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Stechuhr für Rathaus-Mitarbeiter

Auch bei der Stadtverwaltung soll die Arbeitszeit nicht mehr auf Papier sondern elektronisch erfasst werden.
Auch bei der Stadtverwaltung soll die Arbeitszeit nicht mehr auf Papier sondern elektronisch erfasst werden. FOTO: rdnzi/Fotolia
Cottbus. Die Stadtverwaltung in Cottbus denkt über Einführung einer elektronischen Zeiterfassung für die Mitarbeiter im Rathaus nach. Aber die könnte teuer werden. Sven Hering

Die Zeiten von Papierformularen mit langen Stundentabellen könnten auch im Cottbuser Rathaus schon bald der Vergangenheit angehören. Während in großen Unternehmen in der Stadt wie bei der Leag oder im Carl-Thiem-Klinikum (CTK) schon längst die Arbeitszeiten der Mitarbeiter elektronisch erfasst werden, setzt die Cottbuser Stadtverwaltung noch immer auf das gute alte Papier.

Doch jetzt stehen die Zeichen auf Veränderung. So hat der Finanzbeigeordnete Markus Niggemann (CDU) im jüngsten Finanzausschuss die Vorzüge einer elektronischen Datenerfassung herausgestellt. Die Fehleranfälligkeit sei geringer, die Transparenz größer. Allerdings erklärte Niggemann auch: "Beide Systeme können grundsätzlich manipuliert werden."

Nachteile eines elektronischen Systems gibt es laut Niggemann aber auch. So würden derzeit die Mitarbeiter ihre Überstunden abrunden, falls keine vollen Stunden zusammenkommen. Elektronische Erfassungen runden hingegen immer auf. Die Verwaltung müsste ihren Angestellten also mehr Geld bezahlen, als es derzeit der Fall ist.

Außerdem müsste das Rathaus erst einmal ordentlich in neue Technik investieren. Rund 141 000 Euro wären für Hard- und Software fällig. Hinzu kämen jährliche Wartungskosten von gut 8000 Euro.

Trotzdem gab es von den Ausschussmitgliedern ein klares Votum für die Einführung der neuen Technik. So sagte der CDU-Stadtverordnete Wolfgang Bialas: "Im Zeitalter der Digitalisierung kommen wir um diesen Schritt nicht herum." Hans-Joachim Weißflog (Bündnis 90/die Grünen) betonte: "Solch ein System ist sehr transparent, es hat keine Emotionen, entweder wird die Zeit erfasst oder nicht, ich kann es nur empfehlen."

Im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK) ist die elektronische Zeiterfassung längst Standard. CTK-Sprecherin Susann Winter erklärt: "Der Vorteil liegt eindeutig im Arbeitsaufwand." Im Haus fielen sehr viele so genannte variable Vergütungsbestandteile an, also Feiertagszuschläge, Bereitschaftsdienstvergütung und ähnliches. Früher hätten die Mitarbeiter der Personalverwaltung die manuellen Arbeitszeitnachweise (also die handschriftlich geführten Stundenzettel) für jeden einzelnen Mitarbeiter durchgehen und die Zuschläge ausrechnen müssen. "Das macht das System jetzt alles allein." Die Mitarbeiter hätten den Vorteil, dass sie keine Stundenzettel mehr führen müssten.

Auch Leag-Sprecher Thoralf Schirmer beschreibt die Vorzüge der "Stechuhr": "Es gibt eine genaue Abrechnung, die Daten sind transparent." So sei in den Eingangsbereichen des Unternehmens jeweils ein Erfassungsgerät installiert.

Für die Mitglieder des Finanzausschusses stand jedenfalls nach der Diskussion fest: Die Stadt soll die Papierformulare so bald wie möglich abschaffen.

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