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| 06:59 Uhr

Umweltfrevel in Cottbus
Streit um ätzenden Chemikalienfund

Giftige Chemikalien sind in Cottbus an Straßenrändern gefunden worden: Hyfax 5 wirkt mit Wasser gefährlich ätzend.
Giftige Chemikalien sind in Cottbus an Straßenrändern gefunden worden: Hyfax 5 wirkt mit Wasser gefährlich ätzend. FOTO: LR / Harald Pleß
Cottbus. Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt wegen des Einbruchs und Abstellens der Behälter in der Stadt. Von Simone Wendler

Seit zwei Wochen lagern nach Auskunft der Stadtverwaltung Cottbus bei einem Entsorgungsspezialisten nunmehr Gärtnerei-Chemikalien, die vorher auf einem alten Gärtnerei-Gelände am Rand der Branitzer Siedlung entdeckt wurden. Darunter sind Behälter mit einem Spezialreiniger für Glas, der in Verbindung mit Wasser stark ätzend wirkt. Die Substanzen werden für Ermittlungen der Polizei gesichert. Für den Transport zu dem Entsorgungsunternehmen ist die Stadt nach Auskunft von Umweltamtschef Stephan Böttcher mit mehreren Tausend Euro in Vorleistung gegangen.

Behälter mit dem Granulat aus DDR-Produktion waren Ende Juni und Anfang Juli von Unbekannten an mehreren Stellen in der Stadt Cottbus deponiert worden. Manchmal zwei, manchmal nur eine der fast vier Kilogramm schweren Büchsen aus dem „VEB Haushaltsreiniger“ standen am Straßenrand.

Über das Entfernen der restlichen Behälter und anderer Chemikalien von dem Gärtnerei-Gelände und die dabei entstandenen Kosten könnte es bald einen handfesten Streit zwischen der Stadt und der Branitz Garden GmbH geben. Die Gesellschaft hatte gleich nach ihrer Gründung die Fläche vor einem Jahr als Gartenland gekauft. Das Unternehmen plant dort Wohnbebauung, die Stadt lehnt das ab.

Gegen eine abschlägige Bauvoranfrage hat der Rechtsanwalt der Branitz Garden GmbH, Frank Mittag, Widerspruch eingelegt. Er will auch das sichergestellte Granulat zurück haben. Doch unternommen hat er bisher nichts. „Ich will mich jetzt erst mal schlau machen, was dort auf dem Gelände wirklich passiert ist“, kündigt er an.

Stephan Böttcher, Leiter des Umweltamtes, schildert die Ereignisse so: Kurz nach dem ersten Fund des ätzenden Reinigers in der Stadt habe die Polizei mitgeteilt, dass es einen Einbruch in einen Chemikalienraum auf dem heruntergekommenen Gärtnerei-Gelände gebe. Die Fachbehörde sei hinzugezogen worden. In dem Raum, zu dem eine von zwei Türen aufgebrochen worden war, lagerten neben Büchsen des Glasreinigers auch Pflanzenschutzmittel, Kanister und Flaschen mit Totenkopf-Aufdruck.

Die Entscheidung, den Inhalt des Lagers durch eine Fachfiirma sichern zu lassen, hätten Polizei und Feuerwehr aus der Einsatzsituation heraus getroffen, so Böttcher. „Wir werden versuchen, dem Eigentümer die Kosten in Rechnung zu stellen“, kündigt er an.

Julia Grelke, die Geschäftsführerin der Branitz Garden GmbH mit Berliner Adresse, sei sofort per Mail über den Einbruch informiert und aufgefordert worden, sich mit dem Umweltamt in Verbindung zu setzen. Das sei nicht erfolgt, so Böttcher. Rechtsanwalt Frank Mittag versichert dagegen: „Mit meiner Mandantin hat sich niemand in Verbindung gesetzt.“

Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt derweil wegen des Einbruchs auf dem Gartengelände und wegen des Abstellen der Chemikalienbehälter im Stadtgebiet. Anfang der Woche werden Fachleute des Landeskriminalamtes den alten Glasreiniger genau in Augenschein nehmen, um festzustellen, wie gefährlich die Substanz ist.

FOTO: fotolia / ecelop