Fachbücher, Kopierkosten, Semesterbeiträge und das WG-Zimmer: Ein Studium kann für junge Menschen ganz schön teuer werden. Unter bestimmten Umständen können sie sich einen Teil der Ausgaben über die Steuererklärung zurückholen. Doch das gilt nur in besonderen Fällen und lange nicht für alle.

Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Januar 2020 ist diese Unterscheidung rechtens. Für die meisten Studenten und viele Auszubildende wird es sich weiterhin nicht lohnen, eine Steuererklärung zu machen.

Urteil: Ausgaben fürs Erststudium sind keine Werbungskosten

Kosten für ein Erststudium oder eine erstmalige Berufsausbildung können in der Steuererklärung in der Regel nicht als Werbungskosten abgesetzt werden, Kosten für eine zweite Ausbildung aber schon. Der Bundesfinanzhof, das höchste deutsche Steuergericht, sah darin einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz.

Deshalb legte er im Jahr 2014 sechs Fälle dem Bundesverfassungsgericht vor. Die Argumentation: Studienkosten seien auch im Erststudium eine Investition in die eigene Karriere und müssten deshalb als Werbungskosten gelten. Schließlich dienten sie letztlich „der Erzielung einkommensteuerpflichtiger Einkünfte“, schafften also Steuerzahler.

Das Karlsruher Gericht sah keinen Grund für eine Änderung. Die erste Ausbildung oder das Erststudium unmittelbar nach dem Schulabschluss vermittelten nicht nur Berufswissen, sondern prägten die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeit, entschieden die Richter. Studenten könnten Begabungen und Fähigkeiten entwickeln, die „nicht zwangsläufig für einen künftigen konkreten Beruf notwendig sind“.

Außerdem gebe es viele Studiengänge, die gar nicht gezielt auf einen Beruf vorbereiteten – und viele Berufe, für die es nicht auf ein bestimmtes Studium ankomme. Die Ausbildung diene also zu viel mehr als nur dazu, einen Beruf zu ergreifen und (steuerpflichtiges) Geld zu verdienen.

Steuergesetz: Studium nach Ausbildung sind Werbungskosten

Laut Einkommenssteuergesetz kann man jedoch Aufwendungen für eine Berufsausbildung oder ein Studium dann als Werbungskosten geltend machen, wenn man bereits eine andere Ausbildung oder ein anderes Studium erfolgreich abgeschlossen hat. Das funktioniert auch, wenn man während des Studiums noch gar keine Steuern zahlt – der Bonus wird eingelöst, wenn das erste Mal Steuern anfallen.

Einen Höchstbetrag gibt es nicht. Umstritten ist noch, ob ein Masterstudium nach abgeschlossenem Bachelorstudium als Zweitausbildung gilt (siehe Infokasten).

Es gibt dennoch Möglichkeiten, auch Ausgaben fürs Erststudium steuerlich geltend zu machen. Das bringt nur wenigen Studierenden Vorteile. Die Kosten für das erste Studium oder die erste Ausbildung können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Das geht aber nur bis zu einer Höhe von 6000 Euro und nur, wenn man bereits Steuern zahlt - etwa wegen eines lukrativen Nebenjobs.

Werbungskosten im Referendariat oder dualen Studium absetzbar

Anders sieht es aus im Referendariat, in einer Lehre oder einem dualen Studium. Wenn die Erstausbildung „im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet“ – meist, wenn man währendessen ein Gehalt bekommt – gelten die Auslagen doch als Werbungskosten.

Diese Ausbildungskosten gehören dabei zu den steuerlich absetzbaren Ausgaben: Kosten für eine Bewerbung um den Ausbildungsplatz, Druckkosten für die Abschlussarbeit, Semesterbeiträge, Prüfungsgebühren, die Zinsen für einen Studienkredit, mitunter Miete für das WG-Zimmer – wenn man am Studienort mit Zweitwohnsitz gemeldet ist. Auch sämtliche Quittungen für Fahrtkosten zur Uni, Fachbücher, Laptops und Druckerpapier könnten eingereicht werden.

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Hinweise zur Steuererklärung 2019 sowie für Unternehmer, Freiberufler und Arbeitnehmer zu möglichen Hilfen in der Coronavirus-Krise:

lr-online.de/steuern-sparen

So füllen Studierende die Steuererklärung aus


Wer schon im Studium gewisse Einnahmen hat, kann von der Abgabe einer Steuererklärung profitieren. Damit sich das Erstellen lohnt, sind zwei Dinge wichtig: Die steuerpflichtigen Einnahmen müssen über dem Grundfreibetrag von derzeit 9168 Euro (für das Steuerjahr 2019) liegen. Und die Ausgaben für das Studium müssen belegbar sein

Auswirken können sich neben laufenden Kosten wie für den Fahrtweg zur Uni, für Fachliteratur und Computer, auch ein Praktikum oder Auslandssemester. Eingetragen werden die Posten in der Anlage Sonderausgaben unter Berufsausbildungskosten.

Wer in Vollzeit studiert, kann laut Bundesfinanzverwaltung zudem als Werbungskosten eine Entfernungspauschale für den Weg zwischen Wohnung und Bildungseinrichtung geltend machen. Dafür sind die Zeilen 31 bis 38 der Anlage N auszufüllen.

Unter welchen Voraussetzungen Kosten für ein Masterstudium abgesetzt werden können, ist nicht abschließend geklärt. Der Bund der Steuerzahler empfiehlt, die Ausgaben dafür in Anlage N anzugeben.