Der Name ist Programm. Denn im hohen Norden, Wohnort des Weihnachtsmannes und Produktionsort aller Weihnachtsgeschenke, herrscht Ausnahmezustand: Während sich die berlinernden Trolle mit den rot weißen Weihnachts-Wichteln über die Farbe des, aufgrund der Schnappi-Euphorie, viel gewünschten Krokodilplüschtieres streiten, entführt die Schneekönigin kurzerhand den Nordpolarstern und stellt ihn im wahrsten Sinne kalt. Doch Polarius muss befreit werden - schließlich braucht das Weihnachtsfest sein helles Licht. Zur Rettung eilen unter anderen die Sternschnuppe Stralet und ihre Schwester Schnuppi, Willibald der Schneemann und der Weihnachtsmann samt Gefolge.
Ein Märchen mit vielen bekannten Charakteren aus der Weihnachts- und Winterzeit: Allem voran die Schneekönigin, die eine sehr interessante Figur sei, findet Musicalleiter Thorsten Karow. Die Geschichte, die er schon im Sommer dieses Jahres um die frostige Figur herum erdachte, gab er weiter an Andrea Kulka, die daraus ein Drehbuch entwarf und später die Regie übernahm.
So bunt und vielseitig wie die Figuren und Kostüme ist auch die musikalische Komponente des Stückes: Vom klassischen Musicalsong bis Rock'n'Roll über Rap und Punkrock - sogar zu arabischen Klängen sangen und tanzten die kleinen Stars und Sternchen. Sechs neue Songs enthalte das Märchen, so Karow, der Rest stamme vom Weihnachtsrepertoire des Kindermusicals.
Ein großer Teil der reibungslosen Realisierung ist auch diesmal wieder den Eltern und Mitgliedern des Fördervereins zu verdanken. Verwaltung, Bühnengestaltung und Technik sowie der Kuchen für die Pause. "Überall wo es fehlt, packen wir mit an", so Katrin Neumann, Mutter eines der Trolle und einer Gefolgin der Schneekönigin. Dass die Sache so eine großer Erfolg wird, damit hatte keiner der Kindermusicalisten gerechnet: Alle zehn Vorstellungen sind bereits ausverkauft - und das innerhalb kürzester Zeit, berichtet Thorsten Karow glücklich. Ein Trost für alle Kartenlosen: Pünktlich zum dritten Advent 2006 wird das Musical erneut aufgeführt, diesmal in der Stadthalle.
Auch das Premierenpublikum am Sonntag zeigte sich begeistert und würdigte die Arbeit der Darsteller und Mitwirkenden mit tosendem Applaus. Doch der eigentliche dramatische Höhepunkt sollte noch kommen, denn nach der premierenüblichen Danksagung folgte eine Verabschiedung, bei der kein Auge trocken blieb. Das Kindermusical wird um fünf Stimmen leiser. Schuld daran ist meist das Abitur und der damit verbundene Zeitmangel: "Und da wir gerade vor den Premieren sehr zeitintensiv proben, müssen uns die Mädchen leider verlassen", sagt Fördervereinsmitglied Gundula Witte. Da flossen die Tränen in Strömen - nicht nur bei den Verlassenden, auch bei jenen die verlassen werden.
Doch zumindest der Polarius wird wie sein himmlisches Vorbild nächstes Jahr zur Weihnachtszeit wiederkommen, denn obwohl Kevin Traeger die Gruppe verlässt, wird er zur Wiederholungsaufführung in der Stadthalle erneut unter den anderen Sternen des Kindermusicals leuchten.