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| 02:32 Uhr

Superwendin rettet die Lausitz

Eine Geschichte von Gut und Böse, Tradition und Zukunft: Die Abenteuer der Superwendin.
Eine Geschichte von Gut und Böse, Tradition und Zukunft: Die Abenteuer der Superwendin. FOTO: ZEICHNER BURKHARDT
Cottbus. Ein Berliner Student schreibt und zeichnet einen Comic, der die ferne Zukunft der Region zum Thema hat, mit Bösewichtern, Monstern und natürlich Helden. Andrea Hilscher

Wir schreiben das Jahr 2117. Die Lausitz hat sich - dank des Ostsees - zum größten Tourismusgebiet Deutschlands entwickelt. Die Region boomt, jeder Quadratmeter Boden ist Gold wert. Doch das Leben ist für die Menschen hier längst zu teuer geworden . . .

Eine Zukunftsvision, entworfen von dem Berliner Studenten Julian Georg Burkhard (23). Er studiert im zweiten Semester Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Potsdam und hat einen Kurs mit dem etwas kryprischen Titel "Lokales Positionierungssystem Lausitz" besucht.

"Aufgabe war, die Identität der Lausitz zu erfassen und damit kreativ umzugehen", erzählt Julian Georg Burkhard. Zusammen mit seinen Kommilitonen hat er die Region rund um Jänschwalde besucht, mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Heide Schinowski gesprochen, Mitglieder des BUND getroffen und Menschen interviewt, deren Dörfer bereits abgebaggert wurden.

"Das hat mich alles schwer beeindruckt", sagt der Student, der vor seinem Besuch nur grobe Klischees von der Lausitz im Kopf hatte. "Ich war überrascht, wie offen und freundlich die Menschen hier sind." Der Tagebau, die tiefen Eingriffe in die Natur wie auch die Ängste angesichts des Strukturwandels sind ihm nicht aus dem Kopf gegangen. "Und weil ich ohnehin gerne zeichne und Comics für Erwachsene sammele, lag die Idee zu einem Lausitz-Comic nahe", so der Student.

Im Nachgang der Exkursion saß er rund 40 Stunden am Schreibtisch, malte und schrieb, korrigierte, ergänzte. Seine Heldin, die "Superwendin", ist einer klassischen Comic-Ikone wie etwa der "Wonder Woman" nachempfunden. Auch einen wahnsinnigen Bösewicht hat Burkhardt erfunden. Historisches Kartenmaterial und volkstümliche Kunstwerke aus dem Heimatmuseum Jänschwalde lieferten Anregungen für weitere Ideen. Kraftwerk und Ostsee wurden zu Schauplätzen einer fast märchenhaften Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse.

Ähnlich kontrovers sind auch die Eindrücke des Studenten nach seinem Besuch in der Region. "Da gibt es die Gier nach Energie und die unglaublichen Eingriffe in die Landschaft, dann der bedrohliche Strukturwandel und zugleich ein großer Schatz an kulturellen Werten, die in den sorbisch-wendischen Traditionen begründet liegen."

Die Bewahrung der eigenen Identität scheinen ihm wichtig zu sein, um der Lausitz eine positive Entwicklung zu ermöglichen. "Und für die jungen Menschen müsste mehr getan werden, um in der Region bleiben zu können - mir würden Bars und Kneipen, Konzerte, Festivals fehlen." Der Großstädter hat sich bemüht, die Seele der Lausitz zu erfassen, ihre Probleme im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie einzufangen. Sein Comic, so erzählt er, sei bei einer ersten öffentlichen Präsentation im Rahmen eines Sommerfestes von Heide Schinowski gut angeommen. "Ich würde es gern auch in der Grundschule Jänschwalde zeigen", sagt er.

Auf seiner Internetseite können Neugierige sich die Geschichte der Superwendin anschauen und sogar selber weiterspinnen. wer das Comic lieber analog lesen möchte, kann es sich herunerladen und im Din A 5-Format ausdrucken.

www.lr-online.de/lausitzcomic