ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:38 Uhr

Integration
Apotheker berät in vier Sprachen

 Moufak Kou, in Deutschland approbierter Apotheker aus Syrien, an seinem Arbeitsplatz in der City-Apotheke im Blechen Carré.
Moufak Kou, in Deutschland approbierter Apotheker aus Syrien, an seinem Arbeitsplatz in der City-Apotheke im Blechen Carré. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Moufak Kou kam 2014 aus Syrien nach Deutschland, ohne eine Wort deutsch zu sprechen. Jetzt arbeitet er in Cottbus. Von Nils Ohl

Moufak Kou steht im weißen Kittel hinter dem Tresen, nimmt ein Rezept entgegen, redet mit dem Kunden und läuft kurz nach hinten, um das gewünschte Medikament zu holen. Die Szene ist ganz alltäglich, aber es ist ganz und gar nicht alltäglich, dass  Moufak Kou hier in der City-Apotheke im Blechen Carré steht.

Der Syrer ist 2014 nach Cottbus gekommen, ohne ein Wort deutsch zu sprechen, und inzwischen approbierter Apotheker. Genauer gesagt dreifach approbiert, wie er lächelnd erklärt: „Ich habe eine Approbation in Syrien, eine in der Ukraine und eine in Deutschland.“ Entsprechend kann er Kunden auf Arabisch, Russisch, Deutsch und zudem auf Englisch bedienen und beraten.

Kompletter Neuanfang

Dahin war es allerdings ein langer Weg. Bis  2003 hat Moufak Kou in der Ukraine Pharmazie studiert, wobei die Unterrichtsprache Russisch war.  Seit 2006 arbeitete er als Apotheker in Syrien, zunächst auf dem Dorf, später in seiner Heimatstadt Aleppo. Vor dem syrischen Bürgerkrieg, der damals schon drei Jahre tobte, flüchtet er 2014 nach Deutschland und kam dabei nach Cottbus. Hier musste er komplett von vorn anfangen. Nachdem er seinen Aufenthaltstitel inklusive Arbeitserlaubnis bekam, stellte er im Februar 2016 einen Antrag auf Approbation als Apotheker in Deutschland. Es dauerte drei Jahre, bis zum Februar 2019, um diese zu erhalten. In dieser Zeit legte Moufak Kou seine Fachsprachenprüfung bei der Apothekerkammer ab genauso wie die Kenntnisprüfung, verbunden mit einem Jahr Praktikum in der Apotheke in der Pückler-Passage.

„Es waren schwierige Zeiten. Aber ich habe es geschafft. In Deutschland ist alles mit der Arbeit verbunden. Ich hatte ja schon eine Ausbildung. Das hat mir bei der Integration sehr geholfen, denn ohne Ausbildung, kann man in Deutschland, anders als in Syrien, kaum Arbeit bekommen“, erklärt Mou­fak Kou. Die zweite Voraussetzung zur Integration in den Arbeitsmarkt sei die Sprache. So hat er sich, bevor ihm Sprachkurse bewilligt wurden, Deutsch zunächst selbst mithilfe von CDs und Büchern beigebracht. Er müsse auch Fachworte wie „Mandelentzündung“ korrekt verstehen, um Patienten richtig zu beraten, sagt er.

Medikamentenkauf mit kleinem Schwatz

Auf die Frage, was das Apothekenwesen in Deutschland von dem in Syrien am meisten unterscheidet, antwortet Moufak Kou, dass es in seinem Heimatland bis auf wenige Ausnahmen keine Krankenkassen gibt. Die Patienten müssten daher alles aus eigener Tasche bezahlen. Dafür seien die Medikamente billiger. Auch werde in Deutschland viel mehr dokumentiert.

Und sowohl arabische als auch russische Kunden würden beim Medikamentenkauf gern noch einen kleinen Schwatz machen. Deutsche Kunden würden sich meist nur sachorientiert erkundigen, was sie brauchen.

Wenn Moufak Kou seine Arbeit beschreibt, ist ihm anzumerken, dass er mit Leib und Seele Apotheker ist: „Ich spiele die Rolle zwischen Arzt und Patient, erkläre den Einsatz der Medikamente, die Therapien oder welche Mittel gekühlt werden müssen.“ Es gehe um Menschen, da sei verantwortliche Beratung oberstes Gebot. „Wir verkaufen keine Torten, sondern Chemikalien mit Wirkungen und Nebenwirkungen. Das macht mir Spaß, ich rede gern mit Leuten“, meint Moufak Kou.

Gutes Team

Seine Beratung wird gern in Anspruch genommen. Bei der Lage im Stadtzentrum kommen viele Menschen mit Migrationshintergrund in die City-Apotheke.

Kollegin Anne Goetzner schätzt an Moufak Kou die Vielsprachigkeit: „Er kann Kunden beraten, die gar kein deutsch sprechen, beispielsweise wie man Zäpfchen einsetzt.  Oder erklärt die richtige Dosierung.“

Es kommt vor, dass deutsch-, russisch, arabisch- oder englischsprachige Kunden in einer Schlange stehen. „Manche beobachten, wie schnell ich zwischen den Sprachen wechsele, und lachen dann“, sagt Moufak Kou.

Am Anfang habe er schon Angst gehabt, ob mit der Arbeit alles wie gewünscht funktioniert. „Doch wir haben eine gutes Team mit viel Teamgeist“, so Moufak Kou. „Ich bin jetzt vier Monate hier und mir gefällt es.“

Sachkenntnis geschätzt

Anne Goetzner bestätigt: „Mou­fak erzählt viel. Ich finde es schön, so von der fremden Kultur etwas mitzubekommen. Seine Fachkompetenz ist  sehr hoch und er erklärt auch mal, in Syrien haben wir das so gemacht, in der Ukraine so – das erweitert den Horizont.“ Nicht zuletzt erwähnt sie: „Er ist ein echt lustiger Geselle und bringt oft gutes Essen mit.“

Doch so lustig er sein mag, Moufak Kou betont sein Lebensmotto: „Erfolg kommt vom Leiden, nicht von der Freude.“ In der Zukunft könne er sich vorstellen, eine eigene Apotheke zu eröffnen oder in den Großhandel mit Medikamenten zwischen Europa und Arabien einzusteigen.