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| 17:12 Uhr

Cottbus früher und heute
Die Klosterkirche wurde vor 110 Jahren umfangreich erneuert

Die Ansichtskarte von 1908 zeigt das Innere der Cottbuser Klosterkirche nach der Erneuerung, die am 1. November dieses Jahres wieder geweiht worden war.
Die Ansichtskarte von 1908 zeigt das Innere der Cottbuser Klosterkirche nach der Erneuerung, die am 1. November dieses Jahres wieder geweiht worden war. FOTO: Foto: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Stadthistorikerin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Klosterkiche Cottbus anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Der 1. November 1908 war für die Mitglieder der Klosterkirchengemeinde ein ganz besonderer Tag. Nach elfmonatiger Bauzeit konnte die Klosterkirche wieder geweiht und in Benutzung genommen werden. Zu diesem festlichen Anlass brachte der Archidiakonus der Klosterkirche, Max Haberland, eine Broschüre heraus mit dem Titel „Altes und Neues über die Klosterkirche zu Kottbus. Zur Wiedereröffnung derselben am 1. November 1908, der Gemeinde dargeboten von Max Haberland (...)“. Diese kleine Festschrift enthält zum Thema Klosterkirche folgende Aufsätze: 1. Das Franziskanerkloster; 2. Die Bedeutung der Reformation für die Klosterkirche; 3. Aus alten Kirchenbüchern, 4. Die Erneuerung. Ein weiteres Hauptthema waren die Reden und Predigten bei der Wiedereröffnung der Kirche: 1. Weiherede des Superintendenten Kuhnert im deutschen Gottesdienst; 2. Predigt des Archidiakonus Haberland; 3. Weiherede des Superintendenten Kuhnert im wendischen Gottesdienst; 4. Wendische Predigt des Diakonus von Làny.

In der Broschüre befinden sich auch Fotografien von der Klosterkirche, besonders vom Inneren, noch vor der umfangreichen Renovierung. Nur dadurch ist uns die frühere Gestaltung der Klosterkirche vor 1908 bildlich erhalten geblieben. Man kann es sich kaum vorstellen, dass die schmale, lange Kirche beidseitig mit Emporen bis in den Altarraum zugestellt war. Nur auf der Südseite, wo sich an einem Pfeiler die Kanzel befand, gab es eine Unterbrechung der Seitenempore.

Ein Blick in die Klosterkirche heute. Im Jahr 2005 war der Innenraum zuletzt erneuert worden.
Ein Blick in die Klosterkirche heute. Im Jahr 2005 war der Innenraum zuletzt erneuert worden. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch

Nach längerer Vorbereitung konnten die Umbauten und auch das Ausschmücken der Klosterkirche in Angriff genommen werden. Geplant war, nachdem man feststellen musste, dass man mit kleineren Reparaturen nicht hinkommt, folgende Arbeiten: Die Emporen sollten sämtlich entfernt werden. Im südlichen Seitenschiff sollte eine neue Empore angelegt werden mit Treppenaufgang im Innern der Kirche. Die Kanzel sollte an die Nordwand des Kirchenschiffes gesetzt werden. Die Orgelempore musste verbreitert und eine neue Orgel beschafft werden. Die Orgelbaufirma Sauer in Frankfurt (Oder) erhielt dazu den Auftrag. Die Kirche sollte neues Gestühl und Fußbodenbelag erhalten. Es sollten eine angemessene Heizung von der Firma Körting (Hannover) und die elektrische Beleuchtung von der Cottbuser Firma Schulze & Thun installiert werden. Der Eingang der Sakristei sollte verbreitert, und ein Ausgang aus der Sakristei nach dem Klosterplatz geschaffen werden. Die Ausführung der Bauarbeiten bekam die Cottbuser Firma Otto Rost übertragen.

Das Gestühl wurde zur Hälfte von der Firma  Rost und zur anderen Hälfte von der Firma Mittag aus Spremberg geliefert. Neue Fenster kamen von der Kunstglaserei Linnemann (Frankfurt/Main), die Ausmalung der Kirche übernahm der „Kirchenmaler“ Fey, der sich mit der Ausmalung der Klosterkirche in Doberlugk wenige Jahre zuvor einen guten Namen gemacht hatte. Das kann man sich auch heute noch anschauen und man stellt in der Farbgebung und Ornamenten viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Klosterkirchen fest. Die Gemeindemitglieder der Cottbuser Klosterkirche hatten für neue Altarraumteppiche, Paramente, Al­tartischdecken selber kunstvoll gestickt oder Spenden gesammelt.

Mit zwei Festgottesdiensten fand an jenem 1. November 1908 die Wiedereinweihung der Klosterkirche statt – vormittags für die deutschsprachige, nachmittags für die wendischsprachige Gemeinde. Zu diesen Gottesdiensten waren Eintrittskarten vergeben worden, weil die Sitzplätze nicht ausreichten. Auch die Schüler des Gymnasiums in der Promenade erhielten Eintrittskarten. Wohl hatte man gehofft, ähnlich wie das südliche Seitenschiff auch an der Nordseite der Kirche ein Seitenschiff anzubauen, um die fehlenden Sitzplätze zu ergänzen, aber nach gründlicher Untersuchung der Nordmauer musste man sich wegen der nicht ausreichenden Statik von diesem Traum verabschieden.

Für 30 Pfennige war die Broschüre zur Geschichte der Klosterkirche erhältlich, der Reingewinn vom Verkauf sollte zum Besten der Klosterkirche verwendet werden. Auf der Rückseite der Broschüre steht: „Das Bild, das das Innere der Klosterkirche nach der Erneuerung veranschaulicht, konnte nicht rechtzeitig in diese Schrift aufgenommen werden.“ Binnen Kurzem erschien im Kommissionsverlag von Albert Petersdorf, Kottbus, Sprembergerstraße 39, eine Ansichts-Postkarte „Das Innere der Klosterkirche nach der Erneuerung“ zum Preise von zehn Pfennigen Diese Postkarte ist eine hübsche Beilage zu dieser Schrift. Auch hier wird der Reingewinn zum Besten der Klosterkirche verwendet.

Nach der Beseitigung der Kriegsschäden war die Klosterkirche schon einmal geweißt worden und ist inzwischen auch etwas verändert worden. Die langen Bankreihen im östlichen Teil des Kirchenschiffes sind gekürzt, um 90 Grad gedreht worden und nun, je nachdem wie sie benötigt werden, mit einem kleinen Handgriff zum Altar oder zur Kanzel bzw. zur Orgel auszurichten. Reste der Ausmalung von 1908 kamen ebenfalls zum Vorschein und so wurde diese zum Teil wieder aufgefrischt. Selbstverständlich sind inzwischen Heizung und Beleuchtung dem neusten Stand der Technik angepasst. Das Äußere der Klosterkirche war 1992 und das Innere 2005 wiederhergestellt worden. Das sieht man aber nicht unbedingt auf der Vergleichsfotografie aus diesem Jahr.