ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:44 Uhr

Studenten starten Mitmachwerkstatt

Nanu Frechen gehört zu den Gründern des FabLab: Dort gibt es unter anderem einen 3D-Drucker, in dem gerade ein Modell der Uni-Bibliothek entstanden ist. Die Werkstatt ist bestens ausgestattet vom PC bis zur Drehmaschine.
Nanu Frechen gehört zu den Gründern des FabLab: Dort gibt es unter anderem einen 3D-Drucker, in dem gerade ein Modell der Uni-Bibliothek entstanden ist. Die Werkstatt ist bestens ausgestattet vom PC bis zur Drehmaschine. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Auf dem Campus der BTU gibt es seit Montag eine offene Mitmachwerkstatt. Dort geht es um die Praxis hinter der Theorie. Die Nutzer sollen Dinge selbst bauen und reparieren und vor allem verstehen. Dazu – so betonen die Gründer – muss man kein Student sein. Peggy Kompalla

FabLab steht in bunten Buchstaben am Kellergeschoss des Lehrgebäudes 3 auf dem BTU-Campus. Das Kunstwort besteht eigentlich aus zwei - Fabrication Laboratory. Übersetzt: Fabrikationslabor. Zu Deutsch: Mitmachwerkstatt. Genau so wollen die Gründer um Verfahrenstechnik-Student Ron Jacob (23) die Einrichtung auch verstanden wissen. Jeder ist hier willkommen - ob Student, Professor, Hausfrau, Handwerker oder Büroangestellter.

Das nötige Startkapital kam von der BTU-Studierendenschaft. Die hatte im vergangenen Jahr zum Ideenwettbewerb aufgerufen. Das FabLab war der große Abräumer, erhielt 14 500 Euro für die Grundausstattung. Passenderweise fanden sich 80 Quadratmeter für die Werkstatt beim Lehrstuhl für Konstruktion und Fertigung.

Im Grunde ist es ein großes Labor zum Werkeln und Tüfteln, Verstehen und Wissen teilen. "Wir leben in einer Welt, in der wir die Dinge um uns herum nicht begreifen oder auch keinen Einfluss darauf haben", beklagt Ron Jacob. In der Werkstatt kann hinter die Dinge geschaut werden, moderne und alte Arbeitstechniken wie 3D-Drucken oder Hobeln ausprobiert werden. Hier lernen die Nutzer wie Knöpfe angenäht und Microcontroller programmiert werden. "Komplexe Technik wird auf einmal ganz banal, wenn es jemanden gibt, der es einem erklären kann", erzählt Ron Jacob. Dann sitzen eben ein Elektrotechniker und ein Architekt zusammen und sie entwerfen und bauen gemeinsam eine LED-Matrix. "Normalerweise guckt jeder nur auf sein Ding, aber hier kommen alle Fachbereiche zusammen", freut sich Ron Jacob.

Inga Themann (25) zauberte aus alten Jeanshosen einen Überzug fürs Werkstattsofa. "Die Nähmaschine haben wir von der Straße. Daneben lagen noch die Einzelteile", erzählt sie. "Hier im Fab Lab haben sie mir geholfen, sie wieder zusammenzubauen und jetzt funktioniert sie einwandfrei." Genau das ist das Prinzip: Jeder muss selbst machen und bekommt dafür die nötige Hilfe. Sie hat derweil schon drei Anfragen bekommen, wie Risse in Hosen repariert werden. Die Herren bekommen demnächst eine kleine Näheinführung, verspricht sie.

Die FabLab-Gründer haben viele Ideen für Kurse. Sie reichen von Drechseln über Fahrradtaschen herstellen, Smartphone-Displays austauschen, 3D-Drucken, Stricken und Häkeln bis hin zur Einführung in die Elektronik. Das wäre ein einfacher Einstieg für Campusfremde. "Aber auch, wenn ein heimisches Gerät kaputt ist", sagt Ron Jacob. Demnächst soll es im FabLab ein Repair Café geben. In gemütlicher Runde können dann am Nachmittag Dinge gemeinsam wieder in Schuss gebracht werden.

Nanu Frechen (28) erklärt die Philosophie des FabLab: "Alles, was wir machen, wollen wir der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Wissen teilen ist der Grundgedanke." Sei es bei eigenen Projekten oder in Kursen, alles wird dokumentiert und kann unter anderem im Netz nachgelesen werden. Dazu gehört auch die Solar-Fahrradpumpstation, die bereits im Fab Lab entstanden ist. "Noch ist sie nicht perfekt", gibt Ron Jacob zu. "Sie funktioniert aber."

Öffnungszeiten: Die Werkstatt ist dienstags ab 14 Uhr und donnerstags ab 16 Uhr offen.

www.fablab-cottbus.de