31 Jahre alt, Papa von zwei kleinen Kindern – und zum zweiten Mal an Leukämie erkrankt. Christopher Wiedemann aus Kolkwitz kann jetzt nur noch eine Stammzellentransplantation von einem Spender helfen. Sein Vater Dirk Wiedemann organisiert deshalb am Wochenende eine private Typisierungsaktion in seiner Sportgaststätte in Döbbrick.
Aber von vorne: Christopher Wiedemann, ehemaliger Stabsunteroffizier bei der Bundeswehr und bis kurz vor seiner Diagnose in der Kreisverwaltung Forst tätig, ist 2018 schon einmal an Blutkrebs erkrankt. Damals hat sein jüngerer Bruder Jonathan ihm Stammzellen gespendet. Bei der letzten Kontrolle im Dezember 2020 dann der Schock: Der Blutkrebs ist zurück.
Für Februar 2021 war schon eine Stammzellentransplantation angesetzt – dieses Mal nicht von seinem Bruder, sondern von einem fremden Spender. Der allerdings wurde selbst krank und fiel weg. „Es gibt zwar noch ein paar potenzielle Spender, die sind aber auf der ganzen Welt verteilt“, sagt Vater Dirk Wiedemann.

Wirt der Döbbricker Sportgaststätte organisiert zweite Typisierungsaktion

Deshalb organisiert der Wirt der Sportgaststätte in Döbbrick selbst eine Typisierungsaktion. Schon am vergangenen Wochenende konnte man sich erstmals registrieren lassen, ungefähr 150 Menschen sind gekommen. „Da war Döbbrick auf den Füßen“, sagt der Wirt. Am kommenden Wochenende soll es eine zweite Aktion geben: am Samstag und am Sonntag, jeweils von 15 bis 17 Uhr.
Normalerweise, sagt Grit Schulz von der Deutschen Stammzellspenderdatei, würde unter 1000 Menschen ein potenzieller Spender stecken. „Im nahen Umfeld einen zu finden, ist aber etwas wahrscheinlicher“, sagt sie. Da würden einige Merkmale eher übereinstimmen.

Lübben

Freilich ist so eine Registrierungsaktion in Corona-Zeiten nicht üblich. Von der Deutschen Stammzellspenderdatei Nord-Ost, die die Utensilien stellt, wird niemand anwesend sein. Dirk Wiedemann, seine Frau und seine Schwiegertochter helfen. „Es werden immer nur zwei Personen im Raum sein“, sagt er. Für ausreichend Abstand und einen separaten Ein- und Ausgang habe der Wirt gesorgt.
Die Betreiberfamilie nimmt an den beiden Tagen die Daten auf, betreut die Menschen und gibt Tipps: „Zum Beispiel, dass man mit dem Wattestäbchen mindestens 40 Sekunden lang einen Abstrich im Mund machen muss.“ Das machen die Besucher selbst. Wer will, kann auch nur vorbeikommen und sich ein Set abholen. Voraussetzungen für die Registrierung sind:
  • Zwischen 15 und 55 Jahre alt und gesund.
  • Bisher in keiner anderen Datei registriert.
  • Man muss in Deutschland wohnen.

Krebskranker Lausitzer ist auch noch an Corona erkrankt

Besonders gut geht es Dirk Wiedemann momentan nicht. Auch der kranke Christopher sei schwach. Erst gerade hat er die zweite Chemotherapie seit Dezember 2020 hinter sich – seit 2018 waren es insgesamt 15 bis 20, schätzt sein Vater.
Besonders heftig: Der 31-Jährige hatte sich bei einem Krankenhausaufenthalt im vergangenen Jahr mit Corona infiziert und musste neun Wochen isoliert werden. „Zum Glück hatte er ein Zimmer im Erdgeschoss. Wir durften dann um das Gebäude laufen und am Fenster winken und mit ihm telefonieren“, erzählt Dirk Wiedemann. Nach außen hin wirke sein Sohn stark, „aber wie es innen aussieht, das sieht halt keiner“.
Wenn Wiedemanns Sohn wieder gesund ist, will der Wirt nicht mit dem Thema Blutkrebs abschließen, sondern sich noch mehr dafür einsetzen.

Wirt aus Döbbrick will fortan jedes Jahr Typisierungsaktion machen

„Wenn es geht, mache ich jedes Jahr so eine Typisierungsaktion“, sagt er. Denn das Thema sei nicht präsent genug. Außerdem hätten viele Angst vor der Spende, weil sie nicht genau wissen, wie das abläuft. „Das ist ja gar kein großer Eingriff mehr. Die Stammzellen werden aus dem Blut rausgewaschen. Man muss da keine Angst haben.“ Und immerhin könne man mit der Spende ein Leben retten.
Sollte bei der Aktion für Christopher Wiedemann kein passender Spender gefunden werden, so muss die Aktion seines Vaters trotzdem nicht unnütz sein. Denn je mehr Registrierte, desto besser. „So erhöhen sich die Chancen für alle Patienten weltweit“, sagt Grit Schulz. Und somit kann Dirk Wiedemann indirekt auch vielen anderen Lausitzer Familien helfen, die gerade nach Spendern suchen.

Muss man sich bei verschiedenen Datenbanken als Spender registrieren?


In ganz Deutschland gibt es laut dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland 26 Spenderdateien, bei denen man sich als potenzieller Stammzellenspender registrieren lassen kann. Etwa die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die Deutsche Stammzellspenderdatei oder die Deutsche Stiftung gegen Leukämie. Allerdings ist egal, wo man sich letztendlich typisieren lässt. Einmal gemacht, ist man in einer weltweit vernetzten Datenbank registriert.