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| 13:36 Uhr

Cottbus
Städter lassen das Dorfleben in Ströbitz hochleben

Der Hahn wird in der Eichenlaubpforte zurechtgehängt. Natürlich lief das stilecht. Andreas Raunick und sein Team waren am Samstag mehrfach gefragt, damit die Burschen den Wettkampf fortsetzen konnten.
Der Hahn wird in der Eichenlaubpforte zurechtgehängt. Natürlich lief das stilecht. Andreas Raunick und sein Team waren am Samstag mehrfach gefragt, damit die Burschen den Wettkampf fortsetzen konnten. FOTO: Marion Hirche
Ströbitz. Tommy Starick wird zum ersten Mal Erntekönig auf dem Pferd Lucky. Von Marion Hirche

Im Cottbuser Ortsteil Ströbitz ist am Wochenende das Erntefest gefeiert worden. Die Traditionsveranstaltung fand im Festzelt auf dem Nevoigtplatz und auf Schultkas Acker in der Blumenstraße statt. Nach dem Tanzabend zum Auftakt am Freitag wurden die Erntekönige am Samstag beim Hahnrupfen ermittelt. Der Zug der sechs Reiter und der 13 Mädchen sowie Kinder in sorbisch/wendischen Festtagstrachten bewegte sich Mittag zu dem Feld, wo bereits die geschmückte Pforte bereitstand. Am Ritt um den Erntekönigstitel beteiligten sechs junge Männer. Die Pferde stammten vom Reiterhof Jerol Byhleguhre und Pintos Point in Hänchen.

Mario Kaiser erzählte mit einem Lachen: „Ich bin zwar schon 35. Aber die jungen Leute haben mich gefragt, ob ich zu ihrer Unterstützung mitmachen würde.“ Der Ströbitzer ließ sich nicht lange bitten und verkündete: „Ich bin vor zwei Monaten Papa geworden. Heute guckt meine kleine Leonie zu und das macht mich stolz.“ Mit dem Ausgang beim Wettkampf um Kopf und Flügel des Hahns hatte er dann aber letztlich nichts zu tun.

Die ersten Plätze machten die erfahrenen Sieger und Platzierten der Vorjahre erneut unter sich aus. Tommy Starick gelang in diesem Jahr der Siegergriff nach dem Kopf des Federviehs, nachdem er zuvor oft genug auf den Rängen Zwei und Drei gelandet war. Pferd Lucky brachte dem 28-Jährigen wirklich Glück und er wurde erstmals erster Erntekönig. Darüber freute sich nicht nur der junge Mann, der Flugzeugtriebwerke baut, riesig. Er hatte auch einen begeisterten Vater an seiner Seite. „Jetzt kommt noch ein Kranz auf unserem Hof dazu und diesmal ist es ein goldener, zumindest gedacht“, jubelte Matthias Starick.

Die Siegerkränze für die Erntekönige waren natürlich entsprechend der Tradition grün, aus Eichenlaub von den Mädchen gewunden worden. Zweiter Erntekönig wurde am Samstag Martin Zimmermann, der schon viele Male gewonnen hat. Seine Bilanz lässt sich sehen: Er war schon zum 14. Mal beim Hahnrupfen dabei. Jugendchef Max Behla komplettierte das Siegertrio. Bevor ihm der Griff nach dem zweiten Flügel gelang, hatte er für mehrere Rundumschläge des Hahns gesorgt, so dass die  Aufhänger um Andreas Raunick mehrfach mit ihrem Traktor samt Leiter vorfahren mussten, um den Kammträger wieder richtig zu platzieren.

Das gesamte Geschehen bis hin zur Erläuterung der Trachten wurde sachkundig von Sylke Schötz aus Ströbitz übernommen und von der seit drei Jahren bestehenden Ströbitzer Blasmusikgruppe musikalisch untermalt. Die Truppe um Martin Klausch spielte natürlich auch zu den Tanzrunden auf, bei denen die Ernteköniginnen gefunden wurden. Aus dem Kreisrund der 13 Mädchen wählten sich die Kranzträger Linda Gaida, Diana Gebhardt und Stephanie Meyer aus. Da in allen drei Fällen die Freundinnen in den Armen der Sieger landeten, steht zu vermuten, dass der Schal, mit dem die Augen verbunden wurden, eine undichte Stelle hatte. Das störte die Zuschauer wenig. Sie waren voll des Lobes, so wie Benjamin Gerwinat. „Ich wohne in Ströbitz und finde es toll, dass hier die Traditionen bewahrt werden. Natürlich interessiere ich mich auch dafür.“

Für Anna-Franziska Freitag war der Wettkampf mit wenig ein Wehmut verbunden. „Ich werde in wenigen Tagen heiraten, deshalb wollte ich unbedingt noch einmal dabei sein. Mein zukünftiger Mann kommt von der Ostsee. Die Fastnacht haben wir schon zusammen mitgemacht. Ich nehme heute sozusagen Abschied vom Hahnrupfen.“

Erntefestpremiere hatten bei den Reitern dagegen Falco Hilke und bei den Mädchen Franziska Uhlig. Sie erzählte: „Mein Freund Jonas hat mich eingeführt. Ich finde das ganz toll. Die Tracht habe ich mir in Sielow bei Doris Heinze ausgeliehen und Corinna Raunick hat mich heute Morgen angezogen. So fühle ich mich wie eine Prinzessin.“

Nach dem Siegerfoto ging es zurück zum Festzelt. Dort wurde am Abend gefeiert. Sonntag waren dann alle zum Kinderfest und zum Programm mit Ströbitzer Vereinen eingeladen. Nächsten Sonntag schlüpfen die Ströbitzer wieder in ihre Trachten, um beim großen Festumzug des Heimat- und Trachtenfestes in Burg dabei zu sein. Auch das hat Tradition. Dort werden sie ihre frisch gebackenen Erntekönige unter der Startnummer 40 präsentieren.