Der Kinderschutz stellt in der Coronakrise eine große Herausforderung dar. Das räumt auch André Schneider, Fachbereichsleiter des Jugendamtes in Cottbus, ein. Allerdings gibt es aktuell „keinen Anlass, Alarm zu schlagen“, wie er betont. Die statistische Quote von aktuell 1,6 Kindeswohlgefährdungen pro Tag in Cottbus sei unterdurchschnittlich. Dennoch wolle man die Entwicklung weiter genau beobachten, um bei Bedarf schnell reagieren zu können.

„Eine rückläufige Zahl von Meldungen bedeutet nicht, dass es auch ein rückläufiges Thema ist“, betont Gunnar Kurth (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Auch viele deutsche Verbände und Sozialarbeiter schlagen bereits Alarm, dass durch die Ausgangsbeschränkungen auch die häusliche Gewalt vor allem in Problemfamilien zunehmen könnte.

Hinweise kommen aus Umfeld und von Polizei

Die Angst, dass mit den Schulen und Kitas wichtige Informationsquellen wegfallen, die Auskunft zur Situation in den Familien geben können, bezeichnet André Schneider als unbegründet. Meldungen zu Kindeswohlgefährdungen kommen seinen Angaben zufolge in der Mehrzahl aus dem Umfeld der Familien, von Polizei, Behörden, Fachkräften und aus den Familien selbst. Hinweise aus den pädagogischen Einrichtungen seien zumindest in der Statistik „fast zu vernachlässigen“.

Träger halten Kontakt zu Problemfamilien

Viele Träger, die Familien in Problemlagen in Cottbus betreuen, versuchen, den Kontakt jetzt übers Telefon zu halten. Das funktioniere mal gut und mal weniger gut, wie Annett Bauer von der Fröbel gGmbH berichtet. Mitunter scheitere es schon daran, dass die betroffenen Familien gar keinen Telefonanschluss besitzen.

In die Notbetreuung sollen nun 25 Kinder aufgenommen werden, die in Familien mit einem erhöhten Risiko leben – auch wenn ihre Eltern nicht in systemrelevanten Bereichen tätig sind. Das betrifft aktuell Kinder, für die es bereits Schutzpläne gibt, mit denen die Behörden dem Risiko der Kindeswohlgefährdung entgegenwirken wollen.