mit über 70 ist man nicht mehr so schnell“, meint Helga B. „Und ich war so aufgeregt, Ich konnte gar nicht richtig erfassen, wer die Diebe überhaupt waren.“

Allerdings hörten zwei junge Männer, die zufällig vor dem benachbarten Club „Kicker“ standen, ihre Rufe und nahmen die Verfolgung auf. „Aber die waren dann auch weg. Niedergeschlagen und ratlos sind wir zurückgegangen, um noch die Brause zu bezahlen.“

Am „Käfig“ angekommen, sprachen andere Gäste die beiden Frauen an, ob hier für die versteckte Kamera gedreht würde. Gerade wären zwei junge Männer vorbeigekommen, die die Besitzerin einer Tasche suchten. Wenige Meter weiter am Jugendclub „Kicker“ traf Helga B. die beiden Retter, zwei syrische Jugendliche, gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des Clubs, beim Telefonieren mit der Polizei an.

Wie sie berichteten, hatten die Diebe – nach der Beschreibung von südländischem Aussehen – die Tasche weggeworfen, um ihre Verfolger abzuschütteln.

„Ich griff zum Portemonnaie und wollte mich erkenntlich zeigen“, sagt Helga B. Doch die beiden Jugendlichen lehnten das Geld ab. Ihre Hilfe sei selbstverständlich gewesen.

„Ich habe zwei Tage richtig Probleme gehabt, konnte kaum schlafen, musste Beruhigungsmittel nehmen und habe immer wieder erzählt, was mir passiert ist“, erklärt Helga B. „Das Geld war mir fast egal. Aber die ganzen Ausweise! Ich bin den beiden sehr dankbar.“

Dass Helga B. ihr Eigentum zurückbekam, ist ein seltener Glücksfall. Nach Angaben der Polizei gab es in den Jahren 2017 und 2018 in der Stadt Cottbus jeweils 69 angezeigte Taschendiebstähle. Aufgeklärt wurden 2018 lediglich fünf. Im Jahr davor fiel die Bilanz noch schlechter aus. Lediglich ein einziger Taschendiebstahl wurde aufgeklärt. Als Schwerpunkte haben sich dabei die Cottbuser Innenstadt mit 28 Delikten – davon zehn allein in der Karl-Liebknecht-Straße – und der Bereich Vetschauer Straße mit zehn Delikten erwiesen.

Opfer von Taschendiebstählen nehmen offenbar selten externe Hilfe in Anspruch. So hat sich bisher kein einziges Taschendiebstahl-Opfer an den Weißen Ring in Cottbus gewandt. Wobei Silke Stritschke vom Weißen Ring davon ausgeht, dass Opfer grundsätzlich bei jeder Straftat sehr verunsichert sind, sich ohnmächtig fühlen und auch Ängste haben.

Der örtliche Weiße Ringe betreut und begleitet ehrenamtlich vor allem Opfer von Delikten wie Körperverletzung, Stalking und Brandstiftung.