ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:12 Uhr

Cottbus Früher & Heute
Stein gewordener Glaube

Hochaltar der Friedenskönigin in der katholischen Pfarrkirche Cottbus (nach 1934).
Hochaltar der Friedenskönigin in der katholischen Pfarrkirche Cottbus (nach 1934). FOTO: Sammlung Krause
COTTBUS. Stadthistorikern Dora Liersch erzählt die Geschichte vom Hochaltar der Friedenskönigin in der katholischen Pfarrkirche zu Cottbus N./L. anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora und Heinrich Liersch

Diese Ansichtspostkarte mit dem Hochaltar der katholischen Kirche St. Maria Friedenskönigin in Cottbus ist nach 1934 hergestellt worden. Ein Vergleichsfoto zu heute ist nicht möglich, da der Hochaltar bei einer Neuordnung des Kircheninnenraumes abgebaut wurde. Wertvolle Teile des Hochaltars findet man an anderen Stellen in der Kirche wieder. Doch zu nächst ein Rückblick zur Baugeschichte der katholischen Kirchen:

Der erste katholische Kirchenbau nach der Reformation in Cottbus war 1848 bis 1850 an der damaligen Dresdener Chaussee, gegenüber dem Friedhof errichtet worden (siehe LR vom 13.02.2017). Dabei stand damals bereits fest, dass die Kirche „Zum guten Hirten“, wie sie benannt wurde, in der aufstrebenden Stadt Cottbus, eigentlich zu klein war, aber man musste froh sein, dass nach vielen Widerwärtigkeiten überhaupt ein Kirchenbau für die katholische Gemeinde genehmigt wurde. Zwischen Wohngebäuden stehend, gab es auch keine Möglichkeit, die Kirche durch An- und Umbauten zu vergrößern. Deshalb musste man schon bald an einen Kirchenneubau auf einem anderen, größeren Grundstück denken. Ein Kirchenbau-Sammel-Verein gründete sich 1928, der im Jahre 1930 das „Tiegelgrundstück“ in der damaligen Lausitzer Straße als Bauplatz für eine neue Kirche erwarb. Der „Tiegel“ war Jahrzehnte lang eine Gaststätte, benannt nach der Straße, die im 19. Jahrhundert Tiegelstraße hieß und später in Lausitzer Straße – Wilhelm-Külz-Straße – Adolph-Kolping-Straße umbenannt wurde.

Der Entwurf, ähnlich einer zweitürmigen römischen Basilika stammt von dem Diözesanbaurat Mockroß aus Breslau, der gleichzeitig leitender Architekt war. Mit der Kirche sollte auch ein Pfarr- und Gemeindehaus errichtet werden. Die Firma Pabel & Co. aus Cottbus wurde mit der Bauausführung beauftragt. Die Grundsteinlegung fand am 18. September 1932 statt. Am 7. Oktober 1934 konnte die Kirchenweihe durch den Kardinal Bertram, dem Erzbischof von Breslau erfolgen. Die Kirche und das Pfarrhaus wurden in Eisenbetonskelett- Konstruktion errichtet. Die Fassade mit dunkelroten Klinkern verblendet. Die künstlerische Ausgestaltung lag in den Händen des Holzbildhauermeisters Felix Hertelt (1897-1972) aus Cottbus.

Blickfang war beim Betreten des Kirchenschiffes die überlebensgroße St. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, die als Friedenskönigin (und als Namensgeberin für dieses Gotteshaus) von dem Hochaltar herabschreiten wollte. Über ihr die Friedenstaube mit dem Palmenzweig. Unterhalb der halbrunden Stufen stand: „Königin des Friedens, bitte für uns!“ Ob damals bereits geahnt wurde, wie nötig diese Bitte sein würde? Wie nahe ein Krieg schon war? 1945 war diese Kirche durch keinen Bombentreffer zerstört worden, doch gab es Schäden am Dach, den Fenstern und Splitterschäden an der Fassade, die bald, je nach Möglichkeiten der Materialbeschaffung beseitigt werden konnten.

Im Laufe der Jahre brauchte man für die aktive Gemeinde zusätzliche Räume. Ein Neubau als Gemeindehaus auf dem kircheneigenen Grundstück war nicht realisierbar. So fand man den Architekten Wolfram Starke und den Bildhauer Friedrich Press, die durch Veränderungen, Umbauten im Kirchenschiff und dem Ausbau der Türme freien Raum für die Gemeindegruppen, Unterrichts- und Seelsorgeräume schaffen konnten. Nicht jedes Gemeindemitglied begrüßte die baulichen Veränderungen. Die Apsis mit dem Hochaltar und auch der Turm-Emporenraum wurden abgetrennt. Aus dem längs ausgerichteten Kirchenschiff wurde ein fast quadratischer Gottesdienstraum.

Ein neuer Altar kam an die Westseite der Kirche und die Gemeinde sitzt nun hufeisenförmig um den neu geschaffenen Altartisch. Eine wuchtig aus Balken zusammengenagelte, rötlich gebeizte Dornenkrone umfasst den Raum. Der Innenraum, die Nord- und Südwand im oberen Bereich, einschließlich der Decke wurden mit Holz verkleidet. Diese Arbeiten der Umgestaltung fanden in den Jahren 1976 bis 1982 statt.

Die St. Maria Friedenskönigin stand zwar noch an alter Stelle, war aber nun in einem eigenen kleinen ca. 30 Quadratmeter großen Raum über der neu geschaffenen Werktagskapelle und nicht mehr im Gottesdienstraum zu sehen. Erst als die Gemeinde die Jehmlich-Orgel aus dem Kulturpalast in Dresden erwerben konnte, damit auch eine Orgelempore neu einzurichten war, bekam auch die Friedenskönigin, als Gegenstück dazu, wieder einen „Sichtplatz“. Am 14. Juni 2015 fand die Orgelweihe statt. So wie die Holzverkleidung der Orgelempore für das Instrument in größerem Umfang geöffnet wurde, so tritt die Friedenskönigin wie durch eine sich öffnende zweiflügelige Tür aus der Holzwand heraus. Sie steht auf ihrer alten Kirchenseite, nun über der Dornenkrone und schaut auf den neuen Altartisch und ihre Gemeinde herab.

Hochaltar der Friedenskönigin in der katholischen Pfarrkirche Cottbus im Jahr 2018.
Hochaltar der Friedenskönigin in der katholischen Pfarrkirche Cottbus im Jahr 2018. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch