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Straßenbäume im Visier

Die Bundesstraße 168 zwischen Cottbus und Lakoma soll 36 Bäume verlieren.
Die Bundesstraße 168 zwischen Cottbus und Lakoma soll 36 Bäume verlieren. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die B 168 zwischen Cottbus und Lakoma soll saniert werden. Dafür will der Landesbetrieb Straßenwesen 36 Bäume fällen. Begründung: Es handele sich nicht um eine Allee. Peggy Kompalla

Der Naturschutzbund (Nabu) ist alarmiert. Zwischen Cottbus und Lakoma sollen 36 Bäume entlang der B 168 gefällt werden. Der Grund: Die Straße bekommt eine neue Schwarzdecke, gleichzeitig werden Schutzplanken aufgestellt. Dabei sind die Bäume im Weg. Deshalb hat der Landesbetrieb Straßenwesen bei der Unteren Naturschutzbehörde in Cottbus eine Ausnahmegenehmigung zur Fällung beantragt - und zunächst auch erhalten. Bis das Landesbüro der anerkannten Naturschutzverbände, zu dem auch der Nabu gehört, einen Rechtsanwalt einschaltete. Ausschlaggebend dabei ist unter anderem eine unterschiedliche Auffassung darüber, was eine Allee ist.

Harald Wilken vom Nabu ist entsetzt und schimpft von einer "unnützen Luxussanierung". In der Stellungnahme an die Untere Naturschutzbehörde schreibt der Nabu Cottbus: "Der genannte Alleeabschnitt gehört zu den besten noch erhaltenen Alleen … Es darf nicht Ziel der Stadt sein, diesen wertvollen Landschaftsteil zu opfern, um die Landschaft verkehrsgerecht zu machen." Das Landesbüro der anerkannten Naturschutzverbände argumentiert, dass vor einer Fällung zunächst alle anderen Möglichkeiten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zu prüfen seien. "Es sind Varianten wie die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die Aufstellung von Schutzeinrichtungen unmittelbar am Fahrbahnrand (wie im gegenüberliegenden Straßenbereich erfolgt) beziehungsweise die Reduzierung der Straßenbreite nachweislich zu prüfen und umzusetzen", heißt es in dem Schreiben.

Für Stephan Böttcher ist nun der Landesbetrieb Straßenwesen im Zugzwang. Der Chef der Unteren Naturschutzbehörde erklärt: "Der Landesbetrieb muss nachweisen, warum es nicht anders geht. Nur wenn die Fällung als unabdingbar nachgewiesen ist, können wir dem zustimmen." Der Grund für den Rückzieher der Cottbuser Behörde sei auch eine Frage der Definition, so Böttcher. Denn während es sich nach Auffassung des Landesbetriebes bei dem Straßenabschnitt nicht um eine Allee handelt, sehen die Naturschützer das anders (siehe Infobox).

Dabei stellt das Brandenburgische Naturschutzgesetz Alleen unter einen besonderen Schutz. In Paragraf 17, Absatz 1, heißt es: "Alleen dürfen nicht beseitigt, zerstört, beschädigt oder sonst erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden." Absatz 2 ergänzt, dass Ausnahmen nur bei "zwingenden Gründen der Verkehrssicherheit" zulässig sind.

Der vom Landesbetrieb gewünschten vorsorglichen Höhlenversiegelung widersprechen die Naturschützer vehement. Der Grund: Die Ergebnisse des artenschutzfachlichen Gutachtens liegen noch nicht vor.

Damit ist die Entscheidung um das Abholzen der Allee bislang nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.

Zum Thema:
Einem Leitfaden der anerkannten Naturschutzverbände zufolge ist die Definition einer Allee nicht im Gesetz verankert. Allerdings hat für Brandenburg das Landesumweltamt folgende Formulierung gefunden: Alleen und Baumreihen sind "in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen gepflanzte linienförmige Baumbestände ohne oder mit Strauchschicht, die ein- (Reihe) oder beidseitig (Allee) entlang von Straßen und Wegen verlaufen". Eine Mindestlänge ist demzufolge nicht vorgegeben, die Bestände müssen aber gepflanzt sein. Im Leitfaden heißt es weiter: "Gelegentlich beanspruchen andere Behörden eine Definitionskompetenz, zum Beispiel in Brandenburg der Landesbetrieb Straßenwesen, der erst ab 200 Metern Länge von einer Allee spricht und kürzere Abschnitte von seinem Entwicklungskonzept ausnimmt."