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| 02:33 Uhr

Stefan Kießling verabschiedet sich von Cottbus

Das Neujahrskonzert in der Klosterkirche mit dem Trompeter Daniel Schmahl (links) und Stefan Kießling an der Orgel war auch ein Abschiedskonzert.
Das Neujahrskonzert in der Klosterkirche mit dem Trompeter Daniel Schmahl (links) und Stefan Kießling an der Orgel war auch ein Abschiedskonzert. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Mit einem Abschiedskonzert hat das neue Jahr in der Cottbuser Klosterkirche begonnen. Werke von Johann Sebastian Bach und Jazzbearbeitungen dazu spielte Stefan Kießling (Orgel) gemeinsam mit Daniel Schmahl (Trompete) aus Neubrandenburg. Annett Igel-Allzeit

Der Organist Stefan Kießling hat sich entschlossen, den Hut zu nehmen und sich von der Stadt Cottbus zu verabschieden. Am Neujahrstag gab er gemeinsam mit dem Trompeter Daniel Schmahl aus Neubrandenburg sein letztes Konzert in der Klosterkirche. 15 Jahre war er dort tätig.

Was manchen Musikfreund im Kirchenaum erschreckte, schmerzt Kießling bereits eine ganze Weile. Der 36-Jährige, der in Leipzig lebt, verdankt der Stadt Cottbus für seine musikalische Laufbahn sehr viel. "Die Orgelausbildung am Konservatorium bei Lothar Graap, einige Auftrittsmöglichkeiten vor einem sehr musikinteressierten Publikum, die Arbeit an der Klosterkirche", zählt Kießling auf. Aber er schenkte den Cottbusern im Gegenzug auch wunderbare Konzerte, spannende Duette und musikalische Experimente.

Der gebürtige Görlitzer war 19 Jahre alt, als er mit der Familie nach Cottbus zog. Im Jahr 1999 hatte er die Reihe "Musik in der Klosterkirche" ins Leben gerufen. Er spielte Benefiz- und Wunschkonzerte, holte bedeutende deutsche Organisten-Kollegen wie Arvid Gast und Stefan Engels nach Cottbus, konnte die Schweden Hans Fagius und Hans-Ola Ericsson für die Lausitz gewinnen. Wie Werke von Johann Sebastian Bach in Jazzbearbeitungen klingen, war am Neujahrstag noch einmal zu erleben. Und dass zur Orgel nicht nur Gesang, Trompete und verschiedene Streicher passen, sondern auch das Cembalo, die Oboe und das Saxofon klingen, bewies er gern. "Etwas schwieriger ist eigentlich nur die Kombination Klavier und Orgel - und zwar rein stimmtechnisch. Deshalb war ich so froh, dass der Techniker Kurt Boelke im Konzertsaal des Konservatoriums noch einmal kräftig heizte."

Über Unterstützer konnte sich Kießling in Cottbus immer wieder freuen: "Musiker wie der Trompeter Erwin Scholle und Institutionen wie das Staatstheater, das Konservatorium, der Cottbuser Musikherbst standen mir zur Seite. Und es gab Menschen, die mir selbstlos bei den organisatorischen Dingen halfen, Susanne Reschke zum Beispiel, Klaus Gärtner, Sven Jurkschat und viele andere."

Daneben hat es ihn oft in die weite Welt gezogen. Er machte Musikfreunde in Wolgograd mit sorbisch-wendischer Musik vertraut, spielte in Schweden, in Australien, Sibirien, in den Vereinigten Staaten, in Kanada.

Aber dass er im Schwarzwald auf einer Konzertreise von einem Kollegen hören musste, dass er in der Klosterkirche in Cottbus nicht mehr gebraucht werde, das tat weh.

Die Klosterkirchengemeinde hat im Vorjahr eine Vollzeitkirchenmusikerstelle eingerichtet und auch besetzt. Grundsätzlich eine wunderbare Idee, findet Kießling. Nur hatte er zuvor als "geringfügig" beschäftigt aus Liebe zur Musik und zur Gemeinde viel Zeit und Mühe investiert und war nun nicht mal gefragt oder informiert worden.

Er ist noch jung, viele Orte in der Welt und eine Reihe Orgeln sind ihm inzwischen vertraut. "Im Jahr 2016 jährt sich der Todestag Max Regers zum 100. Mal. Das wird für mich ein Anlass sein, mich seiner Musik intensiver zu widmen - wofür die Sauer-Orgel der Klosterkirche besonders gut geeignet gewesen wäre."

Aber auch die Thomaskirche in Leipzig habe zwei wunderbare Orgeln, Malmö in Schweden, Princeton in den USA, zählt er auf. "Wenn man viel herumreist, lernt man auch viele Menschen kennen und schätzen - und so bekommt man ein bisschen das Gefühl, an vielen Orten der Erde ein kleines Zuhause zu haben. Nein, einfach wird das Jahr 2016 für mich nach diesem Abschied von Cottbus nicht. Aber ich werde ein paar Reisen haben, die mich an andere vertraute Orte zurückführen", sagt Stefan Kießling. In Berlin und in Leipzig werde er wohl gelegentlich spielen. Und tatsächlich vorerst nicht in Cottbus? "Nachdem ich den Hut genommen habe, sollte schon erst einmal einiges Wasser den Jordan und die Spree hinunterfließen", sagt Stefan Kießling.