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Stadt rechnet mit mehr Flüchtlingen

Cottbus. Die Stadt Cottbus richtet sich auf die Aufnahme von zusätzlichen Flüchtlingen ein. Die Kapazitäten für die Unterkünfte werden deshalb angepasst. Vor allem der Anteil der Kinder steigt. Für sie wünscht sich die Kommune einen Sprachschnellkurs. Sven Hering

Kriege, Naturkatastrophen oder Hungersnöte lassen die Flüchtlingsströme nach Europa derzeit wieder anwachsen. Deutschland erfülle im europäischen Rahmen seine Verpflichtung zur Leistung humanitärer Hilfe, heißt es aus der Stadtverwaltung. Für die Stadt Cottbus bedeutet das konkret: 3,7 Prozent der auf das Land Brandenburg zugewiesenen Flüchtlinge werden hier aufgenommen. Im vergangenen Jahr waren das 115 Personen.

Für das Jahr 2014 rechnet die Verwaltung mit 194 Flüchtlingen. Sie sollen vor allem in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hegelstraße wohnen. 150 Menschen haben dort gegenwärtig Zuflucht gefunden, 64 Männer, 37 Frauen und 49 Kinder. "Auch wenn die Zahlen steigen, bereitet uns das keine Sorgen", sagt Sozial dezernent Berndt Weiße (parteilos). So seien Gespräche mit der eG Wohnen geführt worden, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Bereits jetzt sind 59 Personen in Wohnungen untergebracht. In der Hegelstraße sollen weitere Heimplätze eingerichtet werden.

Das Land hat laut Stadt auf die steigende finanzielle Belastung der Kommunen reagiert. So zahlt es für die Betreuung mehr Geld. Seit dem 1. Januar 2013 bekommt die Kommune pro Flüchtling 9011 Euro pro Jahr und damit rund 1000 Euro mehr als bisher. Außerdem wird eine Investitionspauschale von einmalig 2300,81 Euro pro Platz in Gemeinschaftsunterkünften gewährt. Im Jahr 2014 könne diese Pauschale sogar auf 5000 Euro pro Platz erhöht werden.

Allerdings sind damit noch nicht alle Kosten gedeckt. Vor allem die Krankenkosten belasten den städtischen Haushalt. Viele Flüchtlinge weisen einen schlechten Gesundheitszustand auf, werden aber nicht krankenversichert. Deshalb muss die Stadt Cottbus für die Kosten aufkommen. Schnell kommt da eine große Summe zusammen. So leben laut Stadtverwaltung derzeit eine mazedonische und eine russisch/tschetschenische Familie mit krebskranken Kindern in Cottbus. Für Krankenhausaufenthalte, Chemotherapie oder Reha wurden pro Jahr und Fall rund 100 000 Euro fällig. "Wir würden uns wünschen, dass auch Asylbewerber krankenversichert werden", sagt Berndt Weiße.

Der Sozialdezernent hat noch einen weiteren Wunsch: Sprachkurse vor allem für die Kinder. 31 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 15 Jahren leben derzeit im Asylbewerberheim. "Diese Kinder sind ab dem zweiten Tag der Ankunft in Cottbus schulpflichtig", erklärt Weiße. Wegen fehlender Sprachkenntnisse würden sie aber kaum mitkommen. "Sie ernten in der ersten Zeit nur Misserfolge", so der Dezernent. "Deshalb versuchen wir, mit dem Land eine Verbesserung hinzubekommen."

Zum Thema:
In der Gemeinschaftsunterkunft in Cottbus leben derzeit Flüchtlinge aus folgenden Ländern: Russland und Serbien (je 26), Afghanistan (23), Iran (13), Bosnien-Herzegowina (10), Kamerun (8), Kenia, Mazedonien, asiatische Länder (je 5), Syrien, Vietnam (je 4), China und Somalia (je 3), Algerien, Nigeria, Pakistan (je 2) sowie Tschad und Irak. Außerdem gibt es noch fünf Bewohner mit ungeklärter Nationalität.