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"Stary lud" mit fast 8000 Besuchern

Tausende Besucher zog es in diesem Jahr nach Dissen, um zu erfahren wie einst die Wenden gelebt haben.
Tausende Besucher zog es in diesem Jahr nach Dissen, um zu erfahren wie einst die Wenden gelebt haben. FOTO: Hirche/jul1
Dissen. Seit 2013 hat Dissen hinter dem Heimatmuseum eine weitere Attraktion: die Freilichtanlage "Stary lud". Dort können Besucher sehen und erleben, wie die Wenden vor 1000 Jahren gelebt haben. Marion Hirche / jul1

Die Mitglieder der Interessensgemeinschaft "Stary lud" haben die fünf vorhandenen Erdgrubenhäuser und das Areal ringsherum mit Leben erfüllt. Jetzt ist die Saison zu Ende gegangen. Es war die erfolgreichste bisher.

"Wir konnten knapp 8000 Besucher begrüßen. Außer montags hatten wir täglich geöffnet. Das ist nur möglich geworden durch die vielen freiwilligen Helfer, die wir hatten", erklärt Kornelius Kusch, der für dieses Projekt verantwortlich zeichnet.

Jeden Mittwoch gab es zwei Führungen, zahlreiche Kinder- und Jugendgruppen konnten zu Projekttagen willkommen geheißen werden. "In diesem Jahr waren es nicht nur Gruppen aus Cottbus und der Region, es kamen sogar Klassen aus Berlin. Wir haben Kindergeburtstage hier gefeiert, konnten auch Flüchtlingsgruppen begrüßen", ist vom Projektleiter zu erfahren. Um das Leben vor 1000 Jahren noch authentischer zeigen zu können, haben die 15 Mitglieder der Interessengruppe "Altes Volk", wie es übersetzt heißt, viele Tage oder Wochen selbst in den Erdgrubenhäusern gelebt. Der Glasperlenofen wurde technisch verbessert, sodass er jetzt besser denn je funktioniert. Es wurden neue Blasebalge hergestellt

Besondere Höhepunkte waren auch in diesem Jahr die zwei Großveranstaltungen. Ende Mai fand nun schon zum 11. Mal mit dem Dissener Heimatmuseum zusammen das Fest des slawischen Mittelalters statt. 140 Aktive gestalteten dabei die Zeitreise 1000 Jahre zurück. Die Gestalter dieses Festes kamen aus elf Nationen, darunter aus Weißrussland und der Ukraine, aus Dänemark und Holland. Vorgestellt wurde vor allem das damalige Handwerk: Steine bearbeiten, Weben, Holzlöffel herstellen und vieles mehr. Das eher nicht so friedliche Zusammenleben stand im Mittelpunkt des zweiten Festes, das Anfang Oktober unter dem Thema stand: "Es riecht nach Streit". Hier bewiesen Gäste aus Polen und Tschechien, dass sie sich auf die Kampfkunst der damaligen Zeit verstehen. Es wurden Kämpfe vorgeführt und den Gästen gezeigt, wie Waffen hergestellt wurden. Auch französische Akteure waren mit dabei.

"Die Gäste mit dem weitesten Weg zu uns kamen dieses Jahr aus Texas. Sie wandelten auf den Spuren ihrer Vorfahren, die einst von hier ausgewandert sind und die sich freuten, dass sie hier noch etwas über die Vergangenheit ihrer Vorfahrer erfahren haben", erklärt Kornelius Kusch. Er hatte die Texaner englischsprachig begleitet.

Neu war in diesem Jahr, dass das "Alte Volk" auch Auftritte außerhalb der Freilichtanlage hatte. So waren die Dissener beim Festival der sorbisch/wendischen Kultur in Jänschwalde ebenso dabei, wie beim Stadtteilfest in Cottbus-Schmellwitz.

Jetzt, nachdem sich die Holztore von "Stary lud" für 2016 geschlossen haben, laufen schon die Vorbereitungen für die nächste Saison. Die Einladungen für das slawische Mittelalterfest am 28. und 29. Mai sind schon in Bearbeitung. Gerätschaften aus den Erdgrubenhäusern werden geborgen und eingelagert, um sie vor dem Frost zu schützen. Für 2017 sind bauliche Veränderungen an der Schmiede geplant und es sollen zwei Lehmkuppelöfen errichtet werden, damit dann auch mal Brot gebacken werden kann. Außerdem soll ein Konzept für ein Projekt mit Witaj-Vorschulkindern erarbeitet werden.

Natürlich wird Kornelius Kusch zusammen mit seinen Mitgliedern aus der Interessensgruppe in den Wintermonaten auch das Heimatmuseum unterstützen. Bis heute wurden dort mehr als 11 000 Besucher gezählt. Im November werden wieder jeden Mittwoch Adventsbastelveranstaltungen angeboten. Dabei können Anhänger für Gestecke aus Ton angefertigt werden. Und am letzten Novembersonntag wird die Weihnachtsausstellung unter dem Thema "Engel-janzel-angel-Angelus" eröffnet.

Noch mehr Ausflugstipps, auch für die kalte Jahreszeit, finden Sie übrigens auf
Urlaubsreich-aktiv.de .