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Startschuss für die Mission Gold

Martina Willing (l.) und ihre Trainerin Petra Ritter haben am Dienstag die neuen Geräte im Paralympischen Zentrum getestet.
Martina Willing (l.) und ihre Trainerin Petra Ritter haben am Dienstag die neuen Geräte im Paralympischen Zentrum getestet. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. 1,8 Millionen Euro hat das neue Paralympische Trainingszentrum gekostet. Am Dienstag ist es in Cottbus eröffnet worden. Ein ehemaliges Sportstudio wurde umgebaut. Neue Trainingsräume und eine moderne Physiotherapie haben darin Platz gefunden. Sven Hering

Das wichtigste Mitbringsel aus Rio hatte Frances Herrmann am Dienstag dabei. In einer kleinen Holzkiste, gut geschützt, lag sie. Die Bronzemedaille. Diese hatte die Cottbuserin bei den Paralympics vor gut drei Wochen in Rio de Janeiro im Speerwerfen gewonnen. Der Lohn für jahrelange Schinderei im Sportzentrum. Eine Menge Zeit investierte die 27-Jährige dort für ihren Traum. Und nach dem Training folgten meist noch Überstunden. "Eine halbe Stunde brauchte ich bis zur Physiotherapie, dieselbe Zeit dann nochmal zurück", erzählt die Sozialarbeiterin, die in der Cottbuser Stadtverwaltung angestellt ist.

In ein paar Wochen, wenn die Physiotherapie im neuen Trainingszentrum in Betrieb geht, reichen Frances Herrmann für den Weg dorthin vielleicht fünf Minuten. Ihr Trainer Ralf Paulo hat sein Büro dann ebenfalls in dem ehemaligen Sportstudio. Auch das spart Zeit. "Eine Stunde am Tag", sagt die Leichtathletin. "Ich freue mich über das neue Trainingszentrum, weil dadurch die Wege deutlich kürzer werden."

Doch Frances Herrmann weiß, dass mit der Investition auch die Erwartungen steigen. Wilfried Lausch, Chef des Olympiastützpunktes Brandenburg, formuliert es in einem Satz: "Wir haben Tokio fest im Blick."

Für die Cottbuserin ist das keine Belastung. Sondern Ansporn. Denn Frances Herrmann hat noch ein Ziel: Gold. "Ich habe bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, paralympischen Spielen überall Medaillen geholt - Silber und Bronze. Aber eine goldene fehlt mir noch." Also macht sie bis Tokio weiter? "Wenn mich mein Trainer Ralf Paulo weiter so gut unterstützt, dann sehr gerne."

Und Ralf Paulo? Der hat seinen Schützlingen erst einmal eine Zwangspause verordnet. "Ich will euch bis November nicht mehr sehen." Mit dieser Ansage habe er seine erfolgreichen Rio-Starter in die Trainingspause geschickt, verrät er. Danach geht es dann wieder los. Mit Frances Herrmann und Martina Willing. Aber auch mit hoffnungsvollen Nachwuchskadern. Bei deutlich besseren Bedingungen.

Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, fasst das Erfolgsmodell in einem Satz zusammen. "In Cottbus läuft richtig was: Hier gibt es Herzblut, Engagement, Fachwissen und Geld." Das alles sind gute Voraussetzungen, aber noch keine Garantie für Edelmetall. Dafür muss Ralf Paulo mit seinen Sportlern sorgen. Läuft alles optimal, bringt Frances Herrmann in vier Jahren die noch fehlende Medaille aus Tokio mit nach Cottbus. Die aus Gold.

Zum Thema:
Rund 20 regionale Unternehmen haben sich an dem Umbau des ehemaligen Sportstudios beteiligt. Der Bund steuerte 844 200 Euro bei. Land und Stadt übernahmen jeweils 502 314 Euro. Am Dienstag wurde zudem eine Kooperationsvereinbarung zwischen Olympiastützpunkt, Behindertensportverband und dem Berufsbildungswerk Sachsen unterzeichnet. Neben dem Training können die Sportler damit einen Ausbildungsberuf erlernen.