Damit folgt die Verwaltung der Bewertung der Parkplatzsituation des Investors und nutzt eine Ausnahmeregelung ebenjener Satzung - zugunsten des Unternehmens. Der EKZ GmbH werden für die Stellplatzablöse knapp 300 000 statt 900 000 Euro in Rechnung gestellt. Dem folgt am Mittwochnachmittag die Mehrheit des Stadtparlaments und verzichtet überraschenderweise auf eine zweite Lesung. So ist ein Stein für eine Baugenehmigung aus dem Weg geräumt.

Eine klare Abfuhr gibt die Stadt dagegen einem Baukostenzuschuss, den der Investor einfordert. Das Unternehmen möchte mindestens 1,2 Millionen Euro von der Stadt haben. Der Grund: Die entstandenen Mehrkosten für die Planwerkstatt mit Bürgerbeteiligung und das sich anschließende Bebauungsplanverfahren. Diese Mehrkosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro sind aus Sicht der EKZ GmbH vollständig von der Stadt zu verantworten.

Das Unternehmen hatte sich gezwungenermaßen auf diesen Prozess unter Moderation des renommierten Architekturprofessors Heinz Nagler eingelassen, um das Bauprojekt im Jahr 2015 zu retten. Denn das Stadtparlament hatte ein Jahr zuvor nach langem Hinhalten und einigen Ausfällen des Investors gegenüber der Verwaltung und den Lokalpolitikern den Bebauungsplan für das Areal aufgehoben und damit den alten Plänen eine Absage erteilt.

Bevor die Stadt die Genehmigung für das neue Bauprojekt erteilen kann, fehlt nach Auskunft der Verwaltung noch die Unterschrift unter dem Stellplatzablösevertrag. Das Papier ist bereits formuliert. Die nun - auch vom Parlament abgesegnete - fällige Summe beträgt nur noch ein Drittel. Ob allerdings auch das Signum beider Parteien folgt, ist offen. Die EKZ GmbH pokert hoch und setzt die Stadt in den Verhandlungen massiv unter Druck. Der Investor will von der Stellplatzablöse komplett befreit werden oder aber einen Baukostenzuschuss in Höhe von 1,2 Millionen Euro erhalten. Andernfalls, so das Argument des Investors, wäre die Eröffnung des Einkaufszentrums im Oktober 2018 gefährdet.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) erklärt dazu: "Der Stand ist nicht befriedigend. Wir brauchen an diesem wichtigen innerstädtischen Standort die Entwicklung. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns das Grundstück nicht gehört. Es ist und bleibt ein manchmal sehr mühsames Gehen kleiner Schritte, um mit dem Projekt voranzukommen."

André Kaun (Linke) macht aus der Auffassung seiner Fraktion keinen Hehl: "Die Linke hält dieses Projekt für schlecht. Gerade in Anbetracht einer aktuellen Studie zur Einzelhandelsbranche in Brandenburg. Demnach ist Cottbus Spitzenreiter bei den Einzelhandelsflächen pro Einwohner. Jetzt sollen noch einmal 7000 Quadratmeter hinzugefügt werden."

Die CDU-Fraktion macht dagegen Dampf. Es ist ihrer Initiative zu verdanken, dass die Vorlage zur Minderung der Stellplätze nicht in eine zweite Lesung geht und damit noch einen Monat länger auf eine Entscheidung wartet.

Es besteht allerdings noch eine Hürde für die Baugenehmigung: Wie die Verwaltung mitteilt, hat sich die EKZ GmbH im städtebaulichen Grundsatzvertrag verpflichtet, vor Erteilung der Baugenehmigung eine Bürgschaft in Höhe von 250 000 Euro zur finanziellen Absicherung der Textilfassade an die Stadt zu überweisen.