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Stadt will Ostsee ohne Speicher

Der See selbst ist für die Anlieger unproblematisch.
Der See selbst ist für die Anlieger unproblematisch. FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Die Stadt Cottbus lehnt eine Speicherfunktion und damit variable Wasserstände im künftigen Ostsee ab. Für die Grundwasserhöhen in den Anliegerorten ist der See laut einer Studie unproblematisch. Sven Hering

Hunderte Seiten Papier mit Plänen für den künftigen Cottbuser Ostsee hat Christoph Gerstgraser in den vergangenen Wochen studiert. Das Urteil des Chefs des gleichnamigen Ingenieurbüros für Renaturierung ist deutlich: "Aus rein fachlicher Sicht reichen die Planungsunterlagen für eine Speicherfunktion des Sees nicht aus", erklärt er.

So sollen Ufer und Böschungen zwar so gestaltet werden, dass der Wasserstand zwischen mehreren Metern variieren kann. Doch damit alleine ist es nicht getan. Sorgen bereitet Gerstgraser vor allem der Abfluss. Sollte der See nämlich als Puffer, zum Beispiel bei Hochwasser, genutzt werden, müsste auch deutlich mehr Wasser innerhalb kürzerer Zeit abgeleitet werden. Das gelingt aber nur, wenn der Schwarze Graben als Ableiter ausgebaut wird. 13 Meter breit wäre der neue Graben laut Plan. Und sehr flach. "Der müsste permanent unterhalten werden, sonst würde er sofort verschilfen", erklärt Gerstgraser. Die Kosten müsste die Kommune tragen. "Die Ableitung wird aus unserer Sicht so nicht funktionieren", so Gerstgraser.

Schwankungen möglich

Doch warum soll der Ostsee überhaupt eine Speicherfunktion erhalten? Bereits im Jahr 1997 untersuchte ein Gutachten die Möglichkeit einer Speichernutzung bei verschiedenen Wasserständen. Daraufhin wurden beide Bergbauunternehmen, Vattenfall und LMBV, nach dem Abschlussbetriebsplan verpflichtet, alle Uferböschungen für Wasserstandsschwankungen zwischen 61,8 bis 63,5 Metern über Normallnull zu gestalten. Doch Vattenfall selbst plädiert im aktuellen Planverfahren für einen konstanten Seewasserstand von 62,5 Metern. Würde der See allerdings Speicherfunktionen übernehmen, würde er zum Gewässer erster Ordnung aufsteigen. Dann müsste das Land für einen Teil der Aufwendungen aufkommen. Ohne Speicherfunktion bleibt der See ein Gewässer zweiter Ordnung - und allein in kommunaler Verantwortung.

Die Stadt jedenfalls wird in ihrer Stellungnahme zum laufenden Planverfahren beim Landesbergamt eine Speicherfunktion ablehnen. Darauf hat sich der Umweltausschuss in dieser Woche verständigt. Zugleich hofft die Kommune auf eine schnelle Entscheidung in dieser Frage. Denn vom künftigen Wasserstand wird es abhängen, wie zum Beispiel die Hafenanlagen konzipiert und gebaut werden müssen.

Zu einem anderen umstrittenen Thema gibt es hingegen schon jetzt eine klare Aussage. So wird der Ostsee den Grundwasserstand in den Anliegerorten kaum beeinflussen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Ingenieurbüros Gerstgraser. Die Fachleute haben danach Prognosen für die Zeit nach der Flutung des Sees erstellt. Nasse Füße wegen des Ostsees müsse kein Ortsteil befürchten, so Christoph Gerstgraser. Auch die Mülldeponie bei Saspow ist nach seinen Aussagen sicher. Zwischen Deponiefuß und Grundwasser werden demnach zwei Meter liegen.

Gräben für Regenwasser

Gerstgraser erneuerte allerdings seinen Appell, dass die Gräben dringend in Ordnung gebracht werden müssten. Das sei wichtig, um das Regenwasser ordentlich ableiten zu können.

Für Neu-Schmellwitz unterbreiten die Fachleute schon einen konkreten Vorschlag: Querschnitt verringern und die Sohle anheben. Erst dann sei dort gewährleistet, dass wieder regelmäßig Wasser durch die Gräben fließt. Gegenwärtig steht dort eine unansehnliche rot-braune Brühe.

Zum Thema:
Das 1. Mauster Wasser-Fest veranstaltet die Bürgerinitiative "Achtung Ostsee" am 2. Mai ab 12 Uhr. In ungezwungener Atmosphäre soll sich dabei kritisch mit dem Thema Cottbuser Ostsee auseinandergesetzt werden, heißt es in der Einladung. So werden Vertreter der Bürgerinitiative "Achtung Ostsee", des Aktionsbündnisses Klare Spree und der Grünen Liga vor Ort sein.