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| 15:15 Uhr

Burg
Ströbitz zieht um – nach Burg

Beim Festumzug zum Heimat- und Trachtenfest in Burg sind die Ströbitzer traditionell dabei.
Beim Festumzug zum Heimat- und Trachtenfest in Burg sind die Ströbitzer traditionell dabei. FOTO: Marion Hirche
Burg. Beim Festumzug zum Heimat-und Trachtenfest in Burg sind an diesem Wochenende Ströbitzer traditionell dabei. Von Marion Hirche

Einer der Höhepunkte beim 26. Heimat-und Trachtenfest in Burg am Wochenende wird traditionell der große Festumzug am Sonntag sein. Zahlreiche Ströbitzer sind da wie jedes Jahr mit von der Partie. Sie ziehen am Sonntag sozusagen nach Burg um. Dabei bringen sie alles mit, was man zum Dorfleben so braucht. Gewissermaßen als Vorhut spielen die Ströbitzer Musikanten an der Spitze des bunten Feldes mit. Die Bläser und Trommler der Gruppe, die vor drei Jahren im Zusammenhang mit den dörflichen Traditionen in dem Cottbuser Stadtteil entstanden ist, haben die Startnummer 2. „Ohne Musik geht keine Fastnacht, kein Erntefest. Da wollten wir uns einfach selbst helfen, denn es ist gar nicht so einfach, Kapellen zu bekommen“, erinnert sich Gruppengründer Martin Klausch. Die musikalischen Ströbitzer werden die richtigen Klänge schon auf der Hinfahrt anschlagen, sodass die Cottbuser Mannschaft schon bestens gelaunt in Burg am Dorfeingang eintrifft.

Wenn die Kapelle schon fast die gesamte Strecke bis zum Standort Schule bewältigt hat, dann starten auch die anderen mit Startnummer 40. Auf insgesamt sieben von Traktoren gezogenen Wagen zeigen die Männer und Frauen in passenden Trachten gekleidet, wie es auf dem Dorf zuging. Vornweg rollt ein Ackerwagen voll mit Stroh und mit Blumen. Im Anschluss daran wird deutlich gemacht, wie alles im Garten und auf dem Feld wachsen konnte: Ein Gefährt mit Jauchefass berichtet von der früheren Form der mühseligen Düngung. Als Drittes sind auf einem Hänger die Ströbitzer Waschfrauen zugange. Sie werden „Schlüpper“ auf dem Waschbrett in der Zinkwanne schrubben und die Buchsen dann auch auf einer schönen dicken Leine auf hängen. So mancher Spritzer könnte da auch zu den Zuschauern rüberschwappen.

Während die Frauen noch schrubben und rubbeln, machen die Nächsten auf dem Wagen Marmelade und Wurst. Opa liest die Zeitung und Oma bäckt den Napfkuchen, eine alte Küche ist zu sehen. Danach folgt das Handwerk: eine Feldschmiede und hier wird auch das Sense dengeln vorgeführt. An sechster Stelle wird vorgeführt, wofür hauptsächlich die Mädels zuständig waren: für die Flachsverarbeitung. Eine Flachsbreche ist zu sehen und natürlich ein Spinnrad in Aktion. Zum Schluss sind auch Wintervorbereitungen zu sehen: Eine Langholzfuhre berichtet davon. Die Zusammenstellung der einzelnen Bilder bereitet den Westcottbusern nicht so viel Mühe: Ihr Dorf wurde 1452 erstmals urkundlich erwähnt. Viele Jahrzehnte im letzten Jahrhundert hat sich Ströbitz erfolgreich gegen eine Eingemeindung nach Cottbus gewährt. Erst 1950 wurde Ströbitz endgültig Cottbus zugeschlagen. Aber ihre zum Teil mehrere hundert Jahre alten Gehöfte mit den dazu gehörigen Ställen hegen die Bewohner bis heute und so steht in ihren Scheunen auch fast überall ein Traktor, ein Wagen und manches alte Gerät.

„Nach dem Erntefest am letzten Wochenende ist das für uns noch mal ein ganz besonderer Höhepunkt, bei dem wir viel Spaß haben. Wir sind natürlich stolz, dass wir zeigen können, wie unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet haben“, sagt die Chefin der Ströbitzer Trachtentanzgruppe Sylke Schötz. Sie hat allerdings etwas weniger Spaß, sondern viel Arbeit beim Umzug ab 14 Uhr: Sie ist eine der vier Umzugsmoderatorinnen und wird den Zuschauern die fröhliche Parade an der letzten Moderatorenstelle an der Schule erklären. Im Anschluss ist sie auch die Plaudertasche beim Hahnrupfen der Burger Jugend auf Strauchs Wiese. Dort wird sie wie immer sachkundig diesen wendischen Brauch berichten und viel Wissenwertes über die Tracht vermitteln.