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Stadtmaler Vester macht Sozialgeschichte lebendig

Hartmut Regenstein vor dem Bild seines Ur-Ur-Großvaters Heinrich Vester, das den Cottbuser Schlossbrand von 1857 zeigt.
Hartmut Regenstein vor dem Bild seines Ur-Ur-Großvaters Heinrich Vester, das den Cottbuser Schlossbrand von 1857 zeigt. FOTO: privat
Cottbus. Carl Heinrich Vester (1806 - 1891) gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Cottbuser Geschichte. Sein Bild "Schlossbrand 1857" ist nicht nur Kunstwerk, sondern auch ein wichtiges Dokument der Stadtgeschichte und damit Bestandteil der Ständigen Ausstellung des Stadtmuseums. Ulrike Elsner

Keiner kennt Heinrich Vester so gut wie Hartmut Regenstein. Der Ururenkel des Malers und Lehrer im Ruhestand lebt in Hamm und recherchiert bereits seit 22 Jahren über Leben und Werk seines berühmten Vorfahrs. "Ich habe 20 große Aktenordner über Vester", berichtet Regenstein, der sich im Rahmen eines Studiums im Alter an der Universität Münster mit neuerer Zeitgeschichte beschäftigt.

Derzeit wichtigstes Projekt des 65-Jährigen ist die geplante Veröffentlichung der Vester-Tagebücher. Unterstützung erhält der Hobbyhistoriker dabei vom Cottbuser Stadtarchivar Udo Bauer. "Vester hat bis 1852 in Cottbus gelebt und ist dann mit seiner Frau nach Guben gezogen", berichtet Regenstein. Die Aufzeichnungen aus dieser Zeit liegen bereits in einer für jedermann verständlichen Übertragung vor. Derzeit werden die Jahre 1833 bis 1835 übertragen.

Im Tagebuch des Jahres 1835 heißt es: "den 4 ten Juni früh nahm ich das Schießhaus auf und malte noch in dieser Woche 6 Ansichten davon. . . . Den 14 ten ging ich nach Koschendorf zum Baron von Belzig, wo ich wieder sehr gut aufgenommen wurde. Den 20 ten malte ich eine Ansicht von Cottbus gegen Mittag . . . Den 2 ten Juli Ich veränderte meine Wohnung. ich zog auf der Mühlenstraße zur Wittwe Jenchen, wo ich ein sehr geräum(i)ges und schönes Quartier bezog."

Was Hartmut Regenstein an den Tagebüchern fasziniert, ist die Tatsache, dass sie Alltagskultur des 19. Jahrhunderts lebendig und Geschichte als Sozialgeschichte greifbar machen. Aus diesem Grund habe ihn auch sein Professor an der Uni Münster, Dr. Olaf Blaschke, zum Projekt ermutigt.

Hartmut Regenstein, der bei seinen Cottbus-Besuchen gern am Spreewehr oder anderen Orten verweilt, die sein berühmter Vorfahr auf die Leinwand gebannt hat, kann manche Geschichte über Vester erzählen. So hatte der Maler, der in jungen Jahren um jeden Auftrag kämpfen musste, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, im Jahr 1846 in einer Lotterie 1000 Reichstaler gewonnen. "Er hat sie gut angelegt", weiß Regenstein, "denn er ist auf Reisen gegangen und war unter anderem in Dresden, Berlin und Frankfurt (Oder)."

Auch eine Schützenscheibe von 1870, die Vester bemalt hat, hat Hartmut Regenstein ausgegraben. Sie ist der Fürstenberger Schützengilde zuzuordnen und befindet sich heute in Privatbesitz.

www.heinrich-vester.de