ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:00 Uhr

Umfrage der Kammern Cottbus und Dresden
Strukturwandel bereitet Lausitzer Handwerk Sorgen

Sie glauben an die Zukunft des Handwerks: erfahrene und junge Meister aus dem Kammerbezirk Cottbus. Sie sind eine Macht, erwarten aber wie ihre Kollegen aus Sachsen, dass der Strukturwandel in der Lausitz ihre Geschäftsgrundlagen nicht vernichtet.
Sie glauben an die Zukunft des Handwerks: erfahrene und junge Meister aus dem Kammerbezirk Cottbus. Sie sind eine Macht, erwarten aber wie ihre Kollegen aus Sachsen, dass der Strukturwandel in der Lausitz ihre Geschäftsgrundlagen nicht vernichtet. FOTO: Michael Helbig
Exklusiv | Cottbus/Dresden. In einer Sonderumfrage zu Erwartungen und Folgen des Strukturwandels bewertet jedes fünfte Unternehmen seine künftige wirtschaftliche Entwicklung mit unbefriedigend. Die Handwerkskammern Cottbus und Dresden sind alarmiert. Von Christian Taubert

Das Handwerk in der Lausitz blickt vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Region sorgenvoll in die Zukunft. Und das, wo das regionale Handwerk seit Jahren eine große Zufriedenheit ausstrahlt. Nach einer Sonderumfrage der Handwerkskammern Cottbus und Dresden vom Dienstag sehen jedoch mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen erhebliche Auswirkungen infolge des bevorstehenden Braunkohleausstiegs auf die Betriebe zukommen. So werden der Umfrage zufolge der Verlust von Kaufkraft, die Abwanderung und Abwerbung von Fachkräften aus der Region und eine steigende Steuer- und Abgabenlast befürchtet.

Die Sonderumfrage war im Vorfeld des Revierbesuchs der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ am Donnerstag in der Lausitz initiiert worden. Damit lenken die Kammern den Blick auch auf die erst vor wenigen Tagen vollzogene Abschaltung eines ersten Blocks im Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße), der in die Sicherheitsreserve geht. Obwohl dies bereits vor drei Jahren beschlossen worden sei, so die Kammern, hätten es der Bund und auch die brandenburgische Landesregierung nicht geschafft, Ersatz für die 600 Arbeitsplätze zu schaffen. Vor diesem Hintergrund besteht im südbrandenburgischen und ostsächsischen Handwerk eine große Unsicherheit für die Zeit nach dem Kohleausstieg.

In der Sonderumfrage geben knapp 40 Prozent der antwortenden Betriebe an, mäßig bis stark abhängig von der Braunkohlewirtschaft zu sein. Jedes fünfte Unternehmen bewertet seine künftige wirtschaftliche Entwicklung mit unbefriedigend (aktuell nur drei Prozent). Verantwortlich dafür seien Standortfaktoren, die den Betrieben zufolge wenig zukunftsfest sind. Am schlechtesten bewertet wird die Verfügbarkeit von Fachkräften und Auszubildenden, gefolgt vom unzureichenden Angebot an betrieblicher Förderung und dem Thema Breitband und Verkehrsinfrastruktur. Auf diesen Gebieten wird neben der Ansiedlung neuer Industriebetriebe auch der größte Handlungsbedarf gesehen.

Neben den Standortfaktoren sind für die Unternehmen zwei Punkte besonders wichtig: Eine stabile Energieversorgung und bezahlbare Strompreise. „Diese Themen kommen in den aktuellen Diskussionen leider viel zu kurz“, sagt Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus. „Wir haben viele energieintensive Betriebe wie Metallbauer, Tischler, Fleischer oder Bäcker, die zum Teil Tag und Nacht produzieren und schon heute enorme Kosten schultern müssen." Da würden schnell sechs- bis siebenstellige Beträge zusammenkommen. „Das geht an die Grenzen der Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Dreißig und verweist darauf, dass mit dem Kohleausstieg in der Lausitz eine jährliche Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro ersetzt werden müsse.

Die Lausitz verdiene eine Chance genau wie andere Regionen. „Der Ausstieg aus der Braunkohle ist eine gesamtgesellschaftliche Entscheidung. Dann darf es nicht sein, dass nur die Lausitz die Last der Entscheidung trägt",sagt Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Die Zukunft der Handwerksbetriebe sei mit dem Strukturwandel eng verknüpft. Die Politik müsse dies bedenken und begleiten, so Dittrich.