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| 18:13 Uhr

Kultur
Stehende Ovationen für Penny

Volles Haus und volle Bühne: Die Theaternative C feiert ihren 23. Theatersommer in Cottbus.
Volles Haus und volle Bühne: Die Theaternative C feiert ihren 23. Theatersommer in Cottbus. FOTO: theaternative / Theaternative
Cottbus. Die Theaternative C feiert den Sommer mit einer Musical-Premiere. Von Andrea Hilscher

Es war knapp in diesem Jahr: Nachdem Hauke Tesch vor wenigen Wochen im Unfrieden die Kleine Komödie verlassen hatte, sah es trübe aus für den traditionellen Theatersommer. „Aber nach sechs harten Wochen sind wir froh, dass wir jetzt doch den 23. Theatersommer in Cottbus mit einer Premiere eröffnen können“, sagte ein strahlender Gerhard Printschitsch am Mittwochabend im idyllischen Innenhof in der Petersilienstraße. Dem schwierigen Umbruch zum Trotz stemmte er die komplizierte Aufgabe, in kurzer Zeit ein Musical mit einem Dutzend Darstellern auf die Bühne zu bringen.

Die Premierenbesucher sagten anschließend einhellig: „Die Mühe hat sich gelohnt – es ist der beste Theatersommer seit Langem.“

Bei herrlichem Wetter konnten sie im lauschigen Hinterhof zwischen weinbekränzten Mauern 120 Minuten lang lachen, entspannen und mitsummen: Das Musical „Millionen für Penny“ zieht offenbar schnell in den Bann.

Die Geschichte: In New York, auf der Bühne des leer stehenden Viktoria-Theaters, hat sich eine Geldfälscherbande eingenistet. Lord (Uwe Karpa), der Kopf des Unternehmens, Alfredo (Dieter Gericke), ein genialer Grafiker, und Sig (Wolfgang Linnenbrügger), ein ehemaliger Souffleur, kampieren zwischen alten Bühnenprospekten und staubigen Requisiten. Das Trio ist mittellos und hungrig, doch es hat Hoffnung: Alfredo hat es geschafft, Hundert-Dollar-Noten täuschend echt zu fälschen. Leider ist der Künstler in ihm nicht zu bremsen – Alfredo hat ausgerechnet den Kopf von Karl Marx auf die Blüten gepinselt. Wie kann man diese Scheine jetzt trotzdem gefahrlos in Umlauf bringen?

Die Rettung naht in Form eines schüchternen, abgemagerten Mädchens aus „Kolkwitz, Cottbus, Germany“. Penny Brown (Viola Kuch), betritt die Bühne. Die junge Schauspielanfängerin hält Lord und seine Freunde für echte Theaterleute und bittet um ein Engagement. Wenig später verlässt sie strahlend vor Glück das Theater mit der Zusage für eine Rolle – und mit einem falschen Hunderter in der Tasche, den sie einwechseln soll.

Mit frischem Bargeld erscheint sie am nächsten Tag wieder im Theater, bringt leider auch eine Zufallsbekanntschaft mit: O’Brian (Ronne Noack), ein theaterbegeisterter Polizist. Plötzlich sehen sich die Gangster gezwungen, tatsächlich ein Theaterstück auf die Bühne bringen zu müssen – mit O’Brian und seinen drei Kollegen als Statisten. Auf die Bühne soll eine eigenwillige Musical-Version von Schillers „Die Räuber“, in der auch Lords Freundin Rusty (Miriam Diestelkamp) und ihre Striptease-Kolleginnen auftreten sollen. Fast wäre der Coup gelungen, die falsche Theatertruppe hätte vor ausverkauftem Haus spielen können, doch dann funkt – natürlich – die Liebe dazwischen. Penny entflammt für den charmanten Grafiker, die Grenzen zwischen Schein und Sein verschwimmen und brechen vollends, als Gerhard Printschitsch als insolventer Theaterbesitzer ins Geschehen eingreift.

Das Musical von Lotar Olias, der in den 1950er- und 60er-Jahren für Freddy Quinn schrieb, spielt gekonnt mit allen Finessen des Genres, und Schauspieler wie auch das Orchester reißen immer wieder zu Szenenapplaus und stehenden Ovationen hin. Penny wird ebenso umjubelt wie der charmant-tuntige Polizist, eine keifende Zimmerwirtin (Christiane Arndt) brilliert genauso wie die dominante Tänzerin Rusty.

Nächste Vorstellung:

Donnerstag, 26. Juli, 20.30 Uhr