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| 01:05 Uhr

Stadtumbau: Erstmals wird Cottbuser Schule abgerissen

Nomen est omen, der Name als Zeichen: Die 1. Grundschule am Stadtrand in Sachsendorf wird derzeit abgerissen – es ist der erste Abbruch eines leeren Schulgebäudes im Rahmen des Stadtumbaus. Weitere könnten folgen, wenn die Finanzierung geklärt wird. Von Jan Gloßmann

Das Baustellenschild ist noch im Stile der „guten Nachrichten“ gehalten: „Hier baut für Sie die Stadt Cottbus“ . Dahinter wühlt sich ein Bagger in den Beton der 1. Grundschule und den der Turnhalle. Abriss als frohe Botschaft. „Ja, ich bin froh, dass das Haus wegkommt“ , sagt der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Berndt Weiße.
Die Schule am äußersten Stadtrand in Sachsendorf war die erste, die in Cottbus leer gezogen werden musste. Entsprechende Beschlüsse wurden 1997 gefasst. Im Sommer 2001 zogen die letzten vier Klassen aus. Seitdem stand das Haus leer. Und war, so Weiße, „auch das erste Schulgebäude, für das es keine Verwendung gab“ . Der Flächenabriss der Wohnblöcke zwischen Hegelstraße und Stadtrand hat das in den vergangenen Monaten deutlich gemacht - die alte Schule stand im Niemandsland zwischen schrumpfendem Stadtteil und Autobahn. Solch ein Standort, wissen Schulverwalter, ist kaum zu sichern. Zerstörungen und Brandstiftung setzten beispielsweise der Turnhalle zusätzlich zu.
Unsanierte Gebäude sind für potenzielle Nutzer wie Vereine, Sportgruppen oder Bürgertreffs - die immer wieder Räume oder ausreichend Fläche suchen - keine Alternative. Denn die meisten setzen dabei auf städtische Zuschüsse für Heizung und Licht, was bei einem brüchigen Haus sehr teuer werden kann. Doch Geld fehlt an allen Stellen, so dass sich die Katze in den Schwanz beißt: kein Geld für die Gebäude-Sanierung, kein Geld für die Nachnutzung, kein Geld für Abriss.
Dieses Schicksal droht mehreren Schulen in Cottbus. Laut städtischem Konzept werden in den nächsten Jahren bis zu 17 Schulen leer stehen. Selbst wenn die Stadtverordneten in der aktuellen Schul-Debatte nicht allen Verwaltungsvorschlägen folgen sollten, werden gut ein Dutzend Schul-Häuser leer und ungenutzt bleiben.
Treffen könnte es beispielsweise die heutige Schmellwitzer Gesamtschule, das Pückler-Gymnasium in der Gartenstraße oder auch die 1. Realschule in der Weinbergstraße. Gerade letzteres Haus steht vor einer ungewissen Zukunft - das unter Denkmalschutz stehende Backstein-Gebäude darf nicht abgerissen werden. Die Sanierungs-Millionen fehlen, und sie stehen auch im Förderprogramm „Zukunft im Stadtteil“ (ZiS) nicht zur Verfügung. Die Sanierung sei städtische Aufgabe, hieß es seitens der Geldgeber bei Bund und Land. Ohne Sanierung aber keine Nachnutzung. . .
Weiße hatte bereits im Mai ein konzeptionelles Vorgehen gefordert (die RUNDSCHAU berichtete). Schulentwicklung und Abriss von leer stehenden Schulgebäuden müsse auch stadtplanerisch und stadtgestalterisch betrachtet werden. Deshalb ist auch die Entscheidung für die Sachsendorfer Gesamtschule gefallen, die am Standort Schwarzheider Straße mit Millionenaufwand saniert werden soll. Allerdings ist dieser Standort mit den Diskussionen um die Realschulen in Kahren und Sielow wieder infrage gestellt. Ohne Sanierung droht dem Haus in der Schwarzheider Straße, das eigentlich das Sanierungsquartier Turower Straße abrunden soll, ein ähnliches Schicksal wie der 1. Grundschule am Sachsendorfer Stadtrand.
Dort, und auch dieses Bild passt wie der eingangs zitierte Spruch zur Situation, waren Karate-Kämpfer letzte reguläre Nutzer der Turnhalle.

Hintergrund Gestaltung durch Abriss
 Der Abriss der 1. Grundschule kostet nach Angaben des städtischen Hochbauamtes etwa 70 000 Euro. Das Geld kommt aus dem Bund-Land-Programm für den Stadtumbau, aus dem auch Wohnungsabriss und Umfeldgestaltung bezahlt werden. Der Schulabriss gilt als Umfeldgestaltung und soll bis Dezember beendet sein.