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| 14:11 Uhr

Vertrag unterzeichnet
Neues Gaskraftwerk: Stadtwerke Cottbus investieren 75 Millionen

 Die Stadtwerke unterzeichnen mit den Geschäftspartnern aus Italien und Österreich den Vertrag zum Neubau für das Gasheizkraftwerk. Das Papier umfasst fast 100 Seiten und 50 Anhänge. Von vorn: Stadtwerke-Geschäftsführer Vlatko Knezevic, Vize-Präsident Claudio Fedrigo von Cefla, Geschäftsführer Christoph Atzwanger von der Atzwanger AG und Jörg Platzer von der Innio Jenbacher GmbH.
Die Stadtwerke unterzeichnen mit den Geschäftspartnern aus Italien und Österreich den Vertrag zum Neubau für das Gasheizkraftwerk. Das Papier umfasst fast 100 Seiten und 50 Anhänge. Von vorn: Stadtwerke-Geschäftsführer Vlatko Knezevic, Vize-Präsident Claudio Fedrigo von Cefla, Geschäftsführer Christoph Atzwanger von der Atzwanger AG und Jörg Platzer von der Innio Jenbacher GmbH. FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Die Stadtwerke Cottbus haben den Vertrag für einen Kraftwerksneubau mit zwei italienischen Unternehmen unterzeichnet. Aber auch regionale Betriebe werden in das Projekt einbezogen. Von Peggy Kompalla

Nun ist es offiziell: Cottbus steigt endgültig aus der Braunkohle aus. Die Stadtwerke haben am Dienstag die Unterschrift unter den Großauftrag für die Erneuerung des Heizkraftwerkes gesetzt. Der Energieversorger setzt damit auf Gas. Der Auftrag für den Neubau geht an eine Bietergemeinschaft der zwei italienischen Maschinen- und Anlagenbauer Cefla s.c. und Atzwanger AG. Die Stadtwerke investieren nach eigenen Angaben 75 Millionen Euro in die Modernisierung der Energieversorgung und -verteilung.

Die Cottbuser Stadtwerke haben einen harten Sanierungskurs hinter sich gebracht und Vertrauen zurückgewonnen. Nicht nur bei den Kunden, wie Geschäftsführer Vlatko Knezevic betont, sondern vor allem bei der Finanzwirtschaft. Das kommunale Unternehmen war nach den fetten 1990er-Jahren zunächst in die Schieflage geraten und schließlich in die Pleite geschlittert.

Die war teils hausgemacht, teils von der Stadtpolitik aufgezwungen. 2006 verkaufte die Stadt schließlich ihre Mehrheitsanteile, um sie im Jahr 2014 wieder zurückzuholen. Seither tragen die Stadtwerke ihren Namen wieder zu Recht. Fünf Jahre später nun die Großinvestition und die Abkehr vom Energieträger des Lausitzer Reviers.

Regionale Betriebe profitieren ebenfalls

Knezevic weiß in dieser Entscheidung nicht nur den Aufsichtsrat mit  Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) an der Spitze, sondern auch das Stadtparlament. „Das waren keine leichten Entscheidungen. Wir haben immer Rückendeckung bekommen“, sagt der Stadtwerkechef mit Anerkennung. Die Fraktionschefs wohnen denn auch am Dienstag dem Unterzeichnungs-Zeremoniell im Dieselkraftwerk bei. Sie applaudieren.

Denn die internationalen Geschäftspartner versichern, dass auch regionale Unternehmen bei den Arbeiten zum Zuge kommen. Das ist vertraglich abgesichert. Beim Bau beteiligt sind demnach der Anlagenbauer KSC Kraftwerks-Service Cottbus GmbH, die Sternbau GmbH Cottbus und die Emis Electrics GmbH Lübbenau.

Oberbürgermeister Kelch spricht von einem Meilenstein für die Stadtwerke und für Cottbus. Der Weg zu dieser Entscheidung sei nervenaufreibend gewesen. Die Unsicherheit rührte demnach von der Energiepolitik des Bundes her, der schließlich auch die Regeln für die Förderung festlegt und eben auch ändert. Nun wechselt also Cottbus von einem fossilen Energieträger zum anderen.

Das ist auch aus Sicht von KSC-Chef Michael Stein wenig innovativ. „Ich hänge nicht besonders an der Kohle. Darüber hinaus wird es weitergehen und wir werden Alternativen finden. Da ist mir nicht Bange.“ Jetzt baut die KSC erst einmal am neuen Gas-Heizkraftwerk mit. An die italienischen Partner gerichtet versichert Stein: „Wir arbeiten seit mehr als 20 Jahren mit den Stadtwerken Cottbus zusammen und wir haben immer pünktlich unser Geld bekommen.“ Diese Auskunft sorgt für Freude unter den zahlreichen Gästen. Es gibt Applaus.

Arbeiten beginnen noch dieses Jahr

Noch in diesem Jahr beginnen die Tief- und Hochbauarbeiten für das Kraftwerksgebäude, damit es Anfang 2020 mit dem Anlagenbau weitergehen kann. Fünf Gasmotoren mit einer Leistung von jeweils zehn Megawatt werden von der Innio Jenbacher GmbH aus Österreich geliefert. Jeder Motor für sich sei so groß wie eine Lokomotive. Parallel dazu werde die neue Druckwärmespeicheranlage installiert. Künftig werden 16 rund 30 Meter hohe Speicherbehälter werden nach Angaben der Stadtwerke eine sehr flexible Fahrweise des Kraftwerks ermöglichen. Nach derzeitigem Plan soll die neue Anlage bereits im Frühjahr 2021 in Betrieb gehen.

Mit den neuen Gasmotoren können die Stadtwerke nach eigener Auskunft Strom genau zu der Zeit erzeugen, wenn er für den Ausgleich erneuerbarer Energie gebraucht wird. Im Energiemarkt sei diese Flexibilität ausschlaggebend. Die Druckspeicheranlage nimmt die anfallende Wärme auch dann auf, wenn der Bedarf in der Stadt gerade niedrig ist.

Mit Inbetriebnahme der neuen Anlage endet für die Stadtwerke die Verwendung der Wirbelschichtkohle. Auf diese Weise spart der Energieversorger nach eigenen Angaben jährlich 100 000 Tonnen Kohlendioxid. Damit steige der Wirkungsgrad von derzeit rund 70 auf 90 Prozent.

Oberbürgermeister Holger Kelch betont, dass darunter nicht die Partnerschaft mit dem Energieunternehmen Leag leiden werde. So hätten Stadt und Leag eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, womit die Fernwärme weiterhin aus dem Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde geliefert wird.