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| 09:44 Uhr

Studenten mit Ideen für Zukunft der Görlitzer Straße

Wie kann das Quartier Görlitzer Straße / Weinbergstraße aufgewertet werden? Vor dieser Frage standen Studenten der Studiengänge Stadt- und Regionalplanung und Architektur der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU). In kleinen Teams erarbeiteten sie städtebauliche Entwürfe, die verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten für das bahnhofs- und zentrumsnahe Areal aufzeigen.

Von Ulrike Elsner

Prof. Heinz Nagler, Leiter des Lehrstuhls Städtebau und Entwerfen, nennt die Görlitzer Straße "ein schwieriges Quartier". Grund seien die Lage an der Rückseite des Bahnhofs und an der Bahnhofsbrücke sowie die Tatsache, dass "alles, was sich hinter der Wohnscheibe befindet, nicht im Bewusstsein der Stadt verankert ist". Andererseits mache gerade die Zentrumsnähe das Gebiet so wertvoll. Fraglich sei, ob dieser Bereich bereits seinem Wert gemäß genutzt werde. Dass das nicht so ist, zeige allein schon der hohe Leerstand.

In keinem der vorgestellten vier Entwürfe bleiben die Plattenbauten stehen. "Platten umzubauen ist ein Subventionsgeschäft", meint der künftige Stadtplaner Mark Knobloch. "Das wird genauso teuer wie Neubau." Der Aufwand lohne sich nicht.

Doch vor einem möglichen Abriss sei ein tragfähiges Nachnutzungskonzept unabdingbar. Heinz Nagler formuliert es drastisch: "In der Innenstadt ohne Nachnutzungskonzept abzureißen ist ein Verbrechen." Ein Negativbeispiel sei "das strukturelle Loch Briesmannstraße".

Als Ausgangspunkt für alle Planungen sieht Nagler das an, "was in der Stadt langfristig nachgefragt wird und deshalb mit in die Zukunft zu nehmen ist". Dazu müsse ein Abwägungsprozess erfolgen.

"Schnitt – Stadt und Garten" haben Anna Felkel, Mark Knobloch und Stefanie Paul ihren Entwurf genannt. Dichte Bebauung mit Drei-, Vier- und Fünfgeschossern im Nordensteht einem Park im Bereich des Weinbergs gegenüber. Entstehen solle "ein großes Tor, das aus der Stadt heraus zum Branitzer Park führt", sagt Mark Knobloch.

"Der grüne Ring" nennen Regina Fleischhauer, Katrin Gramzow und Alexandra Wendt ihre Arbeit. Grundidee ist "die weitere Ausbildung einer räumlichen Zäsur zwischen Innenstadt und Spremberger Vorstadt durch einen grünen Ring zwischen Bahntrasse und Stadtring". Er reiche vom Bahnhof bis zum Energie-Stadion. Einerseits werde dadurch, so begründen die Studenten, "auf die Atmosphäre von Geschwindigkeit entlang der Verkehrstrassen reagiert und andererseits die Eingangssituation zur Innenstadt in großstädtischer Manier betont".

"Stadtschollen" ist das Thema von Julia Schönbrunn, Tina Schubert und Sabine Wildrath. In der Manier typischer Altstadt-Bebauung gingen bei ihrem Entwurf von bestimmten "Quellpunkten" strahlenartige Blicke aus, erklärt Architektur-Studentin Julia Schönbrunn. Das Gebiet werde so durchtrennt, die Teile andererseits wieder verbunden.

Gerade bei diesem Entwurf werde deutlich, "welche Flächenreserven die Innenstadt noch bereithält", so Prof. Nagler. "Gestapelte Reihenhäuser" oder "Eigenheime gepaart mit Mehrgeschossern" seien eine Antwort auf den oft geäußerten Wunsch nach Wohnungsbau in der Innenstadt.

"Stadtwege" nennen Sebastian Stoll, Nikola Vujovic und Philipp Zimmermann ihren Entwurf. Bei ihnen setzen Bürogebäude und begrünte Innenhöfe Akzente. Sogar eine kleine Allee und ein Stadtplatz sind dabei geplant. Die Planer hätten versucht, so Heinz Nagler, "in die Lücke ein Passtück zu setzen, das den Duktus der Spremberger Vorstadt aufnimmt". Die vier vorgestellten Arbeiten zeigten unterschiedliche Ansätze, auf deren Grundlage die Diskussion über Strukturen und Chancen des Areals geführt werden sollte.