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Syrer erzählen im Theater die Geschichte ihrer Flucht

Norienne Olberg probt mit dem Kinder-und Jugendchor des Staatstheaters sowie Kindern aus drei Cottbuser Schulen im Großen Haus des Staatstheaters.
Norienne Olberg probt mit dem Kinder-und Jugendchor des Staatstheaters sowie Kindern aus drei Cottbuser Schulen im Großen Haus des Staatstheaters. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Mit einer Auftaktveranstaltung ist gestern im Großen Haus des Staatstheaters die Arbeit an der Kinderoper "Flüchtling" gestartet. Vor Beginn der musikalischen Probe berichteten die jungen Syrer Maher Mikdad und Younes Kaboura über ihre Flucht. Ulrike Elsner

Besser hätten der Kinder- und Jugendchor des Staatstheaters, unterstützt von Schülern der Regine-Hildebrandt-Grundschule, des Pückler-Gymnasiums und der Waldorfschule, nicht auf die Probenphase für die Kinderoper des italienischen Komponisten Lucio Gregoretti vorbereitet werden können. Theaterpädagogin Nadine Tiedge, Regisseur Hauke Tesch und weitere Theaterleute haben die Mädchen und Jungen für ihre Aufgabe bestens motiviert.

Vor allem aber erfuhren die jungen Mitwirkenden ebenso wie die weiteren Schüler, Eltern und Lehrer im Publikum aus erster Hand, warum sich Flüchtlinge auf den beschwerlichen und gefahrvollen Weg nach Europa machen.

Maher Mikdad ist seit anderthalb Jahren in Deutschland und hat in Damaskus persische Literatur studiert. Ohne Abschluss. Den wollte er auch nicht haben, denn danach hätte er Soldat werden und vielleicht auf seinen Nachbarn schießen müssen. Der heute 23-Jährige hat sich mit einem Freund auf den Weg über den Libanon, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland gemacht. Beim ersten Versuch, die griechische Küste zu erreichen, ist das Schlauchboot gesunken. Erst der sechste Versuch, in Griechenland an Land zu gehen, ist gelungen.

In Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" steht Maher Mikdad auf der Bühne des Staatstheaters, spielt einen Stummen. Schauspieler wolle er nicht werden, sagt der 23-Jährige, aber die Arbeit am Theater sei für ihn eine Möglichkeit, die deutsche Sprache noch besser zu erlernen. Younes Kaboura kommt wie Maher aus Damaskus. Kennengelernt haben sich beide aber erst in Cottbus. Der 16-Jährige erzählt: "Als ich in der 7. Klasse war, hat der Krieg begonnen, in der 8. Klasse war unser Haus kaputt." Während der zehntägigen Flucht hat Younes Kaboura nur wenige Stunden geschlafen. Die Teilnahme an dem Theaterprojekt verdankt er einem Tipp seiner Lehrerin am Oberstufenzentrum II.

In der Kinderoper geht um Abschiebung und Flüchtlinge. Genauer gesagt, um eine Aufenthaltsgenehmigung für Jamila. Eine Schulklasse will das Mädchen sogar adoptieren. Schließlich nimmt ein Lehrerpaar die Kleine auf, Jamila darf bleiben. "Die Kinderoper ist ein Märchen, das Trost spenden soll, und ein Appell, sich Gedanken zu machen, wie eine Aufgabe, die nicht ganz einfach ist, gelöst werden kann", sagt Dramaturg Bernhard Lenort.

Die Premiere ist für den 8. April in der Kammerbühne geplant.

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