51 Kärtchen haben die Steenbeck-Gymnasiasten vorbereitet, eines für jeden Stadtverordneten. Gekommen sind drei am gestrigen Nachmittag, um sich die Sorgen des Gymnasiums um seine Zukunft anzuhören. Die anderen nimmt Schulleiter Dr. Klaus Rösiger in Schutz: „Abgeordnete haben volle Terminkalender, und die Einladung erreichte sie erst vergangenen Mittwoch.“ Die drei anwesenden Abgeordneten - Hagen Strese von der CDU, Manfred Schemel und Steffen Picl von der PDS - zeigen sich sofort einig. „Meine Fraktion ist gegen eine Fusion des Steenbeck-Gymnasiums, die der PDS wohl auch. Damit hätten wir eine Mehrheit“ , sagt Strese und erhält Beifall. CDU/DSU verfügen über 14 Stimmen, die PDS über 13. Die SPD hatte in der vergangenen Woche ein Konzept vorgelegt, das ebenfalls den Erhalt des Steenbeck-Gymnasiums als eigenständige Schule vorsieht.
Ein Vorschlag der Stadtverwaltung, die mathematisch-naturwissenschaftliche Eliteschule in Sandow mit dem Ströbitzer Leichhardt-Gymnasium zusammenzuführen, dürfte zumindest politisch vom Tisch sein.
Rösiger drängt dennoch darauf, mit neuen Ansätzen die Zukunft seines Hauses zu zementieren. Er hält drei statt bisher sieben Gymnasien in Cottbus für ausreichend: Das bereits beschlossene Konstrukt in Sachsendorf aus Heine-, Pückler- und Spreeland-Gymnasium, ein sprachorientiertes Gymnasium und das Steenbeck-Gymnasium. Sein Haus sei bereit, sich für Schüler ab Klasse 4 ebenso zu öffnen wie den Einzugsbereich über die Landesgrenzen hinaus zu erweitern. Doch auch ohne diese Erweiterung gebe es ausreichend begabte Schüler in Cottbus und Umgebung, die die Zahl der Steenbeck-Schüler in den kommenden Jahren stabil halten können, so Rösiger. Ein Elternvertreter formuliert drastisch: „Mir scheint, der Schülerschwund, den die Stadt errechnet hat, ist gewürfelt worden.“ Gefragt sei, so der Schulleiter, eine sichere Finanzierung für die Elite-Bildung: „Die Begabten-Förderung ist kein Hobby der Schule, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Sprich: Auch das Land sei gefordert, der übers Land hinaus wirkenden, mit Preisen und guten Abi-Noten überhäuften Schule finanziell unter die Arme zu greifen - um exklusives Kurssystem, kleine Klassen und die Eigenständigkeit erhalten zu können. Eine Fusion gefährde den Ruf der Schule, um dessen Absolventen sich Institute und Unternehmen rissen. Ein Vater sagt: „Steenbeck ist ein ICE, der nur auf eigener Strecke Höchstleistungen bringt. Auf anderen Gleisen fährt er ins Mittelmaß.“