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| 21:33 Uhr

Stadtpolitik
Mieten, Müll und Wohnprobleme

Zum Auftakt der neuen Staffel von Bürgerdialogen stellen sich GWC-Chef Torsten Kunze (v.l.), Stadtverordnetenchef Reinhard Drogla, OB Holger Kelch und Tilo Eichler von der EG Wohnen den Fragen der Einwohner. Beim nächsten Talk am 13. November steht der Strukturwandel im Mittelpunkt.
Zum Auftakt der neuen Staffel von Bürgerdialogen stellen sich GWC-Chef Torsten Kunze (v.l.), Stadtverordnetenchef Reinhard Drogla, OB Holger Kelch und Tilo Eichler von der EG Wohnen den Fragen der Einwohner. Beim nächsten Talk am 13. November steht der Strukturwandel im Mittelpunkt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der Auftakt der neuen Reihe von Bürgerdialogen ist geprägt von Sachlichkeit. Von Andrea Hilscher

Sie waren sichtlich gespannt: Der Oberbürgermeister, der Chef der Stadtverordneten, die Verwaltung – niemand konnte wirklich abschätzen, wie die zweite Staffel der Bürgerdialoge ablaufen wird. Kommen viele? Oder niemand? Wird es laut, und welchen Raum nimmt die Integrationsdebatte ein?

Am Dienstagabend um 18.30 Uhr ließ sich zumindest die erste Frage beantworten: Rund 60 Cottbuser hatten den Weg ins Stadthaus gefunden, wollten dort über das Wohnen und andere Probleme sprechen. Denn, und das ist neu an den aktuellen Bürgerdialogen: Sie verfolgen einen thematischen Schwerpunkt, öffnen sich erst danach allgemeinen Fragen und Anliegen.

Zum Auftakt also das Wohnen, das schon in den vorangegangenen Stadtteilgesprächen immer wieder für heftige Debatten gesorgt hatte. Doch wo es im Frühsommer noch um Alltagsprobleme im Zusammenleben mit Zugewanderten ging, fiel das Wort „Flüchtling“ nur im Rahmen eines kurzen Vortrages von Prof. Torsten Kunze, Chef der kommunalen Gebäudewirtschaft GWC. Die Sorgen der Einwohner waren andere.

Die GWC besitzt 17 318 der insgesamt 57 700 Wohnungen im Stadtgebiet. 10 000 Wohnungen gehören der EG Wohnen, rund 19 000 weiteren Firmen und Institutionen. 11 600 Wohnungen sind in Privatbesitz.

Von den 16 643 GWC-Wohnungen, die aktuell vermietet sind, werden rund 1000 von Flüchtlingen bewohnt. In einigen Stadtteilen liegt ihr Anteil an den GWC-Mietern bei 19 bis 25 Prozent, in anderen tendiert er gegen Null. Torsten Kunze: „Wir investieren viel in Ordnung und Sicherheit in unseren Anlagen. Trotzdem kämpfen wir mit zwei großen Problemen: der illegalen Sperrmüllablagerung und dem Schutz unserer Mitarbeiter.“

Ein Eindruck, den auch viele GWC-Mieter im Publikum bestätigten: Müll ist vor allem in großen Wohnblöcken ein Problem, das die Lebensqualität einschränkt. „Und wir wissen, wer den Müll auf den Gehweg wirft. Das sind nicht die Ausländer“, so eine Frau aus Sandow.

Ein Gefühl der Ohnmacht scheint sich bei vielen Mietern einzunisten. Sie haben Angst, die Müllverursacher direkt anzusprechen. Melden sie die Täter beim Vermieter, bekommen sie von dort oftmals keine Rückmeldung.

Ähnlich ohnmächtig fühlen sich auch die Menschen, die im Umfeld von zwei Supermärkten in Sandow leben und unter nächtlichen Störungen durch ausdauernde Trinker leiden. Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) sagt: „Wir kennen das Problem aus den Stadtteilgesprächen und haben bereits reagiert.“ Die Papierkörbe dort werden häufiger als früher geleert, Ordnungsamt und Polizei gehen häufiger Streife. „Aber wir müssen unseren Kontrollrhythmus noch etwas an die Gewohnheiten der Ruhestörer anpassen“, so Bergner. Er sei zuversichtlich, dass sich das Problem nach und nach in den Griff bekommen lässt.

Kaum lösbar scheint das Anliegen einer Hartz VI-Empfängerin aus Sandow. Sie sucht bei der EG Wohnen eine Unterkunft. Saniert und möglichst mit Balkon. Tilo Eichler, Geschäftsführer der Genossenschaft, muss zugeben: „Für 4,60 Euro Miete, die das Jobcenter pro Quadratmeter akzeptiert, können wir das nicht bieten.“ OB Holger Kelch (CDU) will dennoch nach einer Lösung suchen. Und auch Stadtverordnetenchef Reinhard Drogla (SPD) will aktiv werden: Als Aufsichtsratschef der GWC wird er intensiv über künftige Wohnformen debattieren. „Denn das wird eine der großen Herausforderungen: In einer alternden Stadt die Wohnungen anzubieten, die die Bedürfnisse der Menschen unterschiedlicher Generationen erfüllen.“