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Studenten baggern für ein farbenprächtiges Cottbus

Die Studentinnen Ramona Gonszcyk und Franziska Kestel (von links) bei der Arbeit in der Deffkestraße. Allein gestern haben sie für ihren Tigergarten 50 Tonnen Erde aufgetragen.Der Entwurf für den Tigergarten in der Deffkestraße.Landschaftsarchitektin Christiane Schwarz.
Die Studentinnen Ramona Gonszcyk und Franziska Kestel (von links) bei der Arbeit in der Deffkestraße. Allein gestern haben sie für ihren Tigergarten 50 Tonnen Erde aufgetragen.Der Entwurf für den Tigergarten in der Deffkestraße.Landschaftsarchitektin Christiane Schwarz. FOTO: Daniel SchmidtFoto: Jürgen Becker
Cottbus. Cottbuser Studenten haben begonnen, an zehn brachliegenden Standorten in der Stadt Gärten auf Zeit einzurichten. Das Projekt soll nach Auskunft der Landschaftsarchitektin Christiane Schwarz bis Ende Juni abgeschlossen sein. „Die 44 Studenten sind ganz begeistert von der Aussicht, nicht nur zu planen, sondern ihre Pläne auch praktisch umzusetzen“ , berichtet die Urheberin des Konzepts. Von Jürgen Becker und <br> Ren&eacute; Wappler

Ein Bagger schaufelt Erde auf dem 360 Quadratmeter großen Grundstück an der Deffkestraße. Wenn Franziska Kestel aus dem Fahrerhaus blickt, fällt ihr Blick auf eine bunte Graffiti-Wand mit Dutzenden Tiermotiven aus einer Savannen-Landschaft. Daher stammt auch der Name des Projekts in der Deffkestraße: Ein „Tigergarten“ soll nach Auskunft der Studentin Ramona Gonszcyk entstehen. „Die Aussaat werden wir zum Ende der kommenden Woche vornehmen“ , erklärt sie. „Wir wollen an das tropische Landschaftsszenario auf dieser Wand anknüpfen, indem wir eine Gräsermischung aus Mähnengerste als Ziergras pflanzen – gemischt mit Kornblumen, Mohnblumen und Färberkamille.“ Farbige Akzente sollen nach Auskunft der dritten Studentin vor Ort, Josefine Kaiser, die tropische Atmosphäre ver stärken. „Der streifenförmig strukturierte Bodenbelag aus Mulch wird wiederum an ein Tigerfell erinnern.“
Die Idee zu den zeitweiligen Gärten sei ihr gekommen, als sie die RUNDSCHAU-Reihe „Schandflecke in der Stadt“ gelesen habe, erzählt Landschaftsarchitektin Christiane Schwarz vom Lehrstuhl Landschaftsplanung und Freiraumgestaltung der BTU Cottbus. Im Oktober sei die Uni dann auf die Stadt zugegangen mit der Bitte, Brachflächen zu vermitteln oder selbst zur Verfügung zu stellen, um sie von Studenten gestalten zu lassen.
Die Gärten entstehen derzeit auf zehn momentan ungenutzten Flächen (siehe Hintergrund). „Für jeden Standort gab es zwei Gestaltungsvorschläge, aus denen wir einen ausgesucht haben“ , sagt Christiane Schwarz. In Vierer- und Sechser-Gruppen realisierten die Studenten seit vergangener Woche die Entwürfe. Insgesamt 44 Studenten machten mit. Mit den Eigentümern seien Zwischennutzungsverträge abgeschlossen worden, die bis zum 28. Juli laufen. Sie hoffe, dass danach die Eigentümer oder Nachbarn die Pflege einiger Gärten übernehmen. Die anderen würden wieder zurückgebaut.
Das Geld für die Gartengestaltung muss die BTU über Sponsoren auftreiben. „Das läuft überraschend erfreulich“ , sagt Christiane Schwarz. Viele Unternehmen hätten ihre Unterstützung zugesagt. So sei zum Beispiel Saatgut im Wert von rund 1000 Euro gespendet worden.
Demnächst will die BTU eine Pflanzensammelstelle einrichten. „Da kann jeder Bürger seine Stauden abgeben, die in seinem Garten überflüssig sind“ , sagt Christiane Schwarz. Offiziell eröffnet werden sollen die Gärten laut Christiane Schwarz mit einem Fest am 27. Juni, voraussichtlich um 17 Uhr.
Immerhin sieht es bereits jetzt so aus, als könnte mancher der zunächst befristet angelegten Gärten auch in Zukunft bestehen bleiben. Andreas Kaubitzsch von der Firma „Bautec“ hat den Studentinnen in der Deffkestraße den Bagger für ihre Arbeit überlassen. Er sagt: „Wir wollen dieses exotische Garten-Grundstück erhalten.“

Hintergrund Garten-Projekt
 Die zeitweiligen Gärten befinden sich an zehn Cottbuser Standorten :
Franz-Mehring-Straße
Am Spreeufer
Ostrower Damm
Elisabeth-Wolf-Straße
Sielower Straße
Bahnhofstraße
Deffkestraße
Neustädter Platz
Karl-Liebknecht-Straße
Ostrower Damm / Am Spreeufer