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| 08:05 Uhr

Kein Busse und Bahnen bis neun Uhr
Streik bei Cottbusverkehr macht Druck auf Tarifverhandlungen

Warnstreik Cottbusverkehr FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Zwischen 3.30 und neun Uhr stehen am Mittwochfrüh Busse und Bahnen still. Anlass ist ist ein Warnstreik bei Cottbusverkehr. Sein Ziel: Druck auf die Tarifverhandlungen, die am Donnerstag in die nächste Runde gehen. Von Peggy Kompalla

Um 7.30 Uhr ist der Betriebshof von Cottbusverkehr in Schmellwitz noch rappelvoll. Gerade einmal zwei Busse haben am Mittwochmorgen das Werktor passiert. Der Rest der Bus- und Straßenbahnfahrer beteiligt sich seit 3.30 Uhr am Warnstreik, der bis 9 Uhr fortgesetzt wird. Auch Mitarbeiter aus der Werkstatt und der Verwaltung mischen sich unter die Streikenden. 99 Prozent Beteiligung. Jens Gröger zeigt sich zufrieden. Er ist Verdi-Verhandlungsführer und wird sich am Donnerstag mit den Vertretern von 15 Brandenburger Betrieben des öffentlichen Nahverkehrs in Caputh erneut an einen Tisch setzen.

Die Gewerkschaft fordert einheitlich eine Anhebung der Entgeltgruppe um 1,80 Euro je Arbeitsstunde für die rund 3000 Beschäftigten. Derzeit erhalten Bus- und Bahnfahrer in Brandenburg einen Stundenlohn von 11,70 Euro. „Das ist bundesweit die rote Laterne“, kritisiert Gröger. „Wir erwarten am Donnerstag ein deutlich verbessertes Angebot.“ Wer in Brandenburg als Busfahrer anfängt, gehe mit weniger als 2000 Euro nach Hause. „Gleichzeitig haben die Mitarbeiter eine hohe Verantwortung“, betont der Gewerkschafter.

 Der Streik soll Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen ausüben.
Der Streik soll Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen ausüben. FOTO: Michael Helbig

Der Betriebsratsvorsitzende Wilfried Kaul zeigt sich zufrieden. „Das ist auch ein Zeichen an die Politik, dass etwas für den öffentlichen Nahverkehr getan werden muss.“ Gröger bestätigt: „Die Landesregierung gibt null Euro in den ÖPNV. Es werden ausschließlich Gelder des Bundes durchgereicht.“ Dabei seien die Betriebe auf eine größere Unterstützung angewiesen. Der linke Landtagsabgeordnete Matthias Loehr ist gemeinsam mit den Stadtverordneten André Kaun und Eberhard Richter zum Betriebshof gekommen. Sie bringen Bockwürste und Brötchen mit. Die Politiker vernehmen die Kritik. Loehr sagt: „Wir wissen um ihre Gehälter und wissen auch, dass wir Teil des Problems sind. Aber wir brauchen den Druck von unten.“

Gröger geht mit den erfolgreichen Warnstreiks in Frankfurt (Oder) und Cottbus im Rücken gestärkt in die Verhandlungen. „Wir haben ein deutliches Signal an die Arbeitgeber gesendet. Notfalls können wir viel mehr.“ Der Warnstreik sei bewusst in die Ferien gelegt worden, um den Schülerverkehr nicht zu treffen. Darüber hinaus sei im Vorfeld über den Arbeitsausstand informiert worden.

Donnerstagmorgen sollen die Warnstreiks in Brandenburg an der Havel fortgesetzt werden.

Warnstreik Cottbusverkehr FOTO: Michael Helbig