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| 01:04 Uhr

Suche nach Verbündeten

Die Zahlen sind beeindruckend: 27 Verhandlungen zur Sanierung der Stadtwerke wurden geführt, neun Gläubiger-Versammlungen, zwölf Gespräche mit Ministerien, zehn Dokumentationen existieren, teilweise bis zu 20 Seiten stark. Ergebnis: null.


Das ist das zwar wenig überraschende, aber dennoch erschütternde Resultat einer nahezu fünf Monate dauernden Arbeit.
Oberbürgermeisterin Karin Rätzel hat jetzt den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Sie sagte gestern, die „Betroffenheit der ganzen Stadt“ zwinge sie dazu, gegen Druck aus Potsdam und gegen die Auffassung von Gläubigern in die Öffentlichkeit zu gehen.
Das war aber offenbar nur die halbe Wahrheit. Zur ganzen gehört die nüchterne Feststellung: Karin Rätzel sucht neue Verbündete im Kampf um die Stadtwerke-Sanierung.
Denn die bisherigen Gespräche und Verhandlungen haben aus potenziellen Mitstreitern nun offen Kontrahenten gemacht, die nur darauf bedacht sind, wie ihr Teil der aufzubringenden Kosten für die Sanierung möglichst gering bleibt. Den schwarzen Peter wird die Stadt so aber nicht los - die skandalumwitterten Verträge zwingen dazu, zu zahlen. Beim Geld hört die Freundschaft auf.
Der sich andeutende Konfrontationskurs mit Banken und anderen Gläubigern könnte letztlich vor einem Gericht landen. Das hätte dann die Verträge zu bewerten, die die Stadtwerke neben den technischen Schwierigkeiten in die vor allem finanzielle Bredouille gebracht haben. Risiko bei Unterliegen: Die gerichtlich festgestellte Pleite einer Stadt, mit freundlichen Grüßen ans Land Brandenburg.
Jetzt sollen die Stadtverordneten mal wieder ran. Nach der Ermächtigung Karin Rätzels in Sachen Stadtwerke nun die selbst gewünschte Entmachtung? Zumindest steckt dahinter ein Eingeständnis des Scheiterns der bisherigen Bemühungen.
Den schwarzen Peter haben letztlich die Bürger von Cottbus. Denn die zahlen die Gebühren für Strom und Wärme. Und die Zahlen könnten am Ende noch beeindruckender werden.