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| 18:05 Uhr

Staatstheater Cottbus
Schauspieldirektor Jo Fabian muss gehen

 Schauspieldirektor Jo Fabian verlässt Cottbus. Sein Vertrag wird nicht verlängert.
Schauspieldirektor Jo Fabian verlässt Cottbus. Sein Vertrag wird nicht verlängert. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross
Cottbus. Überraschender Abgang am Cottbuser Staatstheater: Der neue Intendant Stephan Märki verlängert den Vertrag mit dem hochdekorierten Regisseur und Schauspieldirektor Jo Fabian nicht. Der hat eine Vermutung, warum er gehen muss. Von Andrea Hilscher

Es ist nicht einmal ein Jahr her, da machte Schauspieldirektor Jo Fabian mit einer Cottbuser Inszenierung bundesweit Furore: Sein „Onkel Wanja“ war für den bedeutenden Theaterpreis „Faust“ nominiert.

Stadt und Land waren voll des Lobes für Fabians Aufführung, die in politisch schwierigen Zeiten ein klares Statement für die Freiheit der Kunst gesetzt hat. Jetzt ist damit Schluss: Der künftige Intendant und Operndirektor des Cottbuser Staatstheaters Stephan Märki hat Fabians Vertrag nicht verlängert.

Mögliche Gründe dafür wollte das Haus nicht nennen, Märki selbst beantwortete eine Anfrage der Lausitzer Rundschau bislang nicht.

Cottbuser Regisseur Jo Fabian: Passt er nicht ins Konzept?

Jo Fabian hält sich ebenfalls bedeckt. „Ich kann Ihnen zu den Gründen des designierten Intendanten leider auch nichts sagen“, schreibt er. „Mit Vermutungen allein ist wahrscheinlich auch niemandem geholfen.“ Vielleicht, so die Vermutung des mit vielen Preisen dekorierten Schauspieldirektors, ergibt sich die Entscheidung aus der Konzeption für das Haus, sobald er seine Ideen dazu öffentlich vorstellt. „Möglicherweise passe ich da nicht gut rein.“

Jo Fabian ist seit der Spielzeit 2017/2018 Schauspieldirektor am Staatstheater Cottbus, gebunden durch einen Dreijahresvertrag. In dieser Zeit hat er neben dem viel beachteten „Onkel Wanja“ unter anderem auch „Das kalte Herz“, Ibsens „Der Volksfeind“ und „Terra in Cognita“ auf die Bühne gebracht.

Staatstheater präsentiert Spielplan im Branitzer Park FOTO: Michael Helbig

Die Stücke wurden von der Kritik als „verzaubernd“, „innovativ“ und „großartig“ gelobt. Andere Kritiker schrieben allerdings von „schwer verdaulichen Theaterbrocken“, die das Cottbuser Publikum nicht immer schlucken mochte – selbst bei Premieren gab es leere Plätze im Großen Haus.

Cottbuser Theateregisseur Jo Fabian will politisches Theater

Jo Fabian dagegen empfand die Situation am Cottbuser Haus als befreiend. Nach dem Ausscheiden des Führungsduos Martin Schüler und Evan Christ habe es ein Vakuum gegeben.

Fabian sagte damals, das Haus definiere sich neu, was gerade in Zeiten wichtig sei, in denen die AfD die Freiheit der Kunst beschneiden wolle. „Die Schauspieler laufen mit auf den Demos, sie kleben Plakate, sie reagieren auf eine brisante Situation.“ Er selbst denkt politisch, seine Kunst will überkommene Denkweisen aufbrechen und mixt Elemente des Surrealismus mit eigenen Darstellungsformen.

1994 wurden zwei seiner Produktionen zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 1999 erhielt Jo Fabian den hochdotierten Deutschen Produzentenpreis für Choreographie.

Stephan Märki übernimmt zur Spielzeit 2020/21 die Intendanz am Staatstheater Cottbus, bis dahin führt Interims-Intendant Serge Mund die Geschäfte.