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Stadt prüft die Nacht-30er-Zonen

Nachts gilt in der Saarbrücker Straße Tempo 30. Tagsüber aber, wenn sich häufig Auto an Auto reiht, sind 50 km/h erlaubt.
Nachts gilt in der Saarbrücker Straße Tempo 30. Tagsüber aber, wenn sich häufig Auto an Auto reiht, sind 50 km/h erlaubt. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Fünf Jahre nach Beginn der Nacht-30er-Zonen in Cottbus bewertet die Stadt derzeit die Effekte der Einschränkung. Die Anwohner der Saarbrücker Straße haben eine eigene Meinung dazu. Sie fordern ein ständiges Tempolimit. Peggy Kompalla

Die Sonne scheint, die Obstbäume schieben die ersten Blüten. Eine Hängematte wartet auf Faulenzer. Der Garten von Familie Namyslo ist ein idyllischen Fleckchen. Eigentlich. Denn über allem liegt ein Dauerbrummen. Die Familie wohnt direkt an der Saarbrücker Straße - der Haupteinfahrt in die Stadt von der Autobahnabfahrt Cottbus West. Das Haus steht nur wenige Meter von der Straße entfernt. "Ich wache jeden Morgen um 5 Uhr auf", sagt Christian Namyslo lakonisch. Dann dürfen die Fahrzeuge wieder 50 km/h fahren. Tempo 30 gilt von 22 bis 5 Uhr. "Das spürt und hört man sofort. Die 30 km/h fühlen sich wie eine Halbierung des Lärms an."

Deshalb fordern die Anwohner der Saarbrücker Straße eine permanente 30er-Zone. "Wir wollen die 30 auch tagsüber", betont Namyslo. "Hier geht es schließlich um die Gesundheit unserer Familien." Christian Namyslo brauchte keine drei Tage, um mehr als 70 Unterschriften bei den Anwohnern zu sammeln. Sie unterstützen den Wunsch nach einer dauerhaften Temporeduzierung.

Dieser Antrag ist mittlerweile in der Straßenverkehrsbehörde gelandet. Leiter Manuel Helbig erklärt: "Nach fünf Jahren überprüfen wir gerade die Nacht-30er-Zonen." Im Jahr 2010 waren sie auf sechs Hauptverkehrsstraßen (siehe Zum Thema) eingeführt worden, die täglich von mindestens 16 800 Fahrzeugen passiert werden. Damit wurde die erste Stufe des Lärmaktionsplanes umgesetzt. Stephan Böttcher vom Umweltamt ergänzt: "Wir stecken gerade mitten in einer Wirkungsanalyse. Dabei werden die Fahrzeuge gezählt, aber auch überprüft, wie die Verkehrsströme verlaufen." Darüber hinaus soll es im Juni eine Bürgerbefragung bei den betroffenen Haushalten geben. "Alles zusammen fließt in die Bewertung der Nacht-30er-Zonen ein", betont Böttcher.

Die Anwohner wurden von der Ankündigung dieser Überprüfung aufgeschreckt. Dabei kommt die Stadt mit der Analyse einer alten Forderung aus der Wirtschaft nach. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) gehört zu den stärksten Kritikern der Tempo-Limits, hatte schon im Jahr 2013 eine Evaluierung gefordert und legte eine eigene repräsentative Umfrage der Cottbuser Transportbranche vor.

Das Ergebnis war deutlich: Demnach beeinträchtigt das nächtliche Tempo 30 den Geschäftsbetrieb von 54 Prozent der Unternehmen negativ. Das Fazit der IHK: "Die nächtlichen Tempo-30-Zonen sind für den Wirtschaftsstandort Cottbus und das Image der Großstadt schädlich."

Die Anwohner sehen das freilich anders, haben längst das Größere im Blick. Denn der Verkehr in der Stadt Cottbus ist nur ein kleiner Ausschnitt. Um die Ströme zu verstehen und zu lenken, müsse die ganze Region betrachtet werden. Deshalb haben die Anwohner der Saarbrücker Straße Kontakt zur Bürgerinititative B 169 aufgenommen. Ihr Sprecher Gerhard Düring erklärt: "Wir brauchen ein Verkehrskonzept das Cottbus, Spree-Neiße und den Oberspreewald-Lausitz-Kreis einschließt. Nur so können die Probleme gelöst werden."

Unterdessen sind die Äußerungen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) beim Treffen der Verkehrsminister Wasser auf die Mühlen der Anwohner der Saarbrücker Straße. Dort erklärte Dobrindt, dass es künftig einfacher sein soll, an innerstädtischen Hauptstraßen Tempo 30 einzuführen - zum Schutz von Kindern, aber auch vor Lärm.

Zum Thema:
Die Stadt überprüft derzeit die Nacht-30er-Zonen, die seit dem Jahr 2010 auf sechs Hauptstraßen von Cottbus gelten. Dresdner Straße - von Eilenburger Straße bis Hermann- Löns-Straße, Madlower Hauptstraße - von Kiekebuscher Weg bis Gelsen- kirchener Allee, Saarbrücker Straße - von Lipezker Straße bis Ortsausgang, Kolkwitzer Straße - von Karl-Liebknecht-Straße bis Mittle- rer Ring, Sielower Landstraße - von Nordring bis Rennbahnweg, Thiemstraße - von Finsterwalder bis Welzower Straße