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| 19:32 Uhr

Städtebau
Schöner Wohnen der etwas anderen Art

Die raumhohen Fenster vermitteln Weite. die Wände geben Geborgenheit und ausreichend Stellfläche.
Die raumhohen Fenster vermitteln Weite. die Wände geben Geborgenheit und ausreichend Stellfläche. FOTO: Marco Laske, mayerwittig Architekten und Stadtplaner GbR
Cottbus. Zum Tag der Architektur zeigen zwei Architekten, was Wohnkultur mit Qualität zu tun hat und warum Städtebau auch Glücksgefühle wecken kann. Von Andrea Hilscher

Wenn Uwe Wittig und Christoph Schulze gemeinsam am Tisch sitzen, dann gleichen ihre Wortwechsel einem blitzschnellen, präzisen Ping-Pong-Spiel. Sie reden über Wohnkultur und Stadtplanung, über die Bedeutung von Qualität und auch über verpasste Chancen im Cottbuser Städtebau. Wittig und Schulze vom Büro Mayerwittig haben Schulen und Verwaltungsgebäude, Pflegeheime und Rathäuser gestaltet. „Die edelste Aufgabe eines Architekten aber ist der Wohnungsbau“, sagt Uwe Wittig.

Nirgendwo sonst verbringe man so viel Lebenszeit wie in den eigenen vier Wänden. Und diese vier Wände so zu gestalten, dass sich Menschen in ihnen wohlfühlen, das sei eine hohe Kunst. Das Innen und das Außen von Mauern und Räumen verführt die beiden Architekten schnell zum Schwärmen, ebenso rasch aber zum entsetzten Kopfschütteln. „Wenn wir an den Jugendstilhäusern rund um das Theater vorbeischlendern, dann wissen wir, was gute Architektur ist“, sagt Uwe Wittig. Die Menschen schauen sie gerne an, die Häuser prägen das positive Image der Stadt. Ein ebenso gelungenes Werk sei die Uni-Bibliothek, die es innerhalb weniger Jahre geschafft hat, zu einem der Wahrzeichen der Stadt zu werden.

Christoph Schulze: „Momentan wird in der Innenstadt so viel in den Wohnungsbau investiert, aber leider zählt oft weniger die städtebauliche Qualität als mehr die optimale Ausnutzung der Flächen und die möglichst hohe Rendite.“ Uwe Wittig ergänzt: „Wenn man durch Cottbus geht und in jedem Quartier, egal ob am Stadtrand oder in der City, die gleichen Würfelhäuser mit identisch geschnittenen Wohnungen sieht, dann kann da irgendetwas nicht stimmen.“

Dass es auch anders geht, zeigt ein Projekt, dass die eg Wohnen in der Bautzener Straße realisiert hat. Die Genossenschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, den eigenen Wohnungsbestand vielfältiger als bisher aufzufächern. Für das Areal in der Nähe des Menschenrechtszentrums wünschte sich die eg Wohnen Mietwohnungen, die sich in den Standort einfügen und auch die in Cottbus dringend benötigten 4-Raum-Wohnungen einbeziehen. Sie luden mehrere Architekten zu einem kleinen Wettbewerb, den Mayerwittig für sich entscheiden konnte.

Wittigs Ziel, „mehr zu schaffen als Durchschnitt“ ist offenbar geglückt: Lange vor der Fertigstellung waren die ersten Wohnungen vermietet, bis heute ist die Zufriedenheit der Bewohner hoch. „Eine solche Arbeit kostet immer Nerven, Mühe und auch etwas mehr Geld. Aber der Mehraufwand lohnt sich immer wieder.“ Mit der eg Wohnen hatten die Architekten offenbar Partner, die einen Sinn für ausgereifte Konzepte haben. Uwe Wittig: „Die Zusammenarbeit war toll, das Klima immer konstruktiv.“

Was letztlich auch dem Entwurf zu Gute kam. Christoph Schulze: „Wir haben bei vielen Arbeiten gelernt, dass gute Architektur nicht zwingend etwas mit super hochwertigen Materialien zu tun hat. Wenn Türen und Fenster an der richtigen Stelle geplant sind, kann auf dem Fußboden auch PVC liegen – die Menschen fühlen sich trotzdem wohl.

Für dieses „Wohlfühlen“ haben die Architekten zwei spiegelgleiche Häuser mit je zehn Wohneinheiten entworfen. Die 2-, 3- und 4-Raumwohnungen haben alle Terrasse, oder Balkon. Die Balkone gehen um die Ecken, die raumhoch verglast sind und so ein Gefühl der Weite vermitteln. Die Treppenhäuser sind durch Oberlichter erhellt und mit Mosaiken gestaltet, die das Fliesenmuster der Außenfassade aufgreifen. Hier wurden dezente Farbspiele genutzt, um einen Hauch Poesie in den Bau zu bringen. Fenster sind so versetzt ausgerichtet, dass keine Monotonie aufkommt.

„Ich selbst bin im Plattenbau aufgewachsen, habe die typische DDR-Durchschnittsarchitektur erlebt und erlitten“, erinnert sich Uwe Wittig. Seine Abschlussarbeit habe sich damit beschäftigt, welche Variationen aus dem Plattenbau herauszuholen seien. Von diesem Wissen profitiert er bis heute. „Wir haben zwar identische Grundrisse in den Häusern, aber durch die versetzten Fenster gleicht keine Wohnung der anderen.“

Die Häuser wurden in elf Monaten errichtet, vor genau einem Jahr wurden sie bezogen.

Am 24. Juni, zum Tag der Architektur der Brandenburgischen Architektenkammer können die Wohnhäuser von 13 bis 18 Uhr besichtigt werden, die Architekten sind vor Ort. Führungen werden um 13, 15 und 17 Uhr angeboten. Bautzener Str. 138/139.

Die Anordnung von Fenstern und Fliegenspiegeln sorgen für eine harmonische Auflockerung der Fassade.
Die Anordnung von Fenstern und Fliegenspiegeln sorgen für eine harmonische Auflockerung der Fassade. FOTO: Marco Laske, mayerwittig Architekten und Stadtplaner GbR
Die Fliesen der Bäder nehmen Motive von Fassade und Treppenhaus auf.
Die Fliesen der Bäder nehmen Motive von Fassade und Treppenhaus auf. FOTO: ???? / Marco Laske, mayerwittig Architekten und Stadtplaner GbR