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Stadtumbau: Halbzeit, aber keine Pause

Halbzeit für den Stadtumbau in Sachsendorf: Die Wohnungsunternehmen modernisieren allein im Quartier der Turower Straße 650 Wohnungen. 160 Wohnungen werden abgerissen. Der Spatenstich für den Umbau der Gelsenkirchener Allee folgt nach Auskunft der Stadtverwaltung am 29. Juli: Auch der Boulevard erhält ein neues Gesicht. „Wie eine Operation am offenen Herzen“ , so beschreibt Baudezernentin Mariette Tzschoppe den aufwändigen und riskanten Prozess. Von René Wappler

Ein großes Arbeitsseminar befasste sich vor wenigen Tagen mit dem bisherigen Schwerpunkt des Stadtumbaus - der Turower Straße, dem ältesten Wohnquartier in Sachsendorf. 871 Wohnungen, von denen zum 30. März 2001 beträchtliche 237 leer standen. Gegen diesen Leerstand kämpfen die Vermieter mit ihrem Modernisierungspaket an. „Es wird daher in der nächsten Zeit eine Reihe von sichtbaren Veränderungen geben, die dem Quartier und seinen Bewohnern neue Perspektiven eröffnen sollen“ , versichert Oberbürgermeisterin Karin Rätzel. Zu den Vorhaben im Bereich der Hegelstraße soll Ende September eine öffentliche Informationsveranstaltung stattfinden. Eine umfangreiche Broschüre zur Entwicklung des Viertels, herausgegeben von der Stadtverwaltung, gibt unterdessen Einblick in die massiven Umbrüche seit den Sachsendorfer Anfängen. Die wichtigsten Stichworte:
Einwohnerschwund. Seit 1993 verließen 45 Prozent der Einwohner den Stadtteil. Mit verheerenden Folgen: Standen 1996 noch sechs Prozent der 12 000 Wohnungen leer, waren es Ende 2000 bereits 26 Prozent. Fast jeder zweite Wegzügler aus Sachsendorf kehrt Cottbus grundsätzlich den Rücken - somit wirkt sich die Flucht aus dem Wohngebiet direkt und negativ auf die gesamte Stadt aus. Allein das Quartier der Turower Straße schrumpfte von Ende 1993 bis 2001 um 1040 Einwohner - auf 1098. In der Broschüre heißt es: „65 Prozent der Mieter der Gebäudewirtschaft Cottbus äußerten sich 1998 unzufrieden mit der Wohnung. Die Verbundenheit mit dem Quartier der Turower Straße war dagegen sehr hoch.“
Umbau-Kosten. Allein der Umbau in der Turower Straße kostet 30 Millionen Euro. 82 Prozent davon entfallen auf Modernisierungen von Gebäuden. Der Abriss nimmt vier Prozent des Geldes in Anspruch. Drei Säulen stützen die Finanzierung. Erstens: die Bund-Länder-Programme der Städtebauförderung. Zweitens: die Wohnungsbauförderung. Drittens: ein Wohnraum-Modernisierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau.
Was wollen Stadt und Vermieter erreichen? Weniger erdrückende Wohndichte - dazu soll der durchschnittliche Abriss jeder fünften Wohnung im Gebiet der Turower Straße beitragen. Vor allem die 2-1/2-Raum-Wohnungen vom Typ P 2, in der Broschüre als „überzählig“ beschrieben, verschwinden allmählich aus dem Stadtbild. Künftig soll jedem Einwohner von Sachsendorf eine durchschnittliche Wohnfläche von 36 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Für den Standort der Lagerhalle - Ecke Lipezker Straße/Schwarzheider Straße - sieht die Wunschliste neue Dienstleistungsangebote auf einer Gesamtfläche von bis zu 4200 Quadratmetern vor.

Auswirkungen für Cottbus
Vermieter und Kommune hoffen nun, dass der enorme Kraftakt, mit dem Sachsendorf zu neuem Leben erwachen soll, auch auf die anderen Stadtteile abfärbt. Schließlich verlor Cottbus allein von 1993 bis 2001 knapp 20 000 Einwohner - und für das Jahr 2015 sagen aktuelle Prognosen einen weiteren Schwund auf 86 000 Einwohner voraus. In Sachsendorf/Madlow würden nach Meinung von Fachleuten dann nur noch 8500 Menschen leben. Wenn die Sanierung nicht für einen Stimmungsumschwung sorgt.

Service Stadtumbau-Broschüre
 Die Broschüre zum Stadtumbau mit dem Titel „Quartierentwicklung Turower Straße“ kann man gegen eine Gebühr von drei Euro bei der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) in der Ostrower Straße 15 erwerben. Die DSK ist unter Telefon 0355 78 00 20 zu erreichen.