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Nach Übergriffen von Syrern auf Deutsche in Cottbus
Syrische Landsleute bitten um Verzeihung

Oberbürgermeister Holger Kelch (l.) liest einen Brief, in dem Mohammad Mazen (r.) um Verzeihung für die Ereignisse der vergangenen Tage bittet. Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher und Innenminister Karl-Heinz Schröter (2.u.3.v.l.) waren mit dem Stadtoberhaupt am Freitag auf einem Rundgang.
Oberbürgermeister Holger Kelch (l.) liest einen Brief, in dem Mohammad Mazen (r.) um Verzeihung für die Ereignisse der vergangenen Tage bittet. Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher und Innenminister Karl-Heinz Schröter (2.u.3.v.l.) waren mit dem Stadtoberhaupt am Freitag auf einem Rundgang. FOTO: Peggy Kompalla / LR
Cottbus. Nach dem Spitzengespräch mit dem Innenminister: Cottbus sollen vorübergehend keine Flüchtlinge mehr zugewiesen werden, die Stadt bekommt gleichzeitig mehr Polizei und Syrer entschuldigen sich für ihre Landsleute. Von Peggy Kompalla

Bereits am Freitagvormittag ist es spürbar: Es ist mehr Polizei auf den Straßen der Innenstadt unterwegs. Das soll das Sicherheitsgefühl der Cottbuser verbessern, nachdem es in den vergangenen Tagen zwei gewalttätige Übergriffe gegeben hatte, in die junge Flüchtlinge verwickelt waren. Zwei junge Syrer übergeben Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) beim Rundgang mit dem Innenminister einen Brief mit einer Entschuldigung.

Nach einem eilig in Cottbus anberaumten Gespräch mit der Rathausspitze sagt Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD): „Wir haben kurzfristig reagiert. Es werden fünf Streifenpaare aus der Einsatzhundertschaft zusätzlich zu den gemischten Streifen mit dem Ordnungsamt unterwegs sein.“ Darüber hinaus sollen zivile Kräfte in der Stadt ihren Dienst schieben und die Revierpolizisten den Kontakt zu den jeweiligen Schul- und Elternsprechern suchen. Die Videoüberwachung am Stadthallenvorplatz soll fortgesetzt werden, so der Minister.

Das Land hat dem Innenminister zufolge darüber hinaus bestimmt, dass Cottbus in den nächsten Monaten keine weiteren Flüchtlinge von der Erstaufnahmestelle zugewiesen werden. Das werde aber nur bedingt helfen, sind es derzeit doch die wenigsten Zuwanderer, die auf diese Weise den Weg in die Stadt finden. Dessen ist sich auch Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) bewusst. Er betont am Freitag: „Aber das gibt uns Zeit, um Luft zu holen.“ So wolle sich die Stadt in der Prävention besser aufstellen. Demnach bereitet die Stadt Stellenausschreibungen für fünf zusätzliche Stellen im Ordnungsamt vor. Darüber hinaus soll es zehn neue Stellen in der Schulsozialarbeit geben. Das Land habe diesbezüglich seine Unterstützung zugesagt.

Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher verspricht einen besseren Informationsaustausch. „Wir werden uns mit den Schulleitern der Stadt zusammensetzen und dabei auch über die personelle Ausstattung sprechen“, sagt er am Freitag. Es sollten zusätzliche Angebote geschaffen werden. Deshalb werden Projekte in Kultur und Sport gesucht.

Beim gemeinsamen Rundgang von Stadtspitze und Innenminister am Freitagvormittag werden die Politiker von zwei Syrern überrascht. Sie überreichten dem Oberbürgermeister einen Brief. Darin schreiben Mohammad Mazen und Al-Mohammad Hetham: „Es tut uns sehr leid, dass zwei unserer Landsleute in Cottbus Menschen angegriffen haben. Wir bitten alle um Verzeihung und möchten deutlich machen, dass dieses Verhalten auch bei uns nicht in Ordnung ist. Wir möchten Ihnen sagen, dass wir hier sind, um in Frieden zu leben. In unserer Heimat ist Krieg und wir wollen ein sicheres und friedliches Leben führen.“ Der Brief richtet sich aber auch an ihre Landsleute: „Liebe Syrer, liebe Flüchtlinge, wir sind hier Gäste, wir müssen die Regeln akzeptieren und Respekt haben. Deutschland hat uns aufgenommen, während unsere Nachbarländer die Türen geschlossen haben. Wir bekommen hier alles, was wir für ein neues Leben brauchen. Bitte vergesst das nicht und benehmt euch!“ Mohammad Mazen kann verstehen, dass die Menschen über die Ereignisse aufgebracht sind. Diese Wut treffe nun auch unbescholtene Flüchtlinge. „Die Menschen sind uns gegenüber aggressiver geworden“, bedauert der 20-Jährige. Beschimpfungen seien mittlerweile an der Tagesordnung.

Angesichts der Ereignisse in Cottbus erklärt Innenminister Schröter mit Blick auf den Familiennachzug: „Die Bundespolitik sollte genau verabreden, wie der Familiennachzug flankiert wird. Da muss dringend nachgearbeitet werden.“ Das unterstreicht auch Oberbürgermeister Kelch: „Berlin muss die Voraussetzungen dafür schaffen, ohne nur vom grünen Tisch zu entscheiden. Die kommunale Familie muss sich einbringen können.“