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Suche nach guter Gesellschaft

Cottbus. Die Entwicklungsgesellschaft Cottbus (EGC) entwickelt derzeit vor allem sich selbst. Die Wirtschaftsförderer durchlaufen unter ihrem Interimschef Torsten Kunze derzeit einen radikalen Modernisierungsprozess – nicht nur personell, sondern vor allem strukturell. Peggy Kompalla

Ungeklärt bleibt bislang die Gesellschafterfrage. Bis September soll es darauf eine Antwort geben.

Derzeit wird die EGC zu 51 Prozent von der Stadt Cottbus, zu 39 Prozent von der Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC) und zu zehn Prozent von der LWG Lausitzer Wasser GmbH getragen. Genau das ist das Problem, wie eine Prüfung ergab. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) informiert dazu: "Die EGC wird künftig im Auftrag der Stadt die Bewirtschaftung des TIP-Geländes übernehmen. Damit dies auf dem Weg einer Inhouse-Vergabe möglich ist, sollte kein privates Unternehmen direkt oder indirekt an der EGC beteiligt sein."

Mit der LWG ist dies aber der Fall, denn das Unternehmen gehört zu 28,9 Prozent zur privaten Eurawasser-Gruppe. Deshalb ist die Stadt derzeit auf der Suche nach einem neuen kommunalen Gesellschafter, der die LWG-Anteile übernimmt. "Der Kauf der Anteile kann durch die Stadt Cottbus oder eine Tochtergesellschaft der Stadt ohne Beteiligung Dritter erfolgen", erklärt der Oberbürgermeister. Dazu liefen derzeit die betriebswirtschaftlichen Prüfungen. Wobei er einschränkt, dass dafür weder die Messegesellschaft CMT, noch Cottbusverkehr oder das Carl-Thiem-Klinikum in-frage kämen. Damit bleiben im Grunde nur die Stadtwerke Cottbus im Spiel. Erst wenn die Gesellschafterstruktur klar ist, steht auch die finanzielle Ausstattung der EGC.

Torsten Kunze hat nicht nur den Chefsessel der EGC inne, sondern ist zu allererst Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft. "Zurzeit schließen wir aus, dass die GWC die LWG-Anteile übernimmt", betont er. Das Unternehmen sei mit dem Bau und Betrieb des Gründerzentrums stark gefordert. Die GWC dürfe nicht überfordert werden.

Unabhängig von der Gesellschaftersuche läuft die personelle Erneuerung der EGC weiter. Nachdem mit einer Betriebswirtin bereits die erste neue Projektmanagerin für Akquise und Ansiedlungsbetreuung gefunden wurde, laufen die Bewerbungen für einen Ingenieursposten für die Betreuung der Gewerbegebiete sowie eine weitere Betriebswirtsstelle zur Unternehmensakquise. "Diese Stellen sollen so schnell wie möglich besetzt werden", so Kunze. "Das wird aber nicht die Vollbesetzung. Die muss noch abgewartet werden, bis der neue Geschäftsführer eingestellt ist. Er soll sein Konzept schreiben und entsprechend die Leute einstellen." Der Neue solle nicht von vornherein mit einem zu engen Korsett ausgestattet werden. Was den Chefposten angeht, sagt Kunze: "Im August kommen wir möglicherweise zu einer Festlegung."

Auch mit der Aufbaumannschaft gebe es bereits "ganz erstaunliche" Ansiedlungsgespräche mit mehreren Unternehmen mit überregionalem Absatz. Deutlicher könne er noch nicht werden, so der Interimschef. Darüber hinaus wachse das "Makler"-Netzwerk. So hat Kunze nach eigenem Bekunden zwei Verträge mit Externen über eine Erfolgsbeteiligung für eine Unternehmensneuansiedlung unterzeichnet.

Damit nicht genug: Für das geplante Gründerzentrum am Campus steht die GWC laut Kunze in den Startlöchern. Für neun Millionen Euro soll die leer stehende Schule an der Werbener Straße so umgebaut werden, dass sie für Jungunternehmer ein ideales und kreatives Umfeld bildet. "Sobald der Förderbescheid da ist, legen wir los", versichert Kunze. Nach seinem Zeitplan wird das Gründerzentrum in einem Jahr eröffnet. Das Projekt, das ein wichtiger Baustein der künftigen Wirtschaftsförderung in Cottbus sein wird, bindet bei der GWC nicht nur viel Kraft, sondern vor allem Geld. Torsten Kunze sagt dazu: "Jetzt, wo es uns gut geht, müssen wir uns doppelt anstrengen und jetzt die Bedingungen schaffen, um Arbeitsplätze zu schaffen, die der Region durch den Strukturwandel in der Braunkohle verloren gehen. Wir haben die Chance, das selbst zu gestalten."