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Sternenregen am Schlossberg

Farbenfrohes Spektakel vor der traumhaften Kulisse des Burger Bismarckturms.
Farbenfrohes Spektakel vor der traumhaften Kulisse des Burger Bismarckturms. FOTO: Michael Helbig
Burg. Zum zehnten Mal ist zu Pfingsten die Spreewälder Sagennacht auf dem Burger Schlossberg gelaufen. Der Ort, wo der Sage nach die mächtige Burg des Wendenkönigs stand, verwandelt sich in eine romantische Theaterbühne. Marion Hirche

Zum dritten Mal zeichnet das Sorbische Nationalensemble für die Hauptaufführung verantwortlich.

Kinder der Kultur-Akademie Niederlausitz sorgen für einen gelungenen Einstieg in den Abend. In ihrem Musical nimmt das Mädchen Kara die Zuschauer mit ins Lutkiland. Dort trifft Kara sechs Sagenfiguren der Wenden und stellt sie vor. Das gerade erworbene Wissen können die Gäste auf den Bänken, Liegestühlen und Sesseln dann gut für Folge Nummer 3 um die Krone des Wendenkönigs Prebislaw nutzen.

"Wir sind neugierig auf die Geschichte", sagt Gabriele Schneider, die mit ihrem Mann Bernd Schneider aus Dresden zum Pfingsturlaub nach Burg gereist ist. Detlef Kraus und Marina Hentschke aus Lübbenau schauen ebenfalls zu. "Uns hat es schon 2016 gefallen. Wir wollen wissen, wie es weiter geht. Schade nur, dass der Einlass so spät war. Als wir endlich saßen, lief das Programm schon lange", sagt Hentschke.

Pünktlich 21 Uhr in der Dämmerung tauchen die beiden Lutki Jolka und Jorko, dargestellt von Dorota Farkas und Julia Schmidt, vor dem Bismarckturm auf, erzählen in Kurzform das bisherige Geschehen um die Wendenkönigskrone und begeben sich dann erneut in die Vergangenheit.

Die Krone des Wendenkönigs ist mittlerweile im Besitz von Wuz, Sohn der Schlangenkönigin. Er hat seine Mutter entmachtet. Mit dem Wassermann, dem Nykos, schmiedet er einen Plan: Der Wuz bekommt die Zauberschlangenhaut, mit der er sich in jede Figur verwandeln kann. So kann er als Wendenkönig eine Liebesnacht mit der Wassermanntochter Woda verbringen. Der Nykos bekommt dafür die Wendenkönigskrone.

Wie geplant, so geschehen. Im Ergebnis ist Woda von Schlangenkönig Wuz schwanger, heiratet ihn und will sich an Prebislaw rächen. Dieser erfährt, dass er mit Lina einen Sohn hat und dass Woda seinen Freund und Cousin Bolko gefangen genommen hat. Bei ihrer Hochzeit will Woda beide hängen.

Nach der Trauung taucht tatsächlich der Wendenkönig auf, um Bolko zu befreien. Es entsteht ein Gefecht, bei dem der Wendenkönig und auch der Schlangenkönig getötet werden. Lina verspricht an der Bahre, dass ihr Sohn seinen Vater als Wendenkönig vertreten wird.

Der Wassermann wirft die Krone in den Sumpf. Das beobachten Jolka und Jorko. Hoffnung also im doppelten Sinn: Wo die Krone ist, ist bekannt. Und der Sohn wird dem Vater an die Spitze des Wendenvolkes folgen.

Die Darsteller des Sorbischen Nationalensembles verzaubern die Zuschauer. Da gibt es fröhliche Szenen im Volk - kräftig, jubelnd vom Chor und vom Ballett bestritten. Und es erklingen "Gänsehaut"-Arien wie "Ich wollte nur das Beste für mein Volk" von Schlangenkönigsdarsteller Petr Cyz, "Ich habe die Krone" von Nykossänger Mikolaj Walerych sowie von Woda (Stefanie Masnik), Lina (Anna Zacharias) und der Fruchtbarkeitsgöttin Mara (Julia Peickert).

Andreas Pabst hat feinste Klänge geschrieben und in Szene gesetzt. Die ausgezeichnete Leistung des Ensembles wird gekrönt vom Technikteam um Christof Bjarsch. Der Bismarckturm im Wechsel von Rot und Grün wirkt romantisch wie noch nie, aus den Wallwiesen steigt Nebel auf. Der Ton kommt blitzsauber, die Zuschauer in den hinteren Reihen verfolgen das Geschehen hautnah auf einer riesigen Videoleinwand.

Cottbuser Polizeisportler und Reiter von der Kutzeburger Mühle haben die aktionsreichen Kampfszenen übernommen. Der ganze Abend erscheint wie aus einem Guss, der Wechsel von deutscher und wendischer Sprache vollzieht sich fast unbemerkt, ohne Informationsverlust. Wendenkönigin Jennifer Dünnbier verteilt am Sonnabend Regencapes. Die Zuschauer genießen die Inszenierung von Stefan Haufe. "Für mich war es ein wunderschöner Abend. Ich würde mir wünschen, dass es noch viele Sagennächte gibt", betont der Burger Hauptamtsleiter Christoph Neumann nach der Vorstellung am Sonnabend. Das Abschlussfeuerwerk krönt den Abend und gehört wohl zu den schönsten Sternenregen, die es je auf dem Burger Schlossberg gab.

Zum Thema:
Zehnmal Spreewälder Sagennacht seit dem Jahr 2006 (mit Unterbrechung) sind Anlass für eine kleine Bilanz:Insgesamt wurden mehr als 50 000 Besucher gezählt. Es gab 28 Aufführungen mit dem Staatstheater Cottbus und dem Sorbischen Nationalensemble sowie insgesamt mehr als 270 Minuten Abschlussfeuerwerk.