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| 17:13 Uhr

Cottbus
Brett vorm Kopf

Die Sicht an der Kreuzung von Bürgerstraße und Straße der Jugend ist durch ein Gerüst stark eingeschränkt. An der Kreuzung ereignete sich Anfang August ein schwerer Unfall. Dabei übersah ein Autofahrer eine Straßenbahn, die stadtauswärts fuhr.
Die Sicht an der Kreuzung von Bürgerstraße und Straße der Jugend ist durch ein Gerüst stark eingeschränkt. An der Kreuzung ereignete sich Anfang August ein schwerer Unfall. Dabei übersah ein Autofahrer eine Straßenbahn, die stadtauswärts fuhr. FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Nach einem schweren Unfall prüft die Stadt die Sperrung der Bürgerstraße. Denn die Sicht in die Straße der Jugend wird an der Kreuzung durch ein Gerüst stark eingeschränkt. Von Peggy Kompalla

Eine Straßenbahn kann unsichtbar werden. Was nach einem Zaubertrick klingt, ist in Cottbus Realität. Allerdings mit dramatischen Konsequenzen. Die haben am 2. August zwei Fahrzeuginsassen schmerzlich zu spüren bekommen. Sie wurden bei einem Unfall verletzt. Der Autofahrer übersah an der Kreuzung von Bürgerstraße und Straße der Jugend eine Straßenbahn. Beide Gefährte stießen zusammen. Daraufhin war fast das gesamte städtische Nahverkehrsnetz von Cottbusverkehr für eine Stunde lahm gelegt. Die Stadt prüft nun, wie die Gefahrenstelle entschärft werden kann.

Wer von der Bürgerstraße mit dem Auto in die Straße der Jugend einbiegen will, braucht gute Nerven. Denn um überhaupt die Straße der Jugend einzusehen, muss das Auto sehr weit in den Kreuzungsbereich hineinmanövriert werden. Die Front des Fahrzeugs versperrt dann längst den Fahrradstreifen. Und dort sind viele Radler unterwegs. Erst weit über das Lenkrad gelehnt, kann der Autofahrer einen Blick hinter die Bretterwand werfen. Sie ist das eigentliche Übel. Sie versperrt die Sicht (siehe Foto oben).

Für Cottbusverkehr gehört diese Kreuzung seit dem vergangenen Jahr zu den größten Gefahrenstellen in der Stadt. Das bestätigt Unternehmenssprecher Robert Fischer. „Das betrifft nicht nur die Straßenbahnen, sondern auch die Busse“, sagt er. Dabei seien das gar nicht vordergründig die Autos, die Schwierigkeiten mit der Sicht haben. „In dem Bereich fahren die Radfahrer nämlich noch ein Stück weiter auf die Fahrbahn raus.“ Es wird also ziemlich eng. Diese Szenen lassen sich täglich beobachten.

Die besagte Wand an der Straße der Jugend ist Teil eines Gerüsts, das zum Schutz an dem Eckhaus angebracht worden ist, weil das Gebäude einzustürzen drohte. Es gehört nach Auskunft der Stadt einer Erbengemeinschaft, von der keine Person in Cottbus lebt. Niemand kümmerte sich um die Sicherung des Besitzes. Das übernahm schließlich die Stadt, nachdem ein Statiker Alarm geschlagen hatte. Zur Sicherung gehört nicht nur der überdachte Gang für den Gehweg. Das Haus wurde darüber hinaus eingerüstet, Stützen angebracht und Teile des Bauwerks sogar abgetragen. Hinzu kommt die Verkehrssicherung. Damit sei die Stadt mit einer fünfstelligen Summe in Vorleistung gegangen. Seither ist die Bürgerstraße an der Kreuzung halbseitig gesperrt. Fahrzeuge dürfen sie nur in Richtung Straße der Jugend verlassen.

Nach Auskunft von Stadtsprecher Jan Gloßmann ist bezüglich der Gefahrenstelle noch keine Entscheidung gefallen. „Es werden noch weitere Gespräche geführt und Analysen vorgenommen“, erklärt er. Demnach sei die Sperrung der Straße eine Option. „Das muss allerdings noch geprüft werden“, sagt Gloßmann. Denn in dem Quartier ist der Verkehr durch die Bauarbeiten in der Breitscheidstraße erheblich eingeschränkt. Darüber hinaus beginnen offenkundig die Arbeiten an dem alten Brauerei-Gelände. Dort wird dieser Tage ein Gerüst aufgestellt. Die Stadt hatte im Zuge der Modellstadt-Bilanz darüber informiert, dass dort Wohnraum entstehen soll.

Für die Polizei ist die Kreuzung von Bürgerstraße und Straße der Jugend kein Unfallschwerpunkt, wie Sprecher Torsten Wendt erklärt. In dem Bereich hat es demnach keine weiteren Unfälle gegeben.

Das Haus ist vor ziemlich genau einem Jahr gesichert worden. Seither steht das Gerüst. Noch bevor es hochgezogen wurde, um die Fassade zu stützen, durfte die Straßenbahn aufgrund einer Unwetterwarnung einen Nachmittag lang nicht durch die Straße der Jugend fahren. „Wenn das Haus stürzt, dann in Richtung Straße der Jugend“, hatte Jan Gloßmann damals erklärt. Aus diesem Grund muss das Konstrukt bleiben. „Das Gerüst kann nicht anders gesetzt werden“, betont der Stadtsprecher. Die Frage ist allerdings, ob solch ein Bretterverschlag in Richtung Straße nötig ist.