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| 19:46 Uhr

Cottbus
Die Warteliste wird immer länger

Sachsendorfer Straße in Ströbitz ist ein Zubringer zum bald sanierten Bahnhof. Doch für die Holperpiste fehlt bislang das Geld.
Sachsendorfer Straße in Ströbitz ist ein Zubringer zum bald sanierten Bahnhof. Doch für die Holperpiste fehlt bislang das Geld. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Stadt Cottbus setzt gezwungenermaßen Prioritäten beim Straßenausbau. Der Investitionsstau liegt bei weit über 206 Millionen Euro. 37 Projekte sind nicht ausfinanziert. Von Peggy Kompalla

Wie dramatisch der Investitions-
stau ist, belegt eine Zahl. Bei 206 Millionen Euro haben die Mitarbeiter des Fachbereichs Grün- und  Verkehrsflächen aufgehört zu zählen. Auf diese Summe kommen sie für die nötige Sanierung und Erneuerung von Straßen in Cottbus. Das sind aber nur 45 Prozent der Verkehrswege – die mit der schlechtesten Bewertung. Immerhin ist die Stadt für knapp 480 Kilometer Fahrbahnen verantwortlich.

Um die knappen Ressourcen für die Straßen möglichst effektiv einzusetzen, verfolgt die Stadt ein Straßenmanagement: Die Wege werden regelmäßig kontrolliert, ihr Zustand dokumentiert und in einer Datenbank erfasst. Anhand der Daten hat die Stadt nun eine Prioritätenliste erstellt. Auf der Warteliste versammeln sich 37 Projekte. Als Anhaltspunkte wurde neben dem Zustand, die Straßenkategorie, die Betroffenheit, die Verkehrsgefährdung, der Planungsstand, die Restsubstanz, der Unterhaltungsaufwand, aber auch das Beschwerdepotenzial und die Barrierefreiheit genommen.

Marion Adam aus dem Fachbereich weist im Wirtschaftsausschuss am Mittwoch auf ein weiteres Problem hin. „In Vorbereitung für den Bau brauchen wir zwei bis vier Jahre, mit einem Planfeststellungsverfahren sogar vier bis sechs Jahre.“ Deshalb müssten die Investitionen kontinuierlich geplant werden. Die Stadt wird nach Einschätzung der eigenen Fachleute nicht umhin kommen, künftig deutlich mehr Eigenmittel einzusetzen. Demnach müssen in Cottbus 53 Prozent der Straßen grundhaft ausgebaut werden. Um überhaupt Fördermittel beantragen zu können, muss eine Kommune Eigenmittel nachweisen. Deshalb kommen die Fachleute zu dem Schluss: „Es wäre gut, wenn die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung, den Konzessionsabgaben, den Werbeverträgen und den Straßenbaubeiträgen dem Straßenbau wieder zugeführt werden“, erklärt Marion Adam.

In diesem Jahr stehen nichtsdestotrotz Bauprojekte an. Dazu gehören laut Stadtverwaltung die Umsteigehaltestelle Madlow, die Forster Straße und die Rosa-Luxemburg-Straße. Die Franz-Mehring-Straße von der Spree bis zum Stadtring wird aus dem Stadtumbauprogramm finanziert; Magazinstraße, Oberkirchplatz, Breitscheidstraße, Flaniermeile und Postparkplatz über die Modellstadt-Förderung. Für den Stadtring vom Turbokreisel bis zum Ortsausgang ist bislang nur die Planung gesichert. Für den Bau fehlt das Geld – genauso wie für 17 weitere Projekte. Dazu gehören unter anderem die Willy-Brandt-Straße, die Gelsenkirchener Allee, der Friedensplatz in Gallinchen, die Lausitzer Straße, der Gerichtsplatz, die Karl-Liebknecht-Staße, die Seestraße und Fahrradstraßen zum Ostsee.

Auf der Warteliste vermisst Joachim Käks (CDU) die Sachsendorfer und die Vetschauer Straße. „Wir gestalten den Bahnhof attraktiv, aber die Zubringer aus allen Richtungen sind in einem miserablen Zustand. Darauf sollte der Fokus gelegt werden“, betont er. Genau dabei soll die detaillierte Prioritätenliste helfen, erklärt Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD). Sie fungiert wie ein Beweismittel für die Fördergeldgeber, wie es Dietmar Micklich (AfD) richtig anmerkte.